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Vivienne Westwood: Die Frau, die die Punkrock-Mode schuf

Kategorie: Schönheit
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


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Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Großbritanniens erfolgreichste Modeschöpferin ist Vivienne Westwood, geborene Vivienne Isabel Swire. Zusammen mit ihrem früheren Lebensgefährten Malcolm McLaren kreierte sie die Punkrock-Mode. Das Modeblatt „Women’s Wear Daily" rechnete sie zu den sechs bedeutendsten Modeschöpfern der Welt. Andere Couturiers kopierten häufig ihre als „schrill, schräg und exzentrisch" geltenden Kreationen.

Vivienne Isabel Swire kam am 8. April 1941 als ältestes von drei Kindern des Baumwollspinners und Kolonialwarenhändlers Gordon Swire in Glossop (Derbyshire) zur Welt. Das erste gemeinsame Haus der Eltern befand sich in Glossop zwischen Tintwistle, wo die Mutter Dora Bell gelebt, und Hollingworth, wo der Vater Gordon Swire gewohnt hatte. Viviennes Schwester Olga wurde 1944 geboren, ihr Bruder Gordon 1946.

1957 zog die Familie Swire nach Harrow, Nord-West-London, um dort Arbeit zu finden. Als Mädchen fand sich Vivienne Swire unattraktiv, sie war dicklich, trug Kleider von „C&A" und bunte Haarspangen aus dem Supermarkt. Aber sie glaubte immer daran, dass sie einmal etwas Besonderes leisten würde. Eigentlich wollte Vivienne Schriftstellerin werden, doch nach dem Schulbesuch entschloss sie sich zu einer Ausbildung als Grundschullehrerin.

Ende 1961 lernte die 20-jährige Vivienne Swire beim Tanzen einen selbstbewussten jungen Mann namens Derek John Westwood kennen, der ihre Liebe zum Rock’n’Roll teilte und ein flotter Tänzer war. Derek arbeitete als Werkzeugmacher-Lehrling in der Hoover-Fabrik und später als Steward bei der „British European Airways". Vivienne gab ihren Schreib-Job auf und unterrichtete als Primarschullehrerin in Willesden, Nord-London.

Am 21. Juli 1962 ließen sich die 21-jährige Vivienne Swire und der 26 Jahre alte Derek Westwood in der Kirche „St. John the Baptist" in Greenhill trauen. Eigentlich wollte Vivienne ihren Freund Derek gar nicht heiraten, sagte sie später, aber er sei solch ein süßer Kerl gewesen, und sie habe ihn nicht aufgeben wollen. Bei der Trauung trug Vivienne das von ihr selbst genähte Brautkleid. Am 3. September 1963 erblickte der Sohn Benjamin (Ben) Arthur das Licht der Welt.

Obwohl Derek Westwood seine junge Frau Vivienne sehr liebte, fühlte sich diese gelangweilt und war unzufrieden mit ihrem in ruhigen Bahnen verlaufenden Leben. Sie trennte sich 1965 von ihrem Mann und zog mit ihrem zweijährigen Sohn Ben zu ihren Eltern. Die Scheidung der ersten Ehe erfolgte ein Jahr später.

Bald darauf zog Vivienne mit ihrem Sohn in ein heruntergekommenes Haus in Südlondon, das ihr Bruder Gordon gemietet hatte und mit zwei weiteren Filmstudenten teilte. Einige Monate später stieß der Kunststudent Malcom Edwards dazu, der sich ab 1971 „McLaren" nannte und Viviennes neuer Lebensgefährte wurde. Aus dieser Verbindung ging am 30. November 1967 der Sohn Ferdinand Corre hervor.

