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Rosa Luxemburg: Die Mitbegründerin der KPD

Kategorie: Politik
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


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Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Eine der bedeutendsten deutschen Kommunistinnen war die aus Polen stammende Rosa Luxemburg (1870-1919), geborene Rozalia Luksemburg. Sie gehörte zu den Gründern der „Spartakusgruppe" und der „Kommunistischen Partei Deutschlands" (KPD), zu deren Vorsitzenden man sie und Karl Liebknecht (1871–1919) wählte. Nach einem missglückten Aufstand ist sie in Berlin ermordet worden. Von ihr stammt der Spruch „Freiheit ist immer Freiheit des anders Denkenden".

Rozalia (Róza) Luksemburg erblickte am 5. März 1870 als jüngstes von fünf Kindern des jüdischen Holzhändlers Elias Luksemburg und seiner Frau Lina, geborene Löwenstein, in Zamosc (Zamost) im russisch annektierten Teil Polens das Licht der Welt. Dort verbrachte Róza die ersten drei Jahre ihrer Kindheit. 1873 zogen ihre Eltern in die polnische Hauptstadt Warschau um.

Vermutlich wegen eines angeborenen Hüftschadens wurden 1875 beide Beine der fünfjährigen Róza in Gips gelegt, und sie musste ein Jahr lang das Bett hüten. Danach stand sie mit einem verkürzten Bein wieder auf und hinkte. Ab Herbst 1880 besuchte die Zehnjährige, die bis dahin zu Hause unterrichtet wurde, die erste Klasse des zweiten Warschauer Mädchengymnasiums.

Im März 1887 verließ Róza Luksemburg das Gymnasium mit dem Abschlusszeugnis und der Gesamtnote „Sehr gut". Bereits gegen Ende ihrer Schulzeit nahm sie an geheimen Zirkeln der oppositionellen Gruppe „Proletariat" teil und fand Kontakt zum verbotenen Arbeiterkomitee und dessen Gründer, Martin Kasprzak (1860–1905). Als diese Organisation im Herbst 1888 aufflog, flüchtete Róza unter einer Fuhre Stroh in Ausland.

Anfang 1889 emigrierte Róza Luksemburg in die Schweiz, um dort zu studieren. Am 18. Februar 1889 meldete sie sich in der Gemeinde Oberstrass unter dem Namen „Rosa Luxemburg" an. Damals wohnte sie in der Familie des deutschen Emigranten Karl Lübeck. Im Oktober 1889 schrieb sie sich an der Universität Zürich ein.

Im Frühherbst 1890 lernte Rosa Luxemburg den litauischen Revolutionär Leo Jogiches (1867–1919) kennen und lieben. Mit ihm gründete Rosa 1893 die im Untergrund tätige „Sozialdemokratische Arbeiterpartei des Königsreichs Polen" (SDKP) und deren Organ „Sprawa Robotnicza" („Die Sache der Arbeiter"). Im August 1893 trat die 23-Jährige beim Kongress der „Zweiten Internationale" in Zürich zum ersten Mal öffentlich auf und plädierte für die Anerkennung der SDKP.

Anfang Mai 1897 promovierte Rosa Luxemburg in Zürich mit ihrer Dissertation „Die industrielle Entwicklung Polens" zum Doktor der Rechte. Durch eine Scheinehe mit dem Sohn ihrer Vermieter Carl und Olympia Lübeck, dem Schriftsetzer und Anarchisten Gustav Lübeck (geb. 1873), am 19. April 1898 in Basel wurde Rosa Luxemburg deutsche Staatsbürgerin.

Ab dem 16. Mai 1898 lebte Rosa Luxemburg in Berlin, wo sie bereits zehn Tage nach ihrer Ankunft in die „Sozialdemokratische Partei Deutschlands" (SPD) eintrat. 1903 wurde sie Mitglied des „Internationalen Sozialistischen Bureau". Im selben Jahr erfolgte auch ihre Scheidung von Gustav Lübeck. Beim Kongress der „Zweiten Internationale" im August 1904 in Amsterdam übte sie zwei Mandate aus – eins für die deutsche und eins für die polnische Sozialdemokratie – und gehörte zwei Komitees an, dem für Kartelle und Arbeitslosigkeit. Nach ihrer Rückkehr saß sie vom 26. August bis zum 24. Oktober 1904 wegen Beleidigung von Kaiser Wilhelm II. (1859–1941) im Frauengefängnis Zwickau.

