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Schön kann jede Frau sein: Was die Natur nicht schenkt, ergänzen Charme und Anmut
Kategorie: Schönheit
Veröffentlicht von: Ernst Probst


Leseprobe aus dem Taschenbuch "Am liebsten heiter" des Mainzer Publizisten Karl Heinz Hock:

Zwei Männer auf einer Parkbank. Mit sichtlichem Wohlgefallen schaut der eine einer Dame nach, der man ansieht, dass sie keine Mahlzeit auszulassen pflegt. Sein Blick aber füllt sich mit Sorge, als eine andere Frau vorbei kommt, die „Twiggys Schwester“ sein könnte. „Viele deutsche Frauen krank“, sagt er Anteil nehmend zu seinem Nachbarn, der gerade zu einer gegensätzlichen Einschätzung gekommen ist. Welcher von beiden Männern stammte wohl aus der Türkei?

Die kleine Geschichte ist nicht erfunden. Sie steht für zwei Kulturkreise, die sich in tausend Eigenschaften unterscheiden. Das gilt für Traditionen und Religionen und nicht zuletzt für das Idealbild der Frau. Nichts wäre jedoch falscher, als die jeweils andere Auffassung geringer zu schätzen. Manches spricht sogar dafür, dass das orientalische Frauenideal dem natürlichen Frauenbild näher kommt als das der Industrieländer. „Ein mannbares Mädchen, dessen Naturbestimmung ist, Kinder zu gebären und Kinder zu säugen, wäre nicht schön ohne gehörige Breite des Beckens und ohne gehörige Fülle der Brüste. Doch wäre auch ein Zuviel nicht schön, denn das würde über das Zweckmäßige hinaus gehen“. Der lebenserfahrene Geheimrat von Weimar diktierte diese Sätze seinem Eckermann im Jahre 1827. Goethe ahnte noch nicht, welche Rollen sich die Frauen in den nächsten 170 Jahren zusätzlich erobern würden.

Die Vorstellungen von dem, was als schön anzusehen sei, gehen unter den Männern weit auseinander. Ballon-Busen und Kleider-Stange markieren die Extreme. Zustimmung und Ablehnung unterliegen historischen Wandlungen, hängen von Mode, Geschmack sowie Bildungsstand ab und sind letztlich subjektiv. Unbewusst spielen bei der Annäherung an das andere Geschlecht stammesgeschichtliche Prägungen mit, auch wenn viele das nicht wahr haben wollen. Der Mann sucht die geeignetste Mutter, selbst wenn es ihm nicht auf die Zeugung von Kindern ankommt und die Frau den stärksten Vater, der ihren Nachwuchs beschützen kann.

Das Ur-Ideal der Frau dürfte die etwa 25000 Jahre alte „Venus von Willendorf“ aus dem Donautal mit ihren fülligen Formen verkörpern. In ganz Europa – auch auf dem Linsenberg in Mainz – fand man ähnlich üppige ..Fruchtbarkeitsgöttinnen“, die für die Menschen ihrer Zeit als „große Mutter“ Bedeutung gehabt haben dürften. War doch die Erhaltung und Vergrößerung der Sippe eine Überlebensfrage. Auch das Nützliche kann ein Kriterium des Schönen sein. Der Busenkult verrät, dass die Steinzeit-Venus in der Sexszene immer noch Verehrer hat.

Seit die Menschen vor etwa 12000 Jahren sesshaft wurden, hat sich das Bild der Frau in einem beschleunigten Kultivierungsprozess stark verändert. Die Kunst war von jeher der Spiegel des Schönen, vor allem des „schönen Geschlechtes“. Ein Höhepunkt wurde in den Skulpturen der griechischen Antike erreicht. Die Aphrodite von Knidos, um 330 v. Chr. unter den Händen des Praxiteles entstanden und die noch berühmtere Venus von Milo, 1820 auf der Insel Melos gefunden, gehören zum Schönsten, was Natur und Kunst hervorgebracht haben. Die Körper atmen Harmonie, Anmut und Liebreiz. Die von Appeles um 300 v. Chr. gemalte „Aphrodite von Anadyomene“ soll so schön gewesen sein, dass der römische Kaiser Augustus sie 250 Jahre später gegen einen bedeutenden Steuererlass erwarb. Von kurzfristigen modischen Zwischenspielen abgesehen, haben sich die griechischen Idealdarstellungen des Körpers über zwei Jahrtausende erhalten. Aber erst von der Renaissance an huldigten Maler und Bildhauer wieder der Schönheit des Weibes in allen Facetten. Eine glückliche Epoche, deren Kunst dem Schönen hohen Rang einräumt.

