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Teresa Carreño: Die „Kaiserin des Pianos“ aus Venezuela

Kategorie: Kultur
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


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Eine der besten Pianistinnen ihrer Zeit war die venezolanische Klavierspielerin Teresa Carreño (1853–1917). Ihr kraftvolles Spiel begeisterte bei Konzertreisen durch Europa, Amerika und Australien viele Liebhaber klassischer Musik. Sie lebte und wirkte in einer Epoche, in der die Musikwelt die Vorstellung hatte, Frauen könnten einzig und allein als Primadonnen oder als Pianistinnen erfolgreich sein.

Teresa Carreño erblickte am 22. Dezember 1853 als Tochter des venezolanischen Außen- und Finanzministers Manuel Antonio Carreño und seiner Frau Clorinda García de Sena y Toro in der Hauptstadt Caracas das Licht der Welt. Ihr Vater war Musiker und Autor des Buches „Manual de Urbanidad" („Handbuch der guten Umgangsformen"). Ihr Großvater José Cayetano Carreño wirkte als Komponist.

Von ihrem Vater, einem talentierten Amateurpianisten, erhielt Teresa ersten Klavierunterricht. Danach nahm sich der Pianist Julio Hohené in Caracas ihrer an.

Wegen einer Revolution in Venezela ging die Famile Carreño 1862 nach New York ins Exil. Dort studierte Teresa Carreño bei Louis Gottschalk (1829–1869). Bereits mit neun Jahren erregte Teresa durch ihr Spiel in New York und in anderen Städten der USA großes Aufsehen. Als Zehnjährige brachte sie dem amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln (1809–1865) ein Ständchen dar.

Während eines vierjährigen Aufenthaltes in Paris erhielt Teresa Carreño von Georges Mathias (1826–1919), eigentlich Georg Amadée Saint Clair, und Anton Rubinstein (1879–1894) Klavierunterricht. Ab 1865/1866 gab die Zwölfjährige erste Konzerte in Europa. Berühmt als überragende Pianistin wurde sie jedoch erst durch ihre Europatournee von 1889/1890.

1873 heiratete Teresa Carreño den französischen Violinvirtuosen Émile Sauret (1852–1920). Mit ihm spielte sie Sonaten. 1875 ließ sich das Ehepaar scheiden.

Die zweite Ehe von Teresa Carreño mit dem italienischen Bariton Giovanni Tagliapietra (1846–1921) dauerte von 1876 bis 1885. Aus dieser Verbindung ging im Dezember 1882 die Tochter Teresita Tagliapietra Carreño hervor, die später wie ihre Mutter ebenfalls Pianistin wurde. Mit dem zweiten Gatten leitete Teresa eine italienische Oper in Caracas. In den Jahren 1875 bis 1882 trat Teresa auch als Sängerin auf.

Zwischen 1892 und 1895 folgte Teresa Carreños dritte Ehe mit dem deutschen Pianisten und Komponisten schottischer Herkunft Eugen d’Albert (1864–1932). Für ihn war Teresa Carreño die zweite seiner insgesamt sechs Frauen. Das Paar lebte in einer Villa im sächsischen Coswig und trat gemeinsam in Konzerten auf.

Eugen d’Albert galt als einer der gefeiertsten Klaviervirtuosen. Zu seinen mehr als 20 Opern gehören „Die Abreise" (1898 in Frankfurt am Main uraufgeführt), „Flauto solo" (1905), „Tiefland" (1903) und „Tote Augen” (1916). Von 1907 an leitete er die Berliner Musikhochschule.

In der von Teresa Carreño und Eugen d’Albert angemieteten Villa flogen die Fetzen, wenn sich das Paar und die jeweils eigenen und gemeinsamen Kinder stritten. Einmal rief d’Albert verzweifelt Teresa zu Hilfe, weil sein und ihr Kind das gemeinsame Kind verhauten.

1902 wagte Teresa Carreño ihre vierte Ehe mit Arturo Tagliapietra, dem Bruder ihres zweiten Gatten. Mit Arturo war Teresa bis zu ihrem Tod verheiratet.

Außer einem Streichquartett gab Teresa Carreño eine Reihe von brillanten Klavierstücken heraus. Obwohl es oft zu lesen ist, stammt die Nationalhymne Venezuelas nicht von ihr, sondern von Juan José Landaeta (um 1780–1814). Kritiker bezeichneten sie als „Kaiserin des Pianos" und „Walküre des Pianos".

Noch als weißhaarige Diva spielte Teresa Carreño am Flügel. Man verglich sie später oft mit der deutschen Pianistin Elly Ney (1882–1968). Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges (1914–1918) lebte Teresa in Berlin, wo sie auch als Pädagogin wirkte.

Teresa Carreño hatte kleine und gedrungene Hände mit kurzen Fingern, die sowohl für die eherne Wucht als auch für die glanzvolle, nie ermüdende Leichtigkeit ihres Spiels ideal geschaffen zu sein schienen. Der deutsche Komponist Max Reger (1873–1960) rühmte sie als die beste Pianistin ihrer Zeit.

Das virtuose Spiel verdankt Teresa Carreño viele Anregungen. Aus ihrer Schule gingen bedeutende Pianisten – wie Edward MacDowell (1861–1908) und Télémaque Lambrina (1878–1930) – hervor. Rudolf Breithaupt (1873–1945) widmete ihr sein modernes methodisches Klavierwerk „Die natürliche Klaviertechnik der Meisterin Teresa Carreño".

Am 12. Juni 1917 starb Teresa Carreño im Alter von 61 Jahren in New York. An die venezolanische Meisterpianistin erinnert das im April 1983 feierlich eröffnete „Teatro Teresa Carreño" in Caracas.

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
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