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Was sind Branchiosaurier?

Kategorie: Wissenschaft
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


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Branchiosaurus (Kiemensaurier) heißt eine ausgestorbene Gattung der Amphibien. Als Amphibien bezeichnet man Wirbeltiere, die sowohl im Wasser als auch an Land lebten. Die Gattung Branchiosaurus existierte von der Oberkarbonzeit bis zur Permzeit. Diese salamanderähnlichen Lurche erreichten eine Länge bis zu 10 Zentimetern. Sie hatten einen flachen, kurzen Schädel, Zähne, seitlich am Kopf äußere Kiemenbündel, vier Beine mit vorne 4 und hinten 5 Zehen und einen seitlich abgeplatteten Schwanz.

Wenn von Branchiosauriern die Rede ist, meint man entweder die Gattung Branchiosaurus, die man als eigentliche Branchiosaurier bezeichnet oder die Branchiosaurier im weiteren Sinne, zu denen mehrere Gattungen wie Branchiosaurus, Apateon und Micromelerpeton gehören. Der Name Branchiosaurier (Kiemensaurier) fußt auf den seitlichen Kiemenbündeln dieser Lurche.

Die Branchiosaurier sind eine Unterklasse der Labyrinthodontia (Labyrinthzähner), die seit der Oberdevonzeit vor rund 370 Millionen Jahren nachweisbar ist. Diese kriechtierähnlichen Lurche sind aus Fischen, den so genannten Quastenflossern, hervorgegangen und in der Oberen Triaszeit ausgestorben. Der Name Labyrinthodontia beruht auf der im Querschnitt labyrinthartig gefalteten Schmelzschicht der Zähne.

Wegen ihres stark verknöcherten, mit dem Schultergürtel verbundenen Schädeldaches bezeichnet man die meisten Labyrinthodontia auch als Dachschädler, Stegocephalia oder Panzerlurche. Im Jugendstadium lebten sie – mit Kiemen atmend – im Wasser und wechselten später – mit Lungen atmend – zwischen Wasser und Land.

Eine der Ordnungen der Unterklasse Labyrinthodontia sind die von der Karbonzeit bis zur Triaszeit vorkommenden Temnospondyli (Schnittwirbler), zu der unter anderem die Gattung Branchiosaurus gehört. Die teilweise nur wenige Zentimeter kleinen, teilweise aber auch bis zu 4 und mehr Meter großen Temnospondyli besaßen aalförmige oder krokodilartige Körper mit blattförmigen Wirbelknochen. Anfangs waren sie mehr Landbewohner, später überwiegend Wasserbewohner. Zu den mehr als 150 Gattungen der Temnospondyli zählt man den fingerlangen Branchiosaurus und den mehr als 4 Meter langen Mastodonsaurus. Man vermutet, dass von den Temnospondyli die Frösche abstammen.

Die Branchiosaurier machten keine Metamorphose durch, bei der sich Larven zum fertigen Tier entwickeln – so wie etwa aus Kaulquappen Frösche entstehen. Stattdessen verharrten sie äußerlich im Larvalstadium, entwickelten aber Merkmale, die erwachsene Tiere besitzen. Ähnliches gibt es auch in der heutigen Tierwelt unter den Amphibien: So sieht der Molch Axolotl aus Mexiko wie eine ausgewachsene Larve aus.

Die kräftige Bezahnung der Kiefer der Branchiosaurier und deren Gaumenelemente zeigen, an dass sich diese Tiere vorwiegend von kleineren Wassertieren, wie Krebsen und Insektenlarven, ernährten. Aus ihrer Gestalt und Nahrungsweise kann man in Analogie zu den heutigen Schwanzlurchen auf einen bevorzugten Aufenthalt in flachen, stehenden Gewässern schließen. Ihr Lebensraum waren demnach Teiche, kleine Seen sowie Randzonen oder flache Seitenbecken größerer Seen.

Wunderschöne Branchiosaurier und andere Lurche aus der frühen Permzeit vor etwa 290 Millionen Jahren kann man im Paläontologischen Museum Nierstein bewundern, das von den professionell arbeitenden Amateur-Paläontologen Arnulf Stapf und Harald Stapf aufgebaut wurde. Das Museum ist jeden Sonntag für Besucher/innen geöffnet.

Fundstellen von Branchiosauriern gibt es in Deutschland (Odernheim am Glan, Jeckenbach, Callbach) und Frankreich. Berühmt ist die Branchiosaurier-Fundstelle Odernheim am Glan, die in den frühen 1920-er Jahren von dem bayerischen Landesgeologen Otto M. Reis entdeckt wurde. In Odernheim am Glan hat man mehr als 150 Jahre lang Branchiosaurier gesucht und geborgen. Seit 1986 stehen Odernheim am Glan und alle anderen Branchiosaurier-Fundstätten in Rheinland-Pfalz unter Schutz, weswegen von dort keine Neufunde mehr zu erwarten sind. In den Fossilienhandel gelangen heute nur noch Branchiosaurier aus der Zeit vor 1986, die lange Zeit von Privatsammlern oder Fossilienhändlern aufbewahrt wurden.

Prächtige fingerlange Branchiosaurier mit oder ohne Hautschatten und Kiemenbündel gehören zu den Spezialitäten des international tätigen Fossilienhändlers Ernst Probst aus dem Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kostheim. Er hat die Branchiosaurier in seinem 1986 erschienenen Buch „Deutschland in der Urzeit" in Wort und Bild erwähnt. Probst befürchtet, dass irgendwann keine solchen und anderen Lurche aus der Permzeit vor etwa 290 Millionen Jahren mehr in den Fossilienhandel gelangen. Das gilt auch für die Fische aus der Permzeit, die Zeitgenossen der Branchiosaurier waren.

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
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