Valentins-Knigge: Vorsicht Fettnäpfchen am 14. Februar!Kategorie: Unterhaltung Artikel veröffentlicht von: Silke Schneider-Flaig
Der Valentinstag gilt traditionell als Tag der Verliebten. Doch nicht nur das. Er gilt auch dem Erhalt und der Wertschätzung einer Beziehung. Zudem bietet er eine prima Gelegenheit, der Frau seines Herzens, die unter Umständen noch nicht weiß, dass sie es ist, eine kleine Aufmerksamkeit zu bereiten. Allerdings ist Vorsicht geboten! Hier lauern viele Fettnäpfchen! Es genügt nämlich nicht, jemandem einfach nur ein Geschenk vorzulegen.
Dies kann plump wirken. Sehr plump sogar. Gerade in der Anfangsphase der Verliebtheit ist allerhöchste Sensibilität gefragt. Insbesondere Frauen reagieren oft sehr gefühlsbetont. Selbst Powerfrauen, die tagtäglich unter starkem Termindruck Projekte managen, Vorträge halten, und hohe Budgets verwalten, können am Valentinstag „anfällig" für romantische Gefühle werden. Allerdings stellt sich bereits hier die entscheidende Frage: welche Blumensorte, Blumenfarbe und Blumenart eignet sich? Dass Rosen beliebt und „Seerosen" völlig ungeeignet sind, scheint jeder zu wissen.
Allerdings gibt es auch etliche Blumenverkäufer, die nach dem Motto „Ihr Wunsch sei mir Befehl", sämtliche Blumenarrangementvorschläge erfüllen und dem Kunden obendrauf für seinen angeblich außergewöhnlich „exquisiten Geschmack" Komplimente vorheucheln. Hauptsache die Kasse stimmt. Hier bieten Tankstellenshops meist geschmackvollere Blumensträuße an. Doch selbst beim Übergeben oder Auspacken der Blumen lauern Fallen.
Rot: aktivste Farbe in höchster Steigerung
Mit Farben verhält es sich wie bei Geschmäckern. Über Geschmack lässt sich streiten, über Farben ebenso. Sowohl die Farbentheorie von Newton, als auch die von Goethe zeigen Ungereimtheiten. Für einen Naturwissenschaftler gilt jede Spektralfarbe als gleichwertig. Ein Geisteswissenschaftler wie Goethe verbindet Farben mit Emotionen. In Goethes Farbenkreis stand Rot als aktivste Farbe in höchster Steigerung. Als höchste Steigerung deshalb, da sich das Gelb des Sonnenlichts im Abenddunst rot trübt. Blau, da sich blauer Nachthimmel in freundliches Morgenrot wandelt.
Zumindest auf emotionaler Ebene greift die Ansicht des Poeten. Gefühle haben nämlich meist wenig mit Vernunft zu tun. Rote Rosen symbolisieren seit eh und je Leidenschaft. Aber unter anderem auch Blut und Feuer. Tiefrote Rosen gelten aus Ausdruck tiefer Emotionen. Rot steht für Leidenschaft (Blut steigt zu Kopf, rot vor Verlegenheit). Es gibt allerdings sehr viele verschiedene Rottöne.
Rot von A bis Z
Man kann sie in Rot von A (wie amarantrot) bis Z (wie zinnoberrot) einteilen. Dazwischen liegen unendlich viele Rottöne, wie zum Beispiel blutrot, ferrarirot, fuchsrot, hennarot, indischrot, knallrot, korallenrot, lachsrot, mahagonirot et cetera. (Dies zeigt sich unter anderem bereits bei Haartönungen. Kaum eine Farbe bereitet Friseursalons mehr Kopfzerbrechen als die passende Rotfarbton-Mischung.)
Orange bietet Spielraum für Interpretation
Ein Orangerot-Ton ist unverfänglicher, strahlt aber dennoch Wärme und Sympathie aus und lässt Spielraum für Interpretationen. Umstritten ist die psychologische Wirkung der Farbe. Unter anderem deshalb, da es mit „auf Nummer sicher gehen" verbunden ist. Teilweise aber auch deshalb, da Müllmänner oder Straßenbauarbeiter diese Farbe „sicherheitshalber" tragen. In Frankreich spricht man von „feu orange", wenn man eine auf das „Warnlicht gelb" geschaltete Ampel blickt. Andererseits kann man bei Blumen mit dieser Farbe „auf Nummer sicher" gehen. Lachsrote, orangefarbene Rosen wirken nämlich dennoch freundlich und sympathisch.
