Schwarzes Gold – Wer regiert eigentlich den Kaffeemarkt?Kategorie: Essen & Trinken Artikel veröffentlicht von: Andreas Ketzmann
Es mag zwar klingen wie eine willkürliche Annahme aus dem Umfeld der Chaostheorie, doch davon kann nicht die Rede sein. Denn die Behauptung, dass jede einzelne Tasse Kaffee den täglichen Überlebenskampf von Millionen Menschen rund um den Globus beeinflusst, entspricht durchaus den realen Verhältnissen. Das Bewusstsein hierfür zu wecken und blindes Konsumverhalten in Frage zu stellen, war Ziel der beiden Filmemacher Marc und Nick Francis, als sie sich dazu entschlossen, einen Dokumentarfilm über die Lage der Kaffeebauern in Äthiopien zu produzieren.
„Black Gold - Wake up and smell the coffee" konzentriert sich auf das hochgradig paradoxe Ungleichgewicht zwischen einer zunehmend boomenden Kaffeeindustrie auf der einen und wachsender Armut der Kaffeebauern auf der anderen Seite. Am offensichtlichsten ist dieses Problem in Äthiopien, dem größten Kaffeeproduzenten des afrikanischen Kontinents und zugleich die vermutliche Geburtsstätte der schwarzen Bohne. Als das Land Ende 2002 vor einer neuen Hungerkatastrophe stand, gehörten die Kaffeebauern mit zu den Betroffenen, während die Industrie, die von ihnen versorgt wird, auf einen stolzen Jahresumsatz von 80 Milliarden USD zurückblicken konnte.
„Black Gold" will nicht polemisch sein oder manipulativ, sondern dem Zuschauer Gelegenheit bieten, seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Nichts desto trotz war es den Filmemachern wichtig, den afrikanischen Kontinent im Kontext von Weltwirtschaft und Konsumverhalten zu zeigen, und damit das Klischee selbständigen Verschuldens aus dem Weg zu räumen, das den westlichen Industrienationen erlaubt, sich von ihrer Verantwortung und Mitschuld freizusprechen.
Das zugrundeliegende Paradox ist schnell beschrieben. Multinationale Kaffeekonzerne mit ihrem festen Platz in den Supermärkten und Kaffeehäusern der nördlichen Halbkugel haben Kaffee zum zweitwichtigsten Handelsgut der Welt gemacht, das nur noch von Erdöl übertroffen wird. Was von den hohen Umsätzen jedoch für die Erzeuger vor Ort übrig bleibt, ist in der Regel weniger als das notwendige Minimum, um die eigenen Kaffeeplantagen am Laufen zu halten.
Der Film verfolgt die Arbeit von Tadesse Meskala, Manager der Oromia Coffee Farmers Co-operative Union, und damit Vertreter von 74.000 äthiopischen Kaffeebauern. Sie produzieren den sogenannten Sun Dried Harare, eine der qualitativ hochwertigsten Kaffeesorten der Welt. Doch der Handel ist über weite Strecken ertraglos, wenn Spitzensorten wie der Harare nicht verkauft, sondern eingelagert werden.
Multinationale Player wie Procter & Gamble, Kraft und Nestlé beeinflussen die Preise, und so ist es Meskalas Aufgabe, internationale Handelspartner zu finden, die sich auf entgegenkommende Konditionen einlassen. „Black Gold" versucht zu zeigen, welche Faktoren hier entgegenstehen, und wie die Macht auf dem internationalen Kaffeehandelsparkett verteilt ist.
„Black Gold" war offizieller Festivalbeitrag in Sundance und Rom 2006, sowie in London und Rom. Ausführliche Informationen zum Film, sowie ein Trailer finden sich auf der offiziellen Homepage unter www.blackgoldmovie.com. Informativ auch der „Coffee Calculator", mit dessen Hilfe man anhand seines eigenen Kaffeekonsums errechnen kann, welche Anteile pro Tasse an welche Beteiligte gehen.
Veröffentlicht von: Andreas Ketzmann Web: http://www.lethe-genussversand.de Kontakt: e-mail
| Über den Autor: |
| Andreas Ketzmann, Kaffee-Experte. An ausgewählten Kaffeeseminar-Schauplätzen vermittelt er Interessantes und Ungewöhnliches über Botanik, Aroma, Anbau und Wuchsgebiete, über Sorten, Mahlgrade und Röstung, aber auch über Wirkung und Forschung. Beispiele finden sich in seinem Blog unter www.kafffee-geniessen.de oder unter www.kaffeeseminare.de |
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