NEUERSCHEINUNG : KnastologieKategorie: Bücher Veröffentlicht von: Sven Trautwein
Das etwas andere Geschichtsbuch
Knastologie ist kein Geschichtsbuch, wie es die meisten kennen. Es ist ein „Geschichtsbuch der besonderen Art“, in dem der Leser hautnah Einblicke in die 50er Jahre erhält, eine Zeit, über die heute nur noch wenig gesprochen wird.
Zunächst wird im Vorwort die Bedeutung der Wortschöpfung Knastologie erklärt, welche im Gefängnis geprägt wurde. Der Begriff impliziert, dass es sich hierbei um eine Wissenschaft handelt, ein Knastologe wäre somit ein Strafgefangener. Und mit genau dieser Gruppe Menschen befasst sich Karl Jakob Weil.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der Kommunist Peter Leonhardt, der nach dem Verbot der KPD 1956 verhaftet und angeklagt wird. Anhand seiner Geschichte werden auch bewegende Lebensbilder anderer Knastologen charakterisiert und man wird vertraut gemacht mit deren Vergangenheit, Delikten, Vorbildern und besonders dem Alltag im Gefängnis.
Auswirkungen des Kalten Krieges auf Prozesse und Behörden, sowie die vermeintliche Gleichbehandlung der Insassen werden kritisch beleuchtet. Doch im Vordergrund stehen durchwegs die psychologischen Auswirkungen der damaligen Politik auf die Menschen. Die Isolierung politisch Gefangener von anderen Insassen und der Druck, der durch Behörden und Bevölkerung, auf deren Familien ausgeübt wird, bleiben bei den Häftlingen nicht ohne Spuren.
Eingebettet in die Geschichte des Protagonisten erläutert Karl Jakob Weil auch verschiedene Problematiken aus der allgemeinen Geschichte, Wirtschaft und Politik dieser Zeit, wie beispielsweise das Saarstatut.
Insgesamt handelt es sich bei Knastologie um ein tiefgründiges Buch mit Pfiff, manchmal traurig und doch im Ganzen sehr lebensbejahend.
Veröffentlicht von: Sven Trautwein Web: http://www.content-newmedia.de Kontakt: e-Mail
| Über den Autor: |
| Karl Jakob Weil , Jahrgang 1922, hat die Weimarer Republik und die Nazizeit als Jugendlicher, Schüler und später als Soldat der Deutschen Wehrmacht erlebt. Krieg und Gefangenschaft hinterließen bleibende Eindrücke. Seine Schlussfolgerung: "Nie wieder darf eine solche Entwicklung, Hetze gegen andere Völker und Krieg zugelassen werden." Dieser Vorsatz schlägt sich auch in seinen Büchern nieder.
Vor Knastologie erschienen von Karl Jakob Weil bereits Die Erde kann erzählen (2000), der historische Roman Freiheit die ich meine (2001), sowie die Kurzgeschichtensammlung Die Hochzeit an der Mosel (2002). |
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