Zartes Rosa für verträumte Romantikerinnen
Zarte Rosétöne zeigen insbesondere bei verträumt-romantisch wirkenden Frauen (die dies im Alltag durch Kleidung, Frisur und Erscheinungsbild vermitteln) Wirkung. Dazu zählen zum Beispiel eine Vorliebe für Blümchenmuster, feminin wirkende Kleidung, Pastellfarben allgemein und blumig-süße Parfüms. Roséfarbene Rosen mit eher kleinem Kopf und kürzerem Stil, kommen meist gut an. Sie zeichnen sich zudem mit einem blumig-süßlichem Duft aus. Abgesehen hiervon lassen sie sich gut mit weißen, gelben oder fliederfarbenen Fresien kombinieren. Diese sind nämlich durch Farbe, Gewicht, Stillänge, Form und Duft mit diesen Rosen kompatibel.
Frühlingsblumen: Schmetterlinge im Bauch
Es müssen jedoch nicht immer Rosen sein. Frühlingsblumen allgemein (zum Beispiel Tulpen) wirken freundlich, fröhlich, spontan und unkompliziert. Sie duften zwar nicht wirklich, aber allein der optische Gesamteindruck zählt. Entscheidend ist die Kreativität. Angenommen jemand schreibt ein Kärtchen dazu, auf dem sinngemäß steht, dass die „Tulpen aus Amsterdam" (Synonym für einen alten Schlager-Hit) als Einladung für ein Wochenende in Holland zu verstehen sind, der bleibt sicherlich in positiver Erinnerung. Selbst wenn die Reise ausfällt – die Erinnerung an die kreative Blumenidee bleibt unvergesslich.
Gelbe Blumen: gelbe Karte?
Im Volksmund wird gelb gerne mit Falschheit, Geiz und Heuchlerei gleich gesetzt. Symbolisch betrachtet gibt es nicht nur im Fußball „gelbe Karten". Hinzu kommen weitere negative Assoziationen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Gelbe Flagge auf Schiffen steht für Seuchengefahr. Wörter mit „gelb" als Bestandteil, wie beispielsweise Gelbsucht (Krankheit), Gelbe Gefahr (politische Angst vor Asien) oder Vergilben (Alterungsvorgang) ebenso. Selbst im Ausland hat gelb einen bitteren Beigeschmack. In Russland beispielsweise, ist mit gelbem Haus (zeltyi dom) ein Irrenhaus gemeint. Durch diese Vergleiche sollte man sich aber nicht beirren lassen. Wenn die Frau, für die der Strauß bestimmt ist, in der Vergangenheit bereits eine Liebe für die Farbe gelb kund tat, zum Beispiel durch Kleiderfarbe, Autofarbe, Wandfarbe oder auf ihrem Balkon Osterglocken, Löwenzahn oder gelbe Stiefmütterchen stehen, dann könnte dies ein Indiz sein, dass sie auch gelbe Rosen liebt. Im Zweifel jedoch besser kein Risiko eingehen und vom Floristen einen bunten Strauß, inklusive gelber Rosen/Blumen, binden lassen.
Plumpe Blumen: Plumpe Anmache
Manche Blumen sind alles andere als emotional intelligent. Dazu zählen lackierte Rosen, die es mittlerweile auf Märkten gibt. Sie sind zum Teil so gezüchtet, dass die Blüten bläulich wirken, teilweise einfach nur mit Lack und Glimmerstaub gefärbt sind. So etwas ist geschmacklos und plump. Zudem wirkt die Farbe kalt. Gefühlskalt. So als wolle der Schenker anstandshalber und rein formell eine Pflanze zur Anbahnung und/oder Wahrung einer Beziehung aushändigen. Starr und steril wirken auch Blumen, die, um gerade zu wachsen, oder, um als aufrecht gewachsen zu wirken, der Länge nach von einem Draht durchstochen sind. Insbesondere dann, wenn der Draht deutlich sichtbar ist.
