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Wilma Rudolph: Die „schwarze Gazelle“

Kategorie: Sport
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


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Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Als eine der erfolgreichsten Leichtathletinnen der USA gilt Wilma Rudolph (1940–1994). Die „schwarze Gazelle" gewann bei den „Olympischen Sommerspielen 1960" in Rom drei Goldmedaillen, was zuvor noch keiner Amerikanerin gelungen war, und stellte im Laufe ihrer sportlichen Karriere fünf Weltrekorde auf. 1974 nahm man sie als erste Schwarze in die „Hall of Fame" der großen Leichtathleten auf. Humorvoll erklärte sie das Geheimnis ihrer Schnelligkeit damit, zu Hause sei sie eines von vielen Kindern gewesen und hätte rennen müssen, damit sie an den Tisch kam und noch einen Bissen erwischte.

Wilma Rudolph kam am 23. Juni 1940 als 17. von insgesamt 19 Kindern ihrer Eltern in St. Bethlehem (Tennessee) zur Welt. Ihr Vater war ein pensionierter Gepäckträger, ihre Mutter eine Hausangestellte. Wilma hatte sieben Geschwister und elf Halbgeschwister. Als Vierjährige erkrankte sie an einer doppelseitigen Lungenentzündung und lebensgefährlich an Scharlach. Hinzu kam wenig später noch spinale Kinderlähmung, die zur Folge hatte, dass ihr linkes Bein jahrelang gelähmt blieb.

Die ganze Familie tat alles nur Erdenkliche, um Wilma gesund zu pflegen. Ihre Mutter brachte sie jede Woche zur Physiotherapie in die 90 Meilen entfernte Großstadt Nashville. Eltern und Geschwister massierten ihr mehrmals täglich abwechselnd das gelähmte linke Bein. Hauslehrer ersetzten den Schulunterricht. Im Alter von acht Jahren konnte Wilma ohne Krücken gehen.

Wilma war elf Jahre alt, als ihr Bruder Westley einen Korbball erhielt und im Garten einen Obstkorb auf einem Pfosten montierte. Auch Wilma spielte bald begeistert Korbball. Trotz ihrer schweren orthopädischen Stiefel wich sie humpelnd und kreisend ihrem Bruder aus, dribbelte halbgeduckt den Ball vor sich her und sprang in die Höhe, um ihn in den Korb zu werfen. Eines Tages zog Wilma ihre Stiefel aus und sprang barfuß unter dem Obstkorb umher. Ihrer Mutter verschlug es bei der Rückkehr von der Arbeit vor Staunen die Sprache.

Schon während ihrer Zeit auf der Highschool galt Wilma Rudolph als eine der besten Basketballspielerinnen ihres Heimatstaates Tennessee. Zwischen den Turnieren lief sie zur Therapie und Abwechslung. Ihr Basketballtrainer Ed Temple erkannte bald ihre Begabung als Läuferin.

1956 qualifizierte sie sich die 15-Jährige für die Sprintstaffel der USA bei den „Olympischen Spielen 1956" in Melbourne (Australien). Wenige Wochen später lief Wilma Rudolph 100 Meter in 11,7 Sekunden und 200 Meter in 24,2 Sekunden. In Melbourne scheiterte die 16-Jährige über 200 Meter im Vorlauf, gewann aber mit der 4 x 100-Meter-Staffel die olympische Bronzemedaille.

Auf eine zweijährige Wettkampfpause folgte 1959 die Qualifikation für die „Panamerikanischen Spiele". In Chicago gewann Wilma Rudolph über 200 Meter in 23,3 Sekunden die Silbermedaille.

1960 katapultierte sich die 1,81 Meter große und 60 Kilogramm schwere Sportlerin mit sensationellen Erfolgen an die Weltspitze der Läuferinnen. Am 9. Juli 1960 blieb sie in Corpus Christi (Texas) als erste 200-Meter-Läuferin der Welt mit 22,9 Sekunden unter 23 Sekunden. Über 100 Meter hatte sie bei den US-Titelkämpfen mit 11,5 Sekunden ihre Nase vorn. Nach weiteren Siegen bei den US-Olympia-Qualifikationen und bei einem Sportfest in Emporia (11,4 bzw. 23,5 Sekunden) galt sie als Olympiafavoritin.

Bei den „Olympischen Spielen 1960" in Rom verdiente sich Wilma Rudolph mit überragenden Leistungen ihren Ruhm als „schwarze Gazelle". Über 100 Meter lief sie in 11,0 Sekunden mit fast drei Metern Vorsprung vor der Britin Dorothy Hyman ins Ziel. Über 200 Meter bezwang sie bei heftigem Gegenwind die Deutsche Jutta Heine in 24,0 Sekunden um vier Zehntelsekunden. Als Schlussläuferin der US-Staffel vollendete sie ihren Triumph als dreifache Olympiasiegerin.

In der Folgezeit glänzte Wilma Rudolph bei Sportfesten in Europa mit beachtlichen Leistungen. In Wuppertal schaffte sie die 100 Meter in 11,4 Sekunden. Am 15. Juli 1961 brach sie in Moskau beim ersten Länderkampf der UdSSR gegen die USA mit 11,3 Sekunden den Weltrekord. Vier Tage später erreichte sie in Stuttgart mit 11,2 Sekunden eine neue Bestzeit. Ab 1961 verzichtete sie auf Starts über die kräftezehrenden 200 Meter. Im September 1962 beendete sie nach einer erfolgreichen Skandinavienreise ihre sportliche Karriere.

Weniger Glück als im Sport hatte Wilma Rudolph im Privatleben. Ihre Ehen mit dem Baseballspieler William Ward und mit ihrem Jugendfreund Robert Eldridge wurden geschieden. Nach den Scheidungen zog sie mit ihren zwei Söhnen und zwei Töchtern nach Sacramento (Kalifornien), wo sie als Sportlehrerin arbeitete. Berichte, wonach sie mit ihren Kindern in Armut lebte, trafen nicht zu. Sie wirkte für verschiedene Firmen, unter anderem als Personalchefin einer Bank, schrieb zwei Sportbücher und ein Buch „Frauen im Berufsleben und am Herd", hielt Vorträge und wurde Vizepräsidentin eines Bildungsunternehmens.

Nachdem von Wilma Rudolph gesprochene Werbespots im US-Fernsehen beim Publikum gut ankamen, entschlossen sich Hollywoods Filmproduzenten, ihre Autobiographie „Wilma" zu verfilmen. Der zweistündige Spielfilm war 1980 in den USA zu sehen und 1981 in Deutschland auf dem Bildschirm zur besten TV-Sendezeit.

Das Schicksal von Kindern lag Wilma Rudolph besonders am Herzen. Deshalb gründete sie die „Wilma-Rudolph-Stiftung", die unterprivilegierten Kindern und Jugendlichen bei der Überwindung persönlicher Probleme helfen sollte. Ihr früher Tod beendete ihre Arbeit vorzeitig.

Wilma Rudolph starb am 12. November 1994 als 54-Jährige in ihrem Haus in Nashville (Tennessee) an Krebs. Sie erlag den Folgen eines Gehirntumors, der erst im Juli 1994 entdeckt worden war. Der Präsident des „Internationalen Leichtathletik-Verbandes" (IAAF), Primo Nebiolo, würdigte die Verstorbene als „eine der größten Sportpersönlichkeiten aller Zeiten".

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
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