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Aus Sicht der Philosophie: Nachdenkliche Ostern
Kategorie: Kultur
Veröffentlicht von: Renate Miethner


Dass mit dem Frühjahrsfest Ostern nicht nur Ostereiersuche, Völlerei, Langeweile und freie Zeit, mit der man nichts anzufangen weiß, verbunden sein muss, sollte nicht selten dezidiert in Erinnerung gerufen werden. In besonderem Maße lassen sich in Frühling und Osterfest vielfältige Berührungspunkte mit menschlichen Grundproblemen und –interessen entdecken, wenn man sich nur aufmerksam und aufgeschlossen auf die Spur selbiger begibt. Und dazu muss man sich keinesfalls notwendigerweise christlichen Traditionen verbunden fühlen.

Gedenkt man der Konnotationen des Osterfestes als des Frühjahrsfestes und als Fruchtbarkeitskult, so werden sich neben der Freude über die erblühende Natur möglicherweise mit gewisser Wehmut verbundene Gedanken an den „ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen“ einstellen oder gar aufdrängen. Allerorten ist man konfrontiert mit sich zum Ersprießen, Erblühen und Reproduzieren anheimschickender Natur in ihrer vollen Pracht, und man weiß bereits, dass alles nur geschieht, um letztlich doch wiederum zu vergehen. Die sich stets aufs Neue wiederholende altbekannte und vertraute Abfolge der vier Jahrezeiten, der in seiner Art neue und erstmalige und einzigartige Frühling diesen Jahres, der wie jeder seiner Art, und auch wie jede andere Zeitspanne einmalig und unwiederbringlich ist und sein wird, stellt sich immer erneut als Überraschung dar, und zugleich als Ernüchterung, welche die Angst vor dem gewissen (unausweichlichem) und bevorstehenden, womöglich endgültigen, Ende birgt.

Betrachtet man unter diesen Voraussetzungen den christlichen Hintergrund des Oster-“geschehens“, wie es in den biblischen Evangelien tradiert ist, so stößt man unter drei Gesichtspunkten gerade auf das zentrale Thema, mit dem jeder per naturam konfrontiert ist, nämlich die Endlichkeit und Sterblichkeit des Menschen.
So bedeutet die christliche Auffassung des Menschen als sündhafter, sündenverhafteter, grundsätzlich der Sünde anheimfallen könnender Kreatur in ihrer Kernbedeutung nichts anderes als die Anerkenntnis der prinzipiellen Fehlbarkeit, und somit Endlichkeit und Begrenztheit des Menschen. Die „Leiden Christi“ oder der „Leidensweg Christi“ wollen ihn ermahnen, seiner grundsätzlichen Leidensfähigkeit und Bedürftigkeit, sowie der Fähigkeit zu(m) Mitleid(en) stets zu gedenken. Und die „Erlösung“ oder die „Auferstehung“ stellen den gedanklich-spekulativen Versuch einer Bewältigung von der einen jeden Menschen frappierenden Absurdität der Sterblichkeit und des Todes dar, indem eine „ausgleichende Gerechtigkeit“, wenn auch nicht notwendig zu Lebzeiten, in Aussicht gestellt wird.

Überlegungen dieser und ähnlicher Art finden sich in der unter dem Titel „Philosophiemonatsbrief“ von dem Bonner Beratungsunternehmen Apeiron herausgegebenen Fachschrift. Auf der Homepage des Unternehmens lässt sich die digitale Publikation zu philosophischen Themen kostenfrei via Email abonnieren. Behandelt wird jeweils ein klassisches philosophisches Thema anhand aktueller Diskussionen aus Politik und Gesellschaft. Abgerundet wird die Publikation mit einem Literaturtipp.
Die aktuelle Ausgabe kann kostenfrei bestellt werden unter http://www.philosophieberatung.de - zusätzlich steht auch noch die Märzausgabe unter http://www.philosophieberatung.de/pmb_03-06.pdf zum Download bereit.


Veröffentlicht von: Renate Miethner
Web: http://www.philosophieberatung.de/
Kontakt: e-Mail


Über den Autor:
Apeiron Philosophieberatung, 2005 gegründet von der Bonner Philosophin Renate Miethner, ist ein dezidiert philosophisch ausgerichtetes Beratungsunternehmen. Renate Miethner studierte Philosophie an der Rheinischen Friedrich-Wilhems-Universität Bonn und arbeitete ausführlich über Kant und die erkenntnistheoretischen Ansätze des deutschen Idealismus.