Im gleichen Maße wie immer mehr Frauen der Neuzeit ihren Charme und ihre Klugheit entwickelten, wurden auch diese Eigenschaften zu Kriterien ihrer Attraktivität. Die Männer entdeckten die „inneren Werte“. Intuitiv werden sie in das Gesamtbild einbezogen. Am liebsten hätten die Männer gern alles zusammen: die Sportliche, die Dralle, die Schlanke und die Schöne. Die moderne Frau hat zahlreiche Möglichkeiten, körperliche Mängel auszugleichen und sich anziehend zu machen. Es muss ja nicht gerade die Wespentaille sein, die im Jahre 2600 v. Chr. auf Kreta große Mode war und unsere Ururgroßmütter wiederum peinigte. Das Skalpell des Chirurgen hat viele Falten geglättet, aber auch manchen Körper verunstaltet. Es sollte die ultima ratio feminae sein, das allerletzte Mittel der Frau.

Die Empfindung „schön“ wird als „sinnliches oder ästhetisches Wohlgefallen an der durch das Auge erfassbaren körperlichen Vollkommenheit“ definiert.

„Du bist wie eine Blume, so schön, so hold und rein“, beginnt Heinrich Heine eines seiner schönsten Gedichte. Wer mag die junge Dame gewesen sein, die er auf so unnachahmliche Weise anbetete? Um eine ausgefallen schöne Frau zu gewinnen, bringen Männer sich gegenseitig um, oder sie ruinieren sich finanziell. In gewissen Kreisen war das früher wenigstens so. Wie bedeutend mögen sich die Damen damals vorgekommen sein. Inzwischen werden sie kampflos weiter gereicht, was möglicherweise ihr Selbstbewusstsein untergräbt.

Immerhin soll es um Helena, die Tochter des Zeus und der Leda, angeblich den ganzen Trojanischen Krieg gegeben haben. Helena war aber so schön, dass ihr erster Gemahl Menelaos sie wieder zurück nahm, obwohl sie in der Zwischenzeit nicht nur das Lager des Paris, sondern auch das des Deiphobos geteilt hatte. Schade, dass es kein Foto von ihr gibt.

Die Schönheit der Frauen hat so viele Bewunderer wie Kritiker. Sie kann das Leben erleichtern wie erschweren. Nach Auffassung vieler Dichter und Denker kommt sie nicht ohne zusätzliche positive Eigenschaften aus, um ganz zu überzeugen. Deshalb widersprechen sich so viele Aussagen über schöne Frauen. „Das höchste aber von allen Gütern ist der Frauen Schönheit“ lässt Schiller den Burgund in seiner „Jungfrau von Orleans“ sagen. „Schönheit des Körpers hat etwas Tierisches“ schrieb dagegen Demokrit, gerade als sich die Griechen anschickten, ihre großartigen Plastiken zu schaffen. Stendhal meinte, die Schönheit sei nichts als das Versprechen des Glücks. Immer wieder kommt in Texten auch die Befürchtung zum Ausdruck, hinter der schönen Fassade könne sich Hässlichkeit verbergen. Gegenüber sehr schönen Frauen sei meist der Mann der Schutzbedürftige“, meinte der Frauenverächter Oscar Wilde. Ein Angsthase.

Clemens von Brentano gab jenen Frauen Stimme, die mit ihrer Schönheit keine guten Erfahrungen machten: „Ich war jung und hatte das große Unglück sehr schön zu sein. Ach, mein Herr, es gibt schier kein größeres Unglück als dieses, weil keine Ruhe, kein Friede möglich ist, weil alles nach einem verlangt.“ Nicht die Schönheit, die Männer machten der jungen Dame das Leben schwer. Es gibt aber keinen Zweifel, dass Schönheit mehr Vor- als Nachteile bringt. Der italienische Volksmund sagt „... schön geboren, verheiratet geboren“. Da mag etwas Wahres dran sein. Schönheit erweckt Aufmerksamkeit, die Garantie, geliebt zu werden, wird von der Natur nicht mitgeliefert. Im Zweifelsfall schlägt eine Frau mit Charme und Esprit die nur Hübsche aus dem Feld. „Bildschöne Frauen sind selten charmant, weil sie es nicht nötig haben, charmant zu sein“, berichtet Boleslaw Barlog. Uncharmant aber wahr. Martin Luther kam zu dem Schluss, dass es schönen Mädchen erlaubt sei, auf ihre Gabe stolz zu sein.

Das Wort von der Vergänglichkeit alles Irdischen gilt leider auch für die weibliche Schönheit. Wer genau hin schaut, entdeckt schöne Frauen jeden Alters, manche bleiben es zu bis ihrem Lebensende. Oft erblüht die Schönheit einer Frau erst, wenn sie geliebt wird. Ein glücklicher Mann, der ein Leben lang in schöne Frauenaugen blicken kann.

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INHALT
Am liebsten heiter
Wie sich das Leben
besser ertragen lässt
www.beepworld.de/members79/amliebstenheiter/humor.htm

Liebe: Labsal für Leib
und Seele
Der Mensch ist von Natur
auf Dauerpartnerschaften eingestellt
www.beepworld.de/members79/amliebstenheiter/liebe.htm

Schön kann jede Frau sein
Was die Natur nicht schenkt,
ergänzen Charme und Anmut
www.beepworld.de/members79/amliebstenheiter/schoenheit.htm

Treu bis in den Tod?
Über eine Tugend,
die noch nicht ausgestorben ist
www.beepworld.de/members79/amliebstenheiter/treue.htm

Wer einmal lügt ... Von der Schwierigkeit,
immer die Wahrheit zu sagen
www.beepworld.de/members79/amliebstenheiter/luege.htm

Des einen Last,
des anderen Lust
Was bedeutet die Arbeit
für den Menschen?
www.beepworld.de/members79/amliebstenheiter/arbeit.htm

Wenn die Blätter fallen,
wächst die Einsamkeit
Gedanken über eine Zeiterscheinung,
die viele Menschen heimsucht
www.beepworld.de/members79/amliebstenheiter/einsamkeit.htm

Mit leichtem Herzen
frei von Last
Alle wollen es –
doch was ist „Glück“ wirklich?
www.beepworld.de/members79/amliebstenheiter/glueck.htm

Willst du dein Herz
mir schenken?
Präsente vermögen
unendlich viel auszudrücken
www.beepworld.de/members79/amliebstenheiter/geschenke.htm

Kein Tag
wie jeder andere
Plädoyer für die Erhaltung
der Sonntagskultur
www.beepworld.de/members79/amliebstenheiter/sonntag.htm

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Karl Heinz Hock

Karl Heinz Hock wurde am 13. Dezember 1930 in Rüdesheim am Rhein geboren. Seine journalistische Laufbahn begann im Rheingau. Von 1963 bis 1980 leitete er das Büro der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Mainz, war landespolitischer Korrespondent für Rheinland-Pfalz und fungierte vier Jahre lang als Sprecher der Landespressekonferenz. Zwischen 1980 und 1986 arbeitete er als stellvertretender Chefredakteur der Allgemeinen Zeitung, Mainz. Danach wirkte er bis Mitte 1997 als Chefredakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Bonn. Während dieser Zeit hatte er den Vorsitz des von Nachrichtenagenturen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Belgien getragenen „Centrum informationis catholicum“ in Rom inne. Heute arbeitet er als freier Journalist. Karl Heinz Hock erhielt unter anderem das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und das vom Papst verliehene Komturkreuz des Gregoriusordens.

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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler