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Was nicht bei Darwin steht

Kategorie: Wissenschaft
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


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Ein nachgelassener Essay von Charles Darwin, den der große Naturforscher „unterdrückte"

Kelkheim bei Frankfurt – 1885 erfuhr die Öffentlichkeit erstmals, dass der große Naturforscher Charles Darwin einen Teil seiner Originaltexte in seinen weltbekannten Werken über die Entstehung der Arten und die Abstammung des Menschen nicht veröffentlicht hatte. Diese – offenbar aus Platzgründen – „unterdrückten" Texte durften jedoch mit Darwins Erlaubnis in den Werken seines Kollegen John F. Romanes abgedruckt werden. So wurden Original-Texte von Darwin nicht unter dessen, sondern unter fremdem Namen publiziert – und gerieten in Vergessenheit.

Auf der Basis dieses Anhangs in Romanes‘ Werk hat der Kelkheimer M.-G.-Schmitz-Verlag Darwins in Vergessenheit geratene Arbeit über den Instinkt nun als Reprint der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Und noch ein zweites, weniger bekanntes Werk des großen Naturforschers erschien dort jetzt als Reprint: Charles Darwin: Insectenfressende Pflanzen. Im (deutschen) Original selten und teuer liegt es jetzt als preiswerter Reprint vor.

Wer angesichts dieser beiden Darwin-Reprints den Verlagsinhaber, den Historiker und Rundfunkjournalisten Manfred-Guido Schmitz, für einen glühenden Anhänger Darwins hält, der irrt. Schmitz brachte zum 150. Todestag des gebürtigen Gießener Forschers Ernst Dieffenbach als Reprint auch das äußerst seltene Werk „Travels in New Zealand" heraus und befasste sich mit Leben und Wirken von Dieffenbach.

Und dabei machte er eine aus seiner Sicht interessante Entdeckung: Dieffenbach hatte als Erster Charles Darwins Buch über dessen Reise unter anderen zu den Galapagos-Inseln ins Deutsche übersetzt. Im Streit, ob Darwin oder sein Landsmann Alfred Russel Wallace als Erster auf die Entstehung der Arten, die Evolutionstheorie, gestoßen war, hatte Darwin behauptet, schon bei seiner Forschungsreise mit der „Beagle" sei er auf den Galapagos-Inseln auf seine Theorie gestoßen. Seine Evolutionstheorie habe er seit damals quasi „in der Schublade gehabt", jedoch aus Angst vor der öffentlichen Reaktion mit der Publikation fast 20 Jahre gezögert. Veröffentlicht habe er sie zwar erst, nachdem ihm Wallace sein Manuskript (u.a. über die Entstehung der Arten) zugeschickt hatte, aber schon auf den Galapagos-Inseln sei ihm die Evolutionstheorie klargeworden, weil ihm aufgefallen sei, dass es auf jeder der Inseln eine eigene Finkenart gegeben habe. In späteren Auflagen wurde der Aspekt mit den Finkenarten auch immer breiter dargestellt, sogar dann mit Abbildungen untermauert.

Doch in Dieffenbachs erster Übersetzung ist nachzulesen: Darwin hatte lediglich beiläufig und völlig unspektakulär erwähnt, dass er auf den Galapagos-Inseln mehrere Finkenarten entdeckt hatte. – Damals deutete noch nichts auf eine angeblich sensationelle Entdeckung bzw. Einsicht Darwins hin. Grund genug für Schmitz, Wallace ins rechte Licht zu rücken. Und so brachte sein Verlag nun auch Wallace sehr seltenes Werk „Die Tropenwelt" mit entsprechendem, einordnenden Vorwort heraus.

Charles Darwin: Was nicht bei Darwin steht: Der Instinkt, ca. 90 Seiten, ISBN 3-922272-56-8, 12,68 Euro

Charles Darwin, Insectenfressende Pflanzen, ca. 400 Seiten, ISBN 3-938098-12-0, 22 Euro

Alfred Russel Wallace, Die Tropenwelt, ca. 400 Seiten, ISBN 3-938098-09-0, 22 Euro

M.-G.-Schmitz-Verlag, Kelkheim
www.schmitz-verlag.de


Veröffentlicht von: Ernst Probst
Web: http://www.antiquitaeten-shop.net
Kontakt: e-mail


Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
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