Am 29. Dezember 1905 ging Rosa Luxemburg in den unter russischer Herrschaft stehenden Teil Polens und nahm in Warschau an Demonstrationen und Kämpfen gegen die russische Staatsmacht teil. In jenem Jahr erlebte sie die erste russische Revolution mit. Am 4. März 1906 wurden sie und ihr Freund Jogiches von der zaristischen Polizei in ihrem Warschauer Hotelzimmer verhaftet. Damals drohte Rosa das Kriegsgericht und die Hinrichtung, doch mit Hilfe des österreichischen Sozialisten Karl Kautsky (1854–1938) und Bestechungsgeld durfte sie am 11. April 1906 gegen Zahlung einer Kaution wieder das Gefängnis verlassen. Ende Juli kehrte sie über Finnland nach Deutschland zurück.

Von 1907 bis 1914 lehrte Rosa Luxemburg als Dozentin für Nationalökonomie an der SPD-Parteischule in Berlin. Während dieser Zeit hielt sie in Deutschland flammende Reden „gegen Militarismus und imperialistischen Krieg!" Von 1907 bis 1912 wurde Konstantin (Kostja) Zetkin (1885–1980), der jüngere der beiden Söhne der Politikerin Clara Zetkin (1857–1933), ihr Geliebter.

Seit 1914 führte Rosa Luxemburg mit dem deutschen Politiker und Rechtsanwalt Karl Liebknecht die linke Opposition gegen den Ersten Weltkrieg an. Von März 1915 bis Februar 1916 sowie von Juli 1916 bis November 1918 war Rosa Luxemburg in Haft. 1916 gründete sie zusammen mit Karl Liebknecht, der Politikerin Clara Zetkin, dem Politiker, Historiker und Journalisten Franz Mehring (1846–1919) sowie anderen ehemaligen Sozialdemokraten die „Gruppe Internationale", die den sofortigen Kriegsabbruch forderte.

Die „Gruppe Internationale" wurde bald nach ihren illegal erscheinenden „Spartakusbriefen" als „Spartakusgruppe" (ab 1918 „Spartakusbund") bezeichnet. Das von Rosa Luxemburg verfasste „Spartakusprogramm" tendierte im Gegensatz zur bolschewistischen Konzeption des russischen Politikers Wladimir Iljitsch Lenin (1870–1924) vor allem hinsichtlich der Funktion der Partei zu einem demokratischen Kommunismus.

Rosa Luxemburg galt als glänzende Theoretikerin und sprachgewaltige Agitatorin. Zeitgenossen bescheinigten ihr ein Temperament, mit dem man „eine Prärie anzünden" konnte. Lenin charakterisierte Rosa Luxemburg als „Adler unter Hühnern". Der österreichische sozialistische Parteiführer Victor Adler (1852–1918) nannte sie „ein giftiges Luder, aber blitzgescheit".

Im April 1917 schloss Rosa Luxemburg sich mit Liebknecht und der „Spartakusgruppe" der damals neu gegründeten „Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands" (USPD) an. Nach ihrer Befreiung aus dem Gefängnis in Breslau hob sie im November 1918 die Zeitung „Rote Fahne" aus der Taufe und entwarf das Programm für die „Kommunistische Partei Deutschlands" (KPD), die am 31. Dezember 1918 vom „Spartakusbund" und von Bremer Linksradikalen gegründet wurde. Man wählte Liebknecht und Rosa am selben Tag zu Vorsitzenden der KPD.

Am 5. und 6. Januar 1919 nahm Rosa Luxemburg an dem von den Kommunisten, der USPD und den revolutionären Obleuten der Metallarbeiter initiierten Spartakusaufstand der Berliner Arbeiter teil. Zwar sah sie es als unverantwortlich an, einen bewaffneten Aufstand zu beginnen, ohne die Mehrheit der Arbeiter hinter sich zu haben, machte aber aus Solidarität trotzdem mit. Für breite Schichten der Bevölkerung war sie damals nur die „rote" oder „blutige" Rosa, die die bürgerliche Republik beseitigen wollte.

Nach blutiger Niederschlagung des Spartakusaufstandes durch Freikorps wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am 15. Januar 1919 in Berlin verhaftet und von Freikorpsoffizieren ermordet. Ihre Leichen warf man in den Landwehrkanal und barg sie erst am 31. Mai 1919.

An dem Trauerzug zur Beisetzung von Rosa Luxemburg am 13. Juni 1919 nach Berlin-Friedrichsfelde beteiligte sich eine unübersehbare Menschenmenge. Clara Zetkin schrieb über die Verstorbene: „Die kleine, gebrechliche Rosa war die Verkörperung beispielsloser Energie. Wenn sie unter einer Überanstrengung zusammenzubrechen drohte, so erholte sie sich bei einer noch größeren Leistung. Bei Arbeit und Kampf wuchsen ihr Flügel."

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
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