Zusammen mit Malcolm McLaren und Patrick Casey gründete Vivienne Westwood im November 1971 in der Londoner „King’s Road" ihre erste Boutique „Let it rock at Paradise Garage". Dort verkauften sie Klamotten für Teddyboys, deren sexistische und rassistische Tendenzen bald Viviennes Gerechtigkeitssinn verletzten. Die Drei schlossen das Geschäft und eröffneten im Frühjahr 1973 einen Laden, den sie zur Erinnerung an den frühen Tod des amerikanischen Filmschauspielers James Dean (1931–1955) „Too Fast To Live, Too Young To Die" nannten. Im Spätsommer 1974 hieß ihre Boutique „Sex" und bot Eotikwäsche und S&M-Artikel an. Später erhielt der Laden die Namen „Seditionaries" („Aufwiegler") und „World’s End".

Vivienne Westwood kreierte und verkaufte Pailettenanzüge für Teddyboys, initiierte mit McLaren die Punkrock-Mode und den Piratenlook und entwarf die Sado-Maso-Garderobe für die Musiker der 1976 von McLaren gegründeten und gemanagten Band „Sex Pistols". Dabei erwies sich die Autodidaktin, die seit ihrer Teenagerzeit ihre Kleider selbst herstellte, immer mehr als wahre Künstlerin der Schnitttechnik.

1983 trennte sich Vivienne Westwood von ihrem Lebensgefährten Malcolm McLaren. Dieser hatte – laut dem Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel" – „einerseits die Feinfühligkeit einer Kanonenkugel, musste andererseits aber immer darin bestätigt werden, dass selbst die geringste Kleinigkeit nicht ohne ihn erledigt werden konnte."

Auch ohne McLaren sorgte Vivienne Westwood immer wieder durch eigenwillige Modeschöpfungen für Aufsehen. Mit Vorliebe entdeckte sie Accessoires, Kleider und Schnittmuster des 18. und 19. Jahrhunderts wieder und passte sie der Moderne an. Bald war sie nicht mehr eine belächelte Außenseiterin, sondern eine geachtete Trendsetterin.

1990 leitete Vivienne Westwood an der Wiener „Hochschule für Angewandte Kunst" eine Modeklasse. 1990 und 1991 wählte man sie zur „Modedesignerin des Jahres". 1992 stellte sie in Paris ihre erste Prêt-á-porter-Kollektion vor.

Die englische Königin Elizabeth II. ernannte 1992 Vivienne Westwood zum „Officer of the British Empire". Als sich die solchermaßen geehrte Modeschöpferin in ihrem Kleid drehte, sah man, dass sie darunter keine Unterwäsche trug. Sie verriet „Ich trage schon seit Jahren keine Slips mehr. Einen habe ich noch, aber den ziehe ich nur zu Tweed an, weil der so scheuert."

1993 berief man Vivienne Westwood für fünf Jahre als Gastprofessorin für das Fachgebiet „Entwurf" im Studiengang Bekleidungsdesign an die „Berliner Hochschule der Künste" (HdK). Die Arbeit mit ihren Studenten macht ihr großen Spaß.

An 14. Mai 1992 schloss Vivienne Westwood ihre zweite Ehe mit dem 25 Jahre jüngeren Andreas Kronthaler, der in Wien zu ihren Studenten gehörte. Über ihn sagte sie 1994 in einem Interview mit dem Magazin der „Süddeutschen Zeitung": „Ich habe ihm das Rauchen beigebracht, und dann haben wir geheiratet, damit er bei mir bleibt, hier in England, und in diesem Jungen einmal der Mann erwacht: stark, gefährlich, geheimnisvoll, voller Verachtung für die Welt und Gottvertrauen in den eigenen Genius."

1998 lancierte Vivienne Westwood ihr erstes Parfüm: „Boudoir". Ein Jahr später brachte sie zusammen mit „Filos" ihre erste Serie von Korrektur- und Sonnenbrillen heraus.

Als ihren besten Spruch betrachtete Vivienne Westwood den Satz: „Mode bedeutet, eventuell nackt zu sein." Für sie habe Mode etwas mit der menschlichen Fähigkeit zu tun, eine intime Beziehung zu haben. Man könne das Körperliche nicht vom Geist trennen. Deshalb sei ihre Mode auf angenehme Art erregend, erklärte sie im November 1999 in einem Interview mit der Zeitung „Welt am Sonntag".

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
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