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Barbara Cartland: Die "Königin der Romanzen"
Kategorie: Bücher
Veröffentlicht von: Ernst Probst


Als erfolgreichste Autorin von Liebesgeschichten und „Königin der Romanzen“ durfte sich die britische Schriftstellerin Barbara Cartland (1901–2000) rühmen. Innerhalb von mehr als 70 Jahren schrieb sie 732 Bücher, meistens Liebesromane, die eine Gesamtauflage von rund einer Milliarde Exemplaren erreichten und in 36 Sprachen übersetzt wurden. Damit war sie unbestreitbar die Schriftstellerin mit der größten Lesergemeinde der Welt.

Barbara Cartland wurde am 9. Juli 1901 in Edgbaston (Birmingham) geboren. Mit dem Schreiben fing sie 1923 an, als ihre begüterte Familie durch den frühen Soldatentod des Vaters verarmte. Tiefe Einblicke in das Leben der Lords und Ladies gewann sie als Klatschkolumnistin für die Londoner Zeitung „Daily Express“.

1927 heiratete Barbara Cartland ihren ersten Mann Alexander George McCorquodale (gest. 1964), der sich später als heimlicher Alkoholiker entpuppte. Aus der Ehe mit ihm ging 1929 die Tochter Raine hervor, die 1976 die zweite Frau von Edward John Earl Spencer (1924–1992) wurde. Letzterer war der Vater von Lady Diana (1961–1997), der „Königin der Herzen“.

Die erste Ehe von Barbara Cartland wurde 1933 geschieden. Dem sehr durstigen Alexander McCorquodale folgte 1936 dessen weniger trinkfreudiger Cousin Hugh McCorquodale (1898–1964) als zweiter Ehemann nach. Es war der zweite von insgesamt 56 Heiratsanträgen, die Barbara Cartland annahm. Die glückliche Ehe mit Hugh McCorquodale währte 27 Jahre bis zu dessen Tod.

Die Romane von Barbara Cartland sind alle nach demselben Muster gestrickt: Es geht stets um lammfromme und unschuldige Mädchen, die meistens erst nach 150 Seiten ihren Traumprinzen, sei es ein Herzog oder Graf, in die Arme schließen. Die Geschichten spielen häufig in vergangenen Jahrhunderten, die männlichen Hauptfiguren gehören überwiegend dem Adelstand an, und die weiblichen sind immer Jungfrauen, die bis zur Hochzeit keusch bleiben.

Nach Ansicht von Barbara Cartland sollten Frauen unschuldig in die Ehe gehen. Dies sei eine Garantie für eine glückliche Ehe. Junge Mädchen gäben sich heute zu billig her, kritisierte sie. In vielen Fällen verkauften sie sich für den Preis einer Kinokarte. Frauen wollten keinen Sex, sie wollten Liebe, meint sie.

„Ich gebe den Frauen das, was sie am sehnlichsten im Leben suchen: Liebe, Schönheit und Romantik“, erklärte Barbara Cartland und fügte hinzu, das seien rare Güter in einer Welt voll täglichem Horror, Krieg, Gewalt und Pornographie. Sie glaubte, ihre Liebesromane verkauften sich auch deshalb so gut, weil die täglichen Fernsehnachrichten so furchtbar seien.

Für Feministinnen war Barbara Cartland ein rotes Tuch, weil sie mühsam erreichte Freiheiten und Rechte der Frauen kampflos aufgeben und die Uhren der Frauenbewegung zurückdrehen wollte. Der Erfolg der Autorin bei ihrer ausschließlich weiblichen Leserschaft sagte jedoch mehr über deren unterschwellige Bedürfnisse aus als zahllose psychologische und soziologische Untersuchungen.

Als Lady Diana 1981 den britischen Thronfolger Prinz Charles heiratete, wurde Barbara Cartland deren Stiefgroßmutter. Der anfängliche Erfolg von „Lady Di“ bestätigte nach Ansicht der Bestsellerautorin die Richtigkeit ihrer Vorstellungen: „Diana ist genau das, über was ich immer geschrieben habe: Die weiche, süße, unschuldige und feminine Frau, die durch ihre Güte und Reinheit das Glück erfährt“. Das Glück der Prinzessin währte jedoch nicht lange.

Noch als 85-Jährige arbeitete Barbara Cartland täglich mehr als sechs Stunden. Während dieser Zeit diktierte sie auf dem Sofa ihrer Bibliothek wie in Trance zwischen 6000 bis 8000 Worte, was einem Kapitel entspricht. Der Text wurde jeweils von einer ihrer vier Sekretärinnen umgehend abgetippt. Als 90-Jährige diktierte sie noch jeden Tag zwei Stunden lang und beschäftigte zwei Sekretärinnen.

Nach eigener Aussage war Barbara Cartland seit 20 Jahren die einzige Person auf der Welt, die alle 14 Tage einen Roman fertigstellte. Die Titelbilder für ihre Bücher malte sie selbst. Ihr letzter Roman heißt „Three Days to Love“ (1996). Auf Büchern von Barbara Cartland basieren die Fernsehfilme „A Hazard of Hearts“, „The Lady and the Highwayman“, „The Ghost of Monte Carlo“, „The Flame is Love“ und „A Duel of Hearts“.

Außer als Schriftstellerin betätigte sich Barbara Cartland auch als Lebenshelferin: Jährlich beantwortete sie mehr als 10000 Briefe eigenhändig. Dies sei sehr wichtig, betonte sie, weil die Leute heute keinen Hausarzt oder Gemeindepfarrer mehr hätten, dem sie sich in Notlagen anvertrauen könnten.

Barbara Cartlands äußerliche Erscheinung erinnerte weniger an England als vielmehr an Hollywood. Selbst im hohen Alter ließ sie noch ihre Haare platinblond färben, trug falsche Augenwimpern, wendete täglich eine Stunde für ihr Make-up auf und kleidete sich vorzugsweise in Rosa und Türkis.

Rosa war die bevorzugte Farbe der Dekorationen des 20-Zimmer-Landsitzes Camfield etwa 30 Kilometer nördlich von London, wo Barbara Cartland ihre Besucher empfing. Dort zeigte sie sich selten ohne ihren weißen Pekinesen, der als der einzige lebende Hund gilt, der zusammen mit seiner Herrin im Londoner Wachsfigurenkabinett von Madame Tussaud (1761-1850) ausgestellt ist. Noch als 95-jährige schwärmte Barbara Cartland davon, dass ihr Körper keine einzige Falte habe und sie sich deswegen am liebsten nackt fotografieren ließe.

„Englands Königin des Trivialromans“, die man auch "Botschafterin der Liebe" nannte, starb am Sonntag, 21. Mai 2000, im Alter von 98 Jahren nach kurzer Krankheit im Schlaf. Ihr Sohn Ian McCorquodale sagte: „Sie hatte eine wundervolles Leben“. Um Barbara Cartland trauerten zwei Söhne und eine Tochter.

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler