Darf man auch mal sauer sein?Kategorie: Bildung & Beruf Veröffentlicht von: Dietmar Feigenspan
von Dipl.-Ing. (FH) Dietmar Feigenspan
Trainer für Persönlichkeitsentwicklung und Verkaufsförderung
Manchmal sind Führungskräfte bei der Arbeit auf ihre Untergebenen sauer, weil die Bockmist verzapft haben, den der Vorgesetzte dann ausbaden darf. Reagiert der Vorgesetzte dann zornig, fühlen sich die Mitarbeiter sogar noch ungerecht behandelt und schmollen.
Kennen Sie das vielleicht selbst? Einer Ihrer Mitarbeiter ist unachtsam, verursacht dadurch einen Schaden und Sie dürfen es dann wieder einmal ausbügeln. Dabei haben Sie diesen Mitarbeiter, nicht nur einmal, darauf hingewiesen was für Schäden alles geschehen können, wenn man/er bei der Arbeit nicht aufpasst? Oder sind Sie vielleicht sogar damit beschäftigt, ständig kleine "Brände" zu löschen, die Ihre Mitarbeiter verursacht haben? Und Sie müssen sich darum kümmern, obwohl es nicht ihr Fehler war und verpassen so, zum wiederholten Male, eine Theateraufführung Ihres Kindes, oder kommen dadurch wieder Mal verspätet nach Hause, wo Ihre Liebste vergeblich mit dem Essen wartet?
Oder eine andere Abteilung verlangt von Ihnen eine Adhoc-Prüfung von Vertragsunterlagen, obwohl es eine firmeninterne Regelung gibt, die besagt, dass solche Unterlagen eine Woche vor dem Vertragsabschluß, zur Prüfung, einzureichen sind? Aber die andere Abteilung pfeift auf die "Spielregeln" und kommt ständig mit solchen Adhoc-Prüfungen an? Und irgendwann platzt Ihnen der Kragen? Weil andere ständig die Spielregeln missachten und Sie damit missbrauchen? Sie lassen dann Ihrem Ärger freien Lauf und machen den anderen zur Schnecke. Der wundert sich dann nur warum Sie auf einmal aus der Haut fahren und fühlt sich selbst sogar noch ungerecht behandelt.
So etwas kommt jeden Tag tausendfach vor. Das eigentlich ungerechte daran ist, dass Sie dann als Übeltäter dastehen und nicht der eigentliche Verursacher des Problems. Sie haben dann auf einmal ein Imageproblem. Sie gelten dann als unbeherrscht und aggressiv. Einige sagen dann sogar: "Wer brüllt ist im Unrecht", oder "Wer sich nicht beherrschen kann ist schwach und hat keine Argumente". Welch eine gequirlte Scheiße! Zorn gilt als eine der Todsünden. Und mit den Todsünden verbinden einige, dass das Gottes Gesetz sei. Kaum einer weiß jedoch, dass die Todsünden erst im vierten Jahrhundert nach Christi Geburt, von einem Priester entwickelt wurden, also gar nicht "göttlich" sind.
Seinen Ärger heraus zu lassen hat eine befreiende Wirkung, für den der das tut. So schluckt man nicht mehr den Ärger herunter, dem einen andere bereiten, sondern lässt ihn gleich an Ort und Stelle, an dem aus, der ihn verursacht hat. So ein Ausbruch ist der angemessene Ausdruck, um der Ungerechtigkeit, Schädigung oder Benachteiligung zu begegnen, die gerade an einem selbst begangen wird. So ein Gewitter reinigt die Luft und sollte nicht zu persönlich genommen werden. Der, den der gerechte Zorn trifft, sollte dann keinesfalls die Mimose spielen, denn er ist ja selbst der Verursacher dieser Situation. Hätte er sich nicht falsch verhalten, dann wäre es auch nicht zu dieser Eskalation gekommen. Ist doch ganz klar, oder?
Manchmal begreifen andere erst, dass sie was falsch gemacht haben, wenn Sie "Opfer" solch eines Ausbruchs werden. Der Ausbruch verschafft endlich Gehör, über einen Missstand, der ohne den Zorn nicht gehört worden wäre. Denn hätte man dieser, dem Zorn vorausgehenden, Ungerechtigkeit vorher Gehör geschenkt, dann hätte man die Ungerechtigkeit abgestellt. Da man dies jedoch nicht getan hat wurde damit die Ungerechtigkeit auch nicht beseitigt. Und irgendwann läuft das Fass dann eben über.
So ein Zornesausbruch lohnt sich aber nur dann, wenn es nicht darum geht den anderen nur klein zu machen, sondern man damit auf die eigentliche Ursache (zum Beispiel: Verletzung der Spielregel) aufmerksam machen, und so zu einer Abstellung des Missstandes kommen will. So können Sie auch einen Zornesausbruch "inszenieren". Das kann Sinn machen, wenn Sie jemandem schon tausend Mal etwas gesagt haben, der aber darauf nicht hört. Wenn Sie ihn dann mit Ihrem "gerechten" Zorn treffen, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er endlich hört und sein fehlerhaftes Verhalten einstellt.
Die eigene Verärgerung deutlich zu zeigen, hat gerade im Beruf noch einen anderen verblüffend positiven Effekt. Wer auch mal mit der Faust auf den Tisch haut, verbessert seinen Status deutlich. Er demonstriert damit Macht und Stärke. So werden solche Arbeitskollegen als mächtiger wahrgenommen als solche, die permanent ihre Gefühle unterdrücken oder traurig erscheinen. Erstaunlich ist auch, dass Ärger und Zorn unseren Sinn für die Realität schärft und uns selbstsicherer macht.
Wenn Ihnen jemand einreden will, dass sich so ein Ausbruch "nicht schickt", dann können Sie entgegnen, dass es diesen Ausbruch ohne das widrige Verhalten des Anderen gar nicht gäbe. Und wenn man will, dass es nicht zu einem wiederholten Ausbruch kommt, dann muss sich eben der Andere an die Spielregeln halten. Machen Sie ganz deutlich klar, dass solche Ausbrüche ganz natürliche Reaktionen auf einen Missstand sind und dies zu allen Zeiten, in allen Gesellschaften und in allen Schichten jederzeit auftritt. Dazu braucht man sich nur die Tagesschau oder ein Fußballspiel anschauen. Vielmehr ist es so, dass jemand, der nie Verärgerung zeigt, ein gestörtes emotionales Verhalten besitzt, dass auf eine tief greifende Blockade rückschließen lässt. Ärger herunter zu schlucken macht auf die Dauer krank.
Übrigens ..., ist Ihnen eigentlich schon einmal aufgefallen, dass die, die sich über einen Zornesausbruch meistens muckieren, genau die sind, die am meisten die Spielregeln missachten? Die andere am Meisten missbrauchen?
Veröffentlicht von: Dietmar Feigenspan Web: http://www.erfolgreich-und-gluecklich.de Kontakt: e-Mail
| Über den Autor: |
| Dietmar Feigenspan ist seit über 20 Jahren als Führungskraft tätig. Im laufe der Zeit hat er ein eigenes, sehr wirkungsvolles Führungssystem/-konzept entwickelt. Es hat dazu geführt, dass seine Mitarbeiter fünf Mal besser als der Bundesdurchschnitt wurden. Mehr erfahren Sie auf seiner Web-Seite: www.erfolgreich-und-gluecklich.de. |
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