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Wo bleiben sie nur?

Kategorie: Familie
Artikel veröffentlicht von: Leilah Lilienruh


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Sa(tierisches) zum Thema Konsumverhalten

Das ist ja wohl unglaublich! Einfach nicht zu fassen! Ich bin zutiefst enttäuscht und entrüstet. Als ich heute Morgen in den Supermarkt kam, hätte ich fast meinen Augen nicht getraut: Sie sind noch nicht da, kein einziger von ihnen, weder große noch kleine! Ich wollte vorsichtshalber wenigstens ein halbes Dutzend mitnehmen. Die anderen Kunden schlafen ja auch nicht.
Dabei haben wir doch schon Mitte Januar, und ich bin ganz fest davon ausgegangen, dass sie spätestens diese Woche ankommen. Es wird ihnen auf dem Weg doch nichts zugestoßen sein?! Sie sind bekanntlich recht empfindlich, vor allem an den Ohren. Temperaturen über fünfundzwanzig Grad und Stürze überstehen sie kaum unbeschadet.
Ich habe mich natürlich gleich an den Abteilungsleiter gewendet und nachgefragt, aber er hat nur mit den Schultern gezuckt und gemeint: „Vielleicht nächste Woche."
Wie kann das sein? Schließlich haben sie bereits in drei Monaten ihren großen Auftritt. Ein wenig diskriminierend ist das schon, nicht wahr. Die werten Kollegen in rot wurden da ganz anders hofiert.
Ich kann mich noch genau dran erinnern, dass die ersten von ihnen bereits grinsend im Supermarkt herumstanden als ich an einem der wenigen heißen Tage im letzten August schwitzend einen Kasten Mineralwasser geholt habe. Ich weiß das so genau, weil ich selbstverständlich gleich noch mal rein bin in den Laden, um ein paar mitzunehmen, als ich die Kiste im Auto verstaut hatte.
Ich wette, dieser ignorante Herr Abteilungsleiter von heute Morgen hatte ein verdammt schlechtes Gewissen. Stellen Sie sich vor, was er mir in seiner Arglist vorschlug: „Möchten Sie nicht stattdessen einen mit Mütze und Bart nehmen? Davon haben wir noch jede Menge im Angebot und innen drin sind die fast genauso."
Sehe ich etwa so aus, wie jemand, der im Januar noch einen von denen will? Vor August kommen die mir doch gar nicht mehr ins Haus.
Überhaupt, wie würde das denn aussehen?! Schließlich habe ich vorgestern die Kisten mit Dekomaterial vom Dachboden geholt und alle Räume passend zum Anlass neu geschmückt. Nur noch ein paar schnuckelige Fensterbilder und vielleicht das eine oder andere Kränzchen an der Haustür, und fertig ist das gemütliche Heim.
Nun, da wird mir gar nichts Anderes übrig bleiben, als den Supermarkt zu wechseln. Schließlich kann man ja nicht bis März drauf warten, dass endlich die Schokoladen-Osterhasen eintreffen.


Veröffentlicht von: Leilah Lilienruh
Web: http://www.wortquelle.de
Kontakt: e-mail


Über den Autor:
-Geboren am 1.4.1963 in Offenbach a. Main -verheiratet, drei Kinder, wohnhaft in der Nähe von Kassel -Nach dem Abitur Ausbildung zur Zeitungsredakteurin, anschließend Studium der Sozialwissenschaften an der Universität Göttingen -Während des Studiums und später langjährige Tätigkeit als Freie Journalistin, Schwerpunkte Frauenpolitik, Reise und Kultur -Als Ghostwriterin für Verlage, Unternehmen und Privatpersonen tätig -Veröffentlichungen von Kurzgeschichten und Gedichten in Zeitungen -Seit 2000 maßgebliche Mitwirkung als Texterin, Komponistin und Zeichnerin bei der Realisierung von Hörbüchern, Hörspielen und Gedichtheften in Horatio Hudls Projekt „Atelier Wortquelle“. www.wortquelle.de -Aus Gründen künstlerischer Freiheit und zur Wahrung der Privatsphäre der Familie ausschließliche Arbeit unter Pseudonymen, im Lyrik –und Prosabereich Leilah Lilienruh. -2005 Aufnahme in die „Frankfurter Bibliothek des zeitgenössischen Gedichts“ durch die „Brentano-Gesellschaft & Cornelia Goethe Akademie“ zu Frankfurt a. Main. Das ausgewählte Werk entstammt der Lyriksammlung „Gezeitenlos“, die von „Atelier Wortquelle“ als Hörbuch realisiert wird. -Das Manuskript zu einem sozialkritischen Roman wurde kürzlich vollendet.
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