Steffi Graf: Die deutsche "Tennis-Gräfin"Kategorie: Sport Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst
Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:
Deutschlands erfolgreichste Tennisspielerin ist Steffi Graf. Von 1982 bis zum Juni 1999 gewann sie insgesamt 22 Grand-Slam-Turniere: vier Mal „Australian Open", sechs Mal „French Open", sieben Mal Wimbledon und fünf Mal „US Open". Sie stand 377 Wochen lang ununterbrochen an der Spitze der Weltrangliste, was vor ihr noch keine Tennisspielerin geschafft hatte. Die Amerikanerin Martina Navratilova brachte es „nur" auf 157 Wochen.
Stefanie Maria Graf erblickte am 14. Juni 1969 als Tochter des Versicherungskaufmanns und Gebrauchtwagenhändlers Peter Graf in Mannheim-Neckarau (Baden-Württemberg) das Licht der Welt. Bereits als Dreijährige hielt sie unter Anleitung ihres Vaters erstmals einen Tennisschläger mit abgesägtem Griff in der Hand.
Die sportliche Karriere von Steffi Graf begann 1975, als sie im Alter von sechs Jahren aus dem „Zwergl-Turnier" in München als Siegerin hervorging. Ihr erstes Profiturnier spielte sie in Stuttgart. Nachdem sie 1977 in München ein Nachwuchsturnier gewann, gab ihr Vater seinen Beruf auf, gründete in Brühl ein Tenniszentrum und widmete sich fortan der Karriere seiner Tochter.
Mit zwölf Jahren feierte Steffi Graf den ersten Sieg einer Deutschen beim „Orange Bowl", der inoffiziellen Weltmeisterschaft der Zwölfjährigen in Miami (Florida). Als sie 1982 Profispielerin wurde, lag sie auf Platz 214 der Weltrangliste. 1983 drang sie bereits auf Platz 98 vor, verließ die Realschule und bekam fortan Privatunterricht. 1984 kämpfte sie sich als bis dahin jüngste Tennisspielerin bis ins Achtelfinale von Wimbledon (Großbritannien) vor und bestritt in Filderstadt (Baden-Württemberg) gegen die Schwedin Catarina Lindquist ihr erstes Grand-Prix-Finale.
1985 rückte Steffi Graf auf Platz 3 drei Weltrangliste vor. 1986 erreichte sie in Hilton Head (South Carolina) gegen die Amerikanerin Chris Evert ihren ersten Turniersieg. In jenem Jahr gelangen ihr drei weitere internationale Grand-Prix-Triumphe, darunter der sensationelle Sieg gegen die Weltranglistenerste Martina Navratilova in Berlin. Durch diese Erfolge wuchs ihre Popularität enorm, was ihr im Dezember 1986 in Deutschland den Titel „Sportlerin des Jahres" einbrachte.
Am 17. August 1987 verdrängte Steffi Graf durch ihren Sieg beim Grand-Prix-Turnier in Los Angeles (Kalifornien) über die Amerikanerin Chris Evert die Amerikanerin Martina Navratilova vom ersten Platz auf der Weltrangliste im Damentennis. Diese Position behauptete sie bis zum 30. März 1991, als sie nach ihrer Niederlage gegen die Argentinierin Gabriela Sabatini von der Amerikanerin Monica Seles abgelöst wurde.
1988 feierte Steffi Graf ihren ersten Sieg auf dem „heiligen Rasen" von Wimbledon, wo sie zusammen mit Gabriela Sabatini auch die Doppel-Konkurrenz gewann. Ebenfalls 1988 siegte sie bei den „Internationalen Deutschen Meisterschaften" in Berlin, gewann die Goldmedaille bei den „Olympischen Sommerspielen" in Seoul (Korea) im Einzel und wurde Grand-Slam-Gewinnerin. 1989 triumphierte Steffi Graf erneut in Wimbledon und siegte in 14 Turnieren.
1990 konnte Steffi Graf ihren Spitzenplatz auf der Weltrangliste erfolgreich verteidigen. Damals machte ihr Vater durch eine angeblich geheime Vaterschaft und die Zahlung von Erpressungsgeldern in Höhe von 800000 Mark an das „Playboy"-Modell Nicole Meißner unrühmliche Schlagzeilen. Während dieser Affäre stockte die Siegesserie von Steffi.
1991 nahm Steffi Graf zum dritten Mal die Trophäe in Wimbledon entgegen. Außerdem glückten ihr in diesem Jahr sechs Turniersiege. 1992 triumphierte sie zum vierten Mal in Wimbledon, erkämpfte sich bei den Olympischen Sommerspielen in Barcelona die Silbermedaille im Einzel und platzierte sich auf Platz 2 der Weltrangliste.
Nach dem Anschlag auf Monica Seles am 30. April 1993 in Hamburg rückte Steffi Graf am 7. Juni 1993 wieder auf Platz 1 der Weltrangliste vor. Im Juli 1993 gelang ihr der fünfte Sieg in Wimbledon. Sie hatte im dritten Satz schon mit 1:4 gegen die Tschechin, Jana Novotna, zurückgelegen, dann aber noch einen Sieg geschafft.
1995 siegte Steffi Graf bei den „French Open" und Wimbledon gegen die Spanierin Arantxa Sanchez und bei den „US Open" gegen Monica Seles. Im Semifinale von Wimbledon war ihr der 750. Matchsieg ihrer Laufbahn geglückt. Zusammen mit dem Erfolg bei den „US Open" hatte sie als erste Frau überhaupt vier Mal alle Grand-Slam-Titel geholt.