Gleichermaßen brutal wirken schwarze Blumen. Die Züchter zielen darauf ab, dass sie auf den ersten Blick schwarz wirken. Manche werden entsprechend nachbehandelt. Dunkelgrau-Silber eignet sich unter Umständen als Grabschmuck, aber schwarze Blumen wirken hart, gefühlskalt, und ablehnend. Ganz gleichgültig, ob jemand „Black Music" liebt, gerne „Dark Wave" hört, ein schwarzes Auto fährt oder oft schwarze Farben (zum Beispiel im Berufsleben) trägt.
Nur gefühlskalter Typ übergibt Grabblumen
Gefährliche Fettnäpfchen lauern in weißen Blumen. Weiße Fresien sind unbedenklich, zerbrechlich-zartes Schleierkraut, das einem Strauß mehr Fülle verleiht, ebenfalls. Sogar Margariten (die in der Märzzeit meist nicht erhältlich sind) zaubern Sympathie. Aber Vorsicht bei robust wirkenden Blumen, die sich durch starke lange Stile auszeichnen und eher für den Außenbereich (Friedhofsgräber) bestimmt sind! Im Volksmund auch „Friedhofsblumen" genannt. Der Verkaufspreis liegt, von der längeren Haltbarkeit abgesehen, meist unter dem von Rosen, Tulpen oder Nelken. Aber selbst Nelken stoßen bei vielen Frauen auf Ablehnung. Vermutlich gerade deshalb, da die kältetunempfindlich-robusten, extrem intensiv, teilweise geradezu aufdringlich duftenden Blumen, durch den Vorteil, dass sie langsam welken, als „Friedhofsblumen" gelten. Männer, die solche Blumen verschenken, gelten meist als extrem geizig, egoistisch, gefühlskalt und ohne jedwede emotionale Intelligenz.
Sie denken bei Nelken möglicherweise an das Küchengewürz, an Essen, die längere Haltbarkeit, den günstigeren Preis. Wer solche Blumen verschenkt, braucht sich über ein erzwungenes Lächeln der Beschenkten(aus Mitleid) oder einen plötzlichen Wutausbruch von ungeahnter Stärke nicht zu wundern.
Schlimmster Fauxpas: Trockenblumen
Einer der allerschlimmsten Schnitzer sind (von Plastikblumen abgesehen) vermutlich Trockenblumen. Ein Strauß aus Trockenblumen steht inzident für eine ausgetrocknete Liaison. „Der Beziehungs- Tage sind gezählt", könnte man vermuten. Trockenblumen wirken wie Blumen zweiter Klasse, wie ein Geschenk zweiter Klasse für eine Beziehung zweiter Klasse. Oder, da wiederverwertbar, als vorrätiges Geschenk für eine andere Gelegenheit. (Oder, um es Monate später an weibliche Verwandte weiter zu verschenken.) Selbst ein Kaktus, der immerhin noch lebt, erzeugt mehr Sympathie als ein Strauß aus Trockenblumen.
Kreativer kleiner grüner Kaktus?
Ein Kaktus lässt sich immerhin noch als forsch und ironisch-frech interpretieren. Nach dem Motto: „Was sich neckt, das liebt sich" Beispielsweise, wenn ein Kollege einer Kollegin, mit der er sich öfters streitet, die er aber insgeheim äußerst interessant und attraktiv findet, einen Kaktus (eventuell mit roter Schleife) auf den Schreibtisch stellt und ein Kärtchen mit der Aufschrift „zum Valentinstag ;-) " dazu schreibt. Das Zeichen ;-) symbolisiert ein Augenzwinkern und mildert die missverständliche Wirkung. Das Risiko auf Unverständnis ist zwar hoch, kann aber, je nach Charme des Schenkers, auf Gegenliebe stoßen. Zum Beispiel dann, wenn er den Kaktus schlagfertig als „konkludente" Einladung auf ein Essen beim Mexikaner, oder ein Mexikanisches Bier (das aus Kakteen gebraut wird) verkauft. Allerdings sollten vorab ein paar „Alternativ-Ideen", zum Beispiel Einladung in die Vorstellung der Comedian Harmonists (mit dem Lied mein kleiner grüner Kaktus) parat haben.
