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Warum Unternehmen viel Geld in nicht benötigte Software investieren und wie sie „Schranksoftware“ vermeiden könnten
Category: Computer & Technology
Article added by: Alexander Hauck


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Behörden und Unternehmen lagern ungenutzte Software in Schränken und Schubladen

Das Problem hat viele Namen, etwa „stille Software" oder „Schranksoftware". Gemeint ist immer dasselbe: Computerprogramme, die angeschafft, aber nur kurz oder gar nicht benutzt wurden und dann in Schränken verstauben. Vor allem Unternehmen und auch Behörden geben viel Geld für Software aus, die sie eigentlich gar nicht brauchen oder längst nicht mehr benutzen. Ursachen sind meist eine fehlerhafte Planung, attraktive Rabatte bei höherer Abnahmemenge oder dass sich bisher verwendete Programme nicht mehr updaten lassen. Wie viel Geld dadurch in Deutschland jährlich verschwendet wird, lässt sich nicht genau sagen. Allerdings schätzt das US-Marktforschungsunternehmen Meta Group, dass von den 239 Milliarden US-Dollar, die im Jahr 2003 weltweit für Software ausgegeben wurden, rund 90 Milliarden in ungenutzte Software investiert wurden – ein gewaltiges Einsparungspotenzial, das still in Schränken und Schubladen verschwindet.

Dass ein Unternehmen mehr Lizenzen einkauft als aktuell benötigt werden, ist nichts Ungewöhnliches. Meist bieten die Verkäufer für Großabnehmer attraktive Rabatte auf Produkte oder Service-Leistungen. In vielen Fällen rechnet es sich auch für die Unternehmen, wenn sie im Paket kaufen, statt jede Lizenz einzeln zu erwerben. Gerhard Wagner, Vorsitzender des Softwareunternehmens nova ratio AG im rheinlandpfälzischen Hundsdorf, rät dennoch zur Vorsicht. Viele Firmen würden überzählige Lizenzen in der Hoffnung erwerben, dass ihr Unternehmen weiter wachsen werde: „Oft wird beim Kauf aber optimistisch statt realistisch gedacht." Was sich kurzfristig durchaus bezahlt mache, könne langfristig richtig teuer werden: „Wenn etwa für die Lizenzen jährlich neue Gebühren anfallen."

Am einfachsten können Unternehmen und Behörden deshalb Geld sparen, indem sie sich mit ihrem aktuellen und vorhersehbaren Softwarebedarf auseinandersetzen: „Unnötiger Ankauf von Software liegt oft an einer unklar definierten Strategie", so IT-Experte Wagner. Unternehmen könnten zum Beispiel analysieren, wie oft und wie lange bestimmte Softwareprogramme verwendet werden. Größere Unternehmen leisten sich gar ein eigenes IT-Controlling mit Softwarelizenzmanagement.

Auch Behörden haben mit Schranksoftware zu kämpfen

Der Bund der Steuerzahler mit Sitz in Berlin kennt zahlreiche Beispiele für „Schranksoftware" in Behörden: „Anfang 2004 wurde nach zwei Wochen Betrieb die Software für den Steuerrechner des Bundesfinanzministerium wieder aus der Anwendung genommen", berichtet Sprecherin Julia Berg. Grund seien wiederholt falsche Ergebnisse gewesen, die das Programm geliefert habe. Die Ursachen für diese Fehler blieben im Dunkeln, da implementierte Programme privater Anbieter einwandfrei funktionierten.

Behörden und viele Unternehmen wissen gar nicht, wie viele und wie wertvolle Lizenzen in den Schränken und Schubladen lagern oder auf PC-Systemen schlummern. In der Telekommunikationsbranche etwa verfügen vier von zehn Unternehmen über zuviel Software. Zu diesem Ergebnis kommt das Hamburger Consultingunternehmen Steria Mummert in einer Ende 2007 veröffentlichten Studie. Diese Unternehmen hätten oft mehr als 100 Software-Anwendungen im Einsatz, wobei lediglich ein Drittel für die Alltagsarbeit benötigt würde, so die Studienautoren.


Posted By: Alexander Hauck
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