Trotz dieser glänzenden sportlichen Erfolge wurde 1995 für Steffi Graf eines der bittersten Jahre ihres Lebens. Damals überschattete der „Steuerfall Graf" monatelang ihre Triumphe. Die Mannheimer Staatsanwaltschaft leitete gegen Steffi und ihren Vater ein Ermittlungsverfahren wegen Steuerhinterziehung ein. Im August 1995 musste Peter Graf wegen Verdunklungs- und Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Die Anklagebehörde stellte fest, dass Steffis Vater rund 42 Millionen Mark am Finanzamt vorbei ins Ausland geschafft und 19,6 Millionen Mark Steuern nicht bezahlt hatte.
1996 gewann Steffi Graf – ungeachtet ihrer Rückenprobleme und Knieschmerzen – bei sieben von elf Turnieren. Im Juni jenes Jahres überflügelte sie bei den „French Open" in Paris mit ihrem 19. Grand-Slam-Sieg gegen Arantxa Sanchez in der ewigen Bestenliste Martina Navratilova und Chris Evert, feierte ihren siebten Wimbledon-Sieg und ihren hundertsten Turniersieg und bezwang beim „WTA-Masters-Turnier" die Schweizerin Martina Hingis.
Mitte April 1997 wurde gegen Peter Graf Anklage erhoben, jedoch das Verfahren gegen seine Tochter eingestellt. Im November 1997 setzte man Steffis Vater nach 13-monatiger Untersuchungshaft gegen strenge Auflagen und eine Kaution von fünf Millionen Mark auf freien Fuß. Im Januar 1997 wurde Peter Graf zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt.
Nach dem verlorenen Viertelfinale der „French open" in Paris gegen die Südafrikanerin Amanda Coetzer am 3. Juni 1997 musste Steffi Graf wegen einer Knieoperation acht Monate lang pausieren. Am 18. Februar 1998 feierte sie im Hallenturnier von Hannover ihr Comeback. Dort besiegte sie in 64 Minuten im Einzel die „Deutsche Meisterin" Andrea Glass mit 6:4 und 6:2.
Die Einzigartigkeit der Sportlerin Steffi Graf spiegelt sich auch ihren zahlreichen Auszeichnungen wider. Zwischen 1986 und 1999 wurde sie fünf Mal Deutschlands „Sportlerin des Jahres". 1988 erhielt sie die Ehrenbürgerwürde ihres Geburtsortes Brühl und 1989 die „Goldene Kamera". 1995 wählte man sie zur „Weltsportlerin des Jahres" und ehrte sie als „Weltmeisterin 1995". Laut einer Umfrage der Hamburger Zeitschrift „Hörzu" war sie 1996 Deutschlands angesehenste Frau.
Unter den Top-Ten der Tennis-Damen, die das meiste Preisgeld verdienten, nahm Steffi Graf Ende August 1997 mit 20076565 US-Dollar hinter Martina Navratilova den zweiten Platz ein. Ihre Gesamteinnahmen wurden im Herbst 1995 mit 177,4 Millionen Mark angegeben.
Steffi Graf war eine Zeitlang mit dem früheren Formel–3-Rennfahrer Michael Bartels befreundet. Die „Tennis-Gräfin" hört gerne Rockmusik, fotografiert und sammelt Kunstwerke. 1995 präsentierte sie eine nach ihre bezeichnete Modekollektion, die jedoch nie auf den Markt kam. Im August 1996 gründete sie die „Steffi Graf Sport GmbH".
Am 5. Juni 1999 feierte Steffi Graf den größten Triumph ihrer sportlichen Karriere: Die 29-jährige Deutsche besiegte im Finale der „French Open" in Paris die 18 Jahre alte Schweizer Weltranglisten-Erste Martina Hingis 4:6, 7:5, 6:2. Sie gewann damit zum sechsten Mal die „French Open" und erkämpfte den 22. Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier. „Dies ist der unglaublichste Moment meines Lebens. Ich kann nicht glauben, was ich geschafft habe", jubelte Steffi.
Vier Wochen nach ihrem Triumph in Paris verpasste Steffi Graf am 4. Juli 1999 in ihrem 100. Rasenmatch den achten Sieg bei den „All England Championsships" in Wimbledon: Die 30-jährige deutsche „Tennis-Queen" verlor gegen die 23 Jahre alte amerikanische Final-Debütantin, Lindsay Davenport, in 76 Minuten mit 6:4, 7:5. Danach sagte sie bewegt: „Ich werde hierhier nicht mehr als Spielerin zurückkehren." Nach Wimbledon verlor sie die Freude und den Spaß am Tennis, ein komisches Gefühl, das sie nicht kannte.
Am 13. August 1999 beendete die erfolgreichste Spielerin aller Zeiten ihre Tenniskarriere. Mit leiser Stimme und zitternden Händen erklärte sie bei einer Pressekonferenz in ihrem Wohnort Heidelberg ihren sofortigen Rücktritt vom Tennissport. Danach wirkte sie gelöst und erklärte: „Es ist eine Erleichterung!"
Ende Oktober 2001 heiratete Steffi Graf heimlich auf dem Standesamt Las Vegas den amerikanischen Tennisspieler Andre Agassi. Die beiden waren seit 1999 ein Traumpaar. Am 3. November 2001 um 3.30 Uhr Ortszeit brachte die frühere Tenniskönigin im Valley Hospital in Las Vegas – vermutlich drei bis vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin – ihren 2600 Gramm schweren und 50 Zentimeter großen Sohn Jaden Gil zur Welt.
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| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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