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Selbstverlegte Bücher haben keinen guten Ruf

Kategorie: Meinung
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


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Von Ernst Probst

Es war immer dasselbe Ritual: Wenn die Feuilletonisten einer bestimmten Tageszeitung ein Buch erhielten, bei dem Autor und Verleger identisch waren, wechselte jäh ihr Gesichtsausdruck. Mit verächtlicher Miene und mit spitzen Fingern hielten sie das druckfrische Werk in ihren Händen und sagten schroff: "Darüber schreiben wir nichts!" Damit war der Fall für sie erledigt. Kein Blick in den Text, kein Querlesen. Die Qualität des Inhalts spielte da überhaupt keine Rolle.

Was mit dem so abschätzig behandelten Druckerzeugnis danach geschah, weiß ich nicht genau, weil ich - als Verfasser von mehr als 25 Büchern - aus Mitleid mit dem Autor nicht mehr zusehen mochte. Vielleicht wurde die Neuerscheinung mit Begleitbrief an den Absender zurückgeschickt oder in einen Schrank gestellt und erst vor Weihnachten wieder herausgeholt, um es zusammen mit vielen anderen Titeln im Konferenzzimmer auf einen Geschenktisch zu legen, von dem sich die Redaktionsmitglieder nach der Weihnachtsansprache des Chefredakteurs beliebig viele Bücher mitnehmen konnten.

Wie wäre es wohl dem deutschen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) ergangen, wenn er der eingangs erwähnten Tageszeitung aus dem Rhein-Main-Gebiet seinen auf eigene Kosten herausgegebenen "Götz von Berlichingen" mit der höflichen Bitte um eine Besprechung geschickt hätte? Höchstwahrscheinlich hätten die dortigen Kritiker auch dieses Werk nicht zu schätzen gewusst: Ein Selbstverleger und noch dazu einer aus der Region. Das kann doch nichts taugen ...

Wer sein Manuskript nicht in einem renommierten Verlag, sondern selbst publiziert, hat hierzulande mit starken Vorurteilen zu kämpfen. Er steht generell unter dem Verdacht, sein geistiges Produkt habe nicht das Niveau eines von einem professionellen Lektor bearbeiteten Textes. Das im Eigenverlag hergestellte Buch sei sowohl in Inhalt und Form mangelhaft, heißt es gebetsmühlenartig. Die Kritiker wollen von einem solchen Pamphlet meistens nichts wissen, die Buchhändler mögen es nicht sonderlich und die potentiellen Leser erfahren nichts davon.

Wenig bekannt ist offenbar die Tatsache, dass viele berühmte Schriftsteller das Wagnis auf sich nahmen, ihre Werke mit eigenem Geld zu produzieren. Zu den frühen Pionieren auf diesem Gebiet gehört der Nürnberger "Meistersinger" Hans Folz (1440-1513), der seine Fastnachtsspiele selbst herausgab. Der englische Dichter Alexander Pope (1688-1744) verdiente Millionen mit dem Vertrieb seiner Homer-Übersetzung. Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803) verlegte sehr erfolgreich sein Hauptwerk "Der Messias". Friedrich Schiller (1759-1805) brachte die Erstausgabe der "Räuber" eigenhändig auf den Markt.

Prominente Selbstverleger waren unter anderem auch Honoré de Balzac, Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Hermann Hesse, Gottfried Wilhelm von Leibniz, Gotthold Ephraim Lessing, Heinrich Mann, Friedrich Nietzsche, Edgar Allan Poe, Leo Tolstoi, Marc Twain, Richard Wagner und Johann Joachim Winckelmann. Nicht alle dieser "Edelfedern" hatten allerdings soviel Glück wie Twain, der mit der Hilfe von Agenten innerhalb weniger Wochen rund 50000 Exemplare seines "Huckleberry Finn" verkaufte. Sogar Goethe verlor Geld mit seinem "Götz von Berlichingen".

Der Entschluss, ein Manuskript eigenhändig zu veröffentlichen, wird aus sehr unterschiedlichen Gründen gefasst. Manche Selbstverleger haben niemand gefunden, der ihren Titel herausbringen will. Andere wollen ihren Text ohne inhaltliche Eingriffe eines Verlagslektors gedruckt sehen oder es stört sie, dass sie bei den Entscheidungen über Papierformat, Schriftart, Bildauswahl, Titellayout und Ladenpreis nichts zu sagen haben. Ein Teil der Selbstverleger erhofft sich - meistens vergeblich - von der Eigenproduktion einen höheren Erlös, als er bei einem Verlag üblich ist.

Allen Unkenrufen zum Trotz betätigen sich auch heute Autoren, die das Handwerk des Schreibens und Büchermachens beherrschen, mehr oder minder erfolgreich als Selbstverleger. In einer Medienwelt, in der renommierte Verlage wegen Kauf- und Leseunlust großer Teile der Bevölkerung aufgeben müssen, sind sie so etwas wie "schreibende Dinosaurier" des 21. Jahrhunderts.

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Ernst Probst hat fünf Bücher bei C. Bertelsmann und einige Titel im eigenen Verlag Ernst Probst veröfffentlicht. Siehe www.titelverlagernstprobst.de.vu

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Verlag Ernst Probst:

Der Verlag Ernst Probst wurde 2001 von dem Journalisten, Buchautor, Buchverleger, Fossilien- und Antiquitätenhändler Ernst Probst - www.ernstprobstbiografie.de.vu -
gegründet. Spezialitäten sind Bücher, Taschenbücher und CD-ROMs aus den Bereichen Biografien, Frauenliteratur, Geschichte, Natur, Wissenschaft und Aphorismen - www.titelverlagernstprobst.de.vu

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
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