Sonja Henie: Zehn Mal Weltmeisterin auf dem EisKategorie: Sport Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst
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Norwegens erfolgreichste Eisläuferin der 1920-er und 1930-er Jahre war Sonja Henie (1912–1969). Sie erkämpfte sich bei den „Olympischen Winterspielen" drei Mal die Goldmedaille und wurde zehn Mal Weltmeisterin sowie sechs Mal Europameisterin. Außerdem schuf sie die erste große Eisrevue, beteiligte sich an der Errichtung des einzigen Eistheaters in den USA und verdiente als erste mit dem Sport Millionen.
Sonja Henie erblickte am 8. April 1912 in der norwegischen Hauptstadt Oslo das Licht der Welt. Ihr Vater Wilhelm Henie besaß ein renommiertes Bekleidungs- und Pelzgeschäft und hatte sich in seiner Jugend als Skiläufer und Radrennfahrer hervorgetan. Bereits als kleines Kind besaß die blonde und stupsnäsige Sonja eine sehr große Willenskraft.
Mit sechs Jahren stand Sonja auf ihrem ersten Paar Schlittschuhe. Damals lief ein Junge mit ihr um die Wette, sie verlor und weinte deswegen. Ein Spaziergänger tröstete sie, ihr Konkurrent sei doch viel größer als sie gewesen und sie hätte gegen ihn gar nicht gewinnen können. Daraufhin sah sie zu ihm hoch und sagte, sie dürfe nie verlieren.
Schon als Achtjährige lernte Sonja Henie an der Hand ihres Vaters das Eislaufen und besuchte eine Ballettschule. Ein Jahr später trat sie im Osloer Theater als kleine Solotänzerin auf.
Im Alter von elf Jahren wurde Sonja Henie norwegische Meisterin. Danach wechselte das „Häseken", so ihr Spitzname, zur Weiterausbildung nach Wien, wo sie sich von der Weltmeisterin Herma Jarosz-Szábo (1902–1986) unterrichten ließ. Der Manager Hugo Quist, der auch den Läufer Paavo Nurmi (1897–1973) betreute, machte aus dem „Eisfloh" eine „Eisprinzessin".
Am 20. Februar 1927 gewann die erst 14-jährige Sonja Henie in Oslo überraschend den Weltmeistertitel der Damen im Eiskunstlauf. Ihr knapper Sieg vor Herma Jarosz-Szábo wurde jedoch durch einen Schatten getrübt: Der siebenköpfigen Jury, die ihr 369,576 Punkte und der Zweitplatzierten 364,54 Punkte gab, war mit vier Norwegern besetzt.
Von 1927 bis 1936 war Sonja Henie zehn Mal hintereinander Weltmeisterin und von 1931 bis 1936 sechs Mal Europameisterin. Zudem errang sie drei Mal – 1928 mit 15 Jahren in Oslo, 1932 in Lake Placid (USA) und 1936 in Garmisch-Partenkirchen (Bayern) – bei den Winterolympiaden die Goldmedaille.
1936 gab Sonja Henie ihre Amateurlaufbahn auf und feierte im „Madison Square Garden" in New York ihr Profidebüt. In Hollywood erhielt sie einen Fünfjahresvertrag als Filmschauspielerin. Ihre Filme „Die Eiskönigin", „One in a million", „Thin Ice", „Everything happens at night" „Second Fiddle", „Adoptiertes Glück", „My Lucky Star", „Sun Valley Serenade", „Ice-Land", „Countess of Monte Christo" und „Sonja Henie in London" waren Kassenschlager. 1940 erschien ihr Buch „Wings in my Feet".
Durch die prächtig ausgestatteten Eisrevuen in ihren Filmen kam Sonja Henie auf die Idee, selbst eine große Eisrevue aus der Taufe zu heben. Ihr Unternehmen, in dem sie als Managerin, Regisseur und Star fungierte, feierte international Erfolge. Zudem beteiligte sie sich an der Errichtung des einzigen Eistheaters in den Vereinigten Staaten.
In ihre erste Eisrevue unter dem Motto „Hier wird Schlittschuh gelaufen" steckte Sonja Henie 300000 US-Dollar. Die Investitionen lohnten sich: Sie nahm vier Millionen US-Dollar ein. Mit ihrer „Ice Show 1948" brach sie ihre vorherigen Kassenrekorde. Damals kündigte sie an, sie wolle sich von der Eisfläche verabschieden, hielt dieses Versprechen aber nicht ein.
Die mehrfache Millionärin besaß unter anderem Wohnhäuser in Chicago, Eispaläste, ein Aktienpaket des „Madison Square Garden", eine Beteiligung am „Rockefeller Center" in New York sowie ein Import- und Exportgeschäft in New York. Für Artikel, die ihren Namen trugen, erhielt sie Tantiemen.
Als die Einnahmen spärlicher wurden, erinnerte sich Sonja Henie daran, dass es in Europa noch viele Leute gab, die sie entweder noch nie oder sehr lange nicht mehr gesehen hatten. 1953 trat sie in Berlin auf und im Dezember 1955 wählte sie in Moskau das „Dynamo-Stadion" für den Auftritt ihrer Truppe aus.
1940 heiratete Sonja Henie den New Yorker Millionär Dan Topping, von dem sie später geschieden wurde. 1941 nahm Sonja Henie die amerikanische Staatsbürgerschaft an. 1949 ehelichte sie den Flugzeugindustriellen Winthrop Gardiner, der sich im April 1956 von ihr scheiden ließ. Im Juni 1956 schloss sie ihre dritte Ehe mit ihrem Jugendfreund, dem norwegischen Reeder Niels Onstad.
Beim Anblick der wertvollen Gemäldesammlung ihres dritten Gatten erklärte Sonja Heinie: „Aber die Bilder müssen ab". Doch später schätzte sie die Kunstwerke immer mehr und sammelte sie. Im Mai 1961 stellte das Ehepaar seine Gemäldesammlung in den Räumen des „Hamburger Kunstvereins" aus.
Sonja und ihr Mann stifteten 1962 auf der norwegischen Halbinsel Hövikodden in Baerum das „Henie-Onstads-Kunstcenter". Dabei handelte es sich um die größte mäzenatische Schenkung in Norwegen. Hauptattraktion dieses Kunstforums ist die erwähnte Gemäldesammlung des Ehepaares. Der Museumsbau, der 4,5 Millionen US-Dollar kostete, gilt als Prachtstück moderner Museumsarchitektur.
Sonja Henie starb am 12. Oktober 1969 während des Rückflugs von Paris nach Oslo im Alter von 57 Jahren. Sie hatte in den neun Monaten vor ihrem Tod an Leukämie gelitten und in der französischen Hauptstadt einen Kunsthändler aufgesucht. In einem Artikel der Zeitung „Welt am Sonntag" wurde sie als „Engel auf Kufen" bezeichnet.
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| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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