Korrekte Blumen(-übergabe)
Blühpflanzen-Mix, also Frühjahrsblüher in Schale (Narzissen, Primeln, Stiefmütterchen, Hyazinthen) wachsen in Blumentöpfen mit Erde und wirken bereits deshalb nicht so romantisch wie Blumensträuße. Als Geschenk eignen sie sich deshalb nicht. Ein Blumenstrauß sollte es schon sein. Doch wie erfolgt die Übergabe eines Blumenstraußes? In Deutschland enthüllt der Kavalier den in Papier eingewickelten Blumenstrauß vor der Übergabe. Zu den Ausnahmen zählen in durchsichtiger Plastikfolie verpackte Sträuße. Im Zweifel wirken die frisch aus dem Papier enthüllten Blumen romantischer auf die Valentinstagfrau. Selbst wenn ihr die Blumen nicht hundertprozentig zusagen, dann weiß sie meist zu schätzen, dass Er überhaupt daran gedacht hat. Selbst, wenn er sie buchstäblich in letzter Minute an der Tankstelle kaufte.
Hintergrundinfo: Woher stammt der Name Valentinstag?
Früher soll der 14. Februar dem mutigen Bischof Valentin von Terni gegolten haben. Er hielt sich nicht an das Gebot des Kaisers Claudius Goticus, der im dritten Jahrhundert ein Gesetz verabschiedete, wonach Soldaten nicht christlich getraut werden durften. Hintergrund war, dass unverheiratete Soldaten mangels familiärer Bindung motivierter in den Krieg zogen. Valentin traute sich jedoch, auch Soldaten christlich zu trauen. Dies kostete ihn am 14. Februar 268 das Leben.
Tipps für Valentinsblumen:
Dont´s:
1. Keine Trockenblumen schenken.
2. Keine „Friedhofsblumen" überreichen.
3. Nie künstlich lackierte Blumen abgeben.
4. Nie drahtdurchstochene Blumen kaufen.
5. Vorsicht bei gelben Blumen.
Do´s:
1. Blumen möglichst ausgepackt überreichen. (Ausnahme: Transparenzfolie)
2. Freundliche Farben wählen.
3. Bei duftenden Blumen kein Nelkenstrauß.
4. Möglichst am Vortag kaufen, um sie schon morgens zu überreichen.
5. Drandenken! (Notlösung: Tankstelle)
Silke Schneider-Flaig
Veröffentlicht von: Silke Schneider-Flaig Web: http://www.pressebuero-sis.de Kontakt: e-mail
| Über den Autor: |
| Silke Schneider-Flaig ist Juristin, Fachzeitschriftenredakteurin und Buchautorin. Sie beschäftigt sich seit einigen Jahren mit dem Schwerpunktthema "gute Manieren". Hierzu erschienen zahlreiche Beiträge in Print- und Online-Medien. Ihre Bücher "Der neue Knigge" (Taschenbuch) und "Der neue große Knigge" (ISBN 3-8174-5746-4; Preis: 7,95 Euro, 320 Seiten, Hardcover, Compact-Verlag München) stehen unter dem Motto: "Gutes Benehmen und korrekte Umgangsformen sind wieder in, privat und im Beruf." Ihr Anliegen ist es nicht zu sagen "wie" etwas korrekt gemacht wird, sondern vor allem "weshalb". Dabei berücksichtigt sie vor allem jene Dinge, die es zu Zeiten des Originals von Adolph Freiherr von Knigge "Über den Umgang mit Menschen" aus dem Jahr 1788 noch nicht gab. Zum Beispiel E-Mail, SMS, After-Work-Parties und vieles mehr.
Unabhängig hiervon beschäftigt sie sich mit wissenschaftlichen Texten, insbesondere Gesundheits-, Management- und Karrierethemen. Nähere Informationen unter http://www.pressebuero-sis.de |
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