Ulrike Nasse-Meyfarth: Das Wunderkind des HochsprungsKategorie: Sport Veröffentlicht von: Ernst Probst
Leseprobe aus dem Taschenbuch "Superfrauen 12 - Sport" von Ernst Probst:
Als „Königin der Leichtathletik“ und eine der populärsten Sportlerinnen Deutschlands aller Zeiten gilt Ulrike Nasse-Meyfarth, geborene Meyfarth. Keine andere Leichtathletin schaffte jemals das, was diese Sportlerin zuwege brachte: Sie erkämpfte als 16-jähriges Mädchen bei der „Olympiade 1972“ in München im Hochsprung eine Goldmedaille und holte – zwölf Jahre später – als 28-jährige Frau bei der „Olympiade 1984“ in Los Angeles (Kalifornien) das zweite Gold.
Ulrike Meyfarth erblickte am 4. Mai 1956 als Tochter eines Maschinenbauingenieurs in Frankfurt am Main das Licht der Welt. Bereits als kleines Mädchen war sie ungewöhnlich groß, deswegen besonders schüchtern und wurde oft von anderen Kindern als „langer Lulatsch“ gehänselt. Nach eigener Aussage war sie nicht besonders gut in der Schule und wäre ohne den Sport nicht ausgefüllt gewesen.
Ulrike Meyfarth wandte sich als Zwölfjährige beim „TV Wesseling“, später umbenannt in „LG Rhein-Ville“, der Leichtathletik zu. Als erster förderte Trainer Günter Janietz ihr Talent im Hochsprung. Ulrike lernte den gerade entwickelten „Fosbury-Flop“, übersprang bereits als 14-Jährige die Höhe von 1,68 Meter und übertraf damit den deutschen Schülerinnenrekord. Mit 15 Jahren wurde sie deutsche Vizemeisterin und qualifizierte sich für die „Europameisterschaften 1971“ in Helsinki, bei denen sie jedoch die Qualifikation nicht überstand.
1972 erreichte Ulrike Meyfarth bei der „Deutschen Meisterschaft“ den dritten Platz und sicherte sich dadurch eine Fahrkarte zur „Olympiade 1972“ in München. Am 5. September 1972 sprang die Schülerin mit 1,92 Metern höher als alle ihre Konkurrentinnen, wurde damit erste deutsche Olympiasiegerin im Hochsprung und stellte zugleich den von der Österreicherin Ilona Gusenbauer gehaltenen Weltrekord ein. Dieser frühe sensationelle Erfolg mit all seinen Begleiterscheinungen in der Öffentlichkeit hat ihre sportliche Karriere eher belastet als beflügelt.
1973 wurde Ulrike Meyfarth „Deutsche Meisterin“ und Zweite der Junioren-Europameisterschaften. 1975 ist sie erneut „Deutsche Meisterin“ geworden und – wie 1972 – über 1,92 Meter gesprungen.
Mit einem Notendurchschnitt von 3,2 bestand Ulrike Meyfarth 1975 ihr Abitur und scheiterte damit am „Numerus clausus“ für das Studienfach Sport, was zu großen Diskussionen in den Medien führte. 1976 konnte sie – mangels Andrang – doch noch das Studium aufnehmen. Überraschenderweise schied sie in der Qualifikation für die „Olympischen Spiele 1976“ aus und wurde 1977 nicht mehr von der „Deutschen Sporthilfe“ gefördert.
Nach vierjähriger Mitgliedschaft beim „ASV Köln“ wechselte Ulrike Meyfarth Ende 1977 nach Leverkusen. Dort bereitete sie sich unter dem Trainer Gerd Osenberg neu auf den Hochsprung vor. Bereits im Sommer 1978 hatte sie wieder Weltklasseformat: Sie erreichte in der Europameisterschaft Platz 5 und stellte mit 1,95 Metern einen neuen deutschen Rekord auf.
Ab 1979 wurde Ulrike Meyfarth fünf Mal in Folge „Deutsche Meisterin“. 1981 gewann sie mit der deutschen Mannschaft den Europacup und Weltcup. 1981 schrieb sie auch ihre Diplom-Arbeit „Motivation des jugendlichen Leistungssportlers in der Leichtathletik“.
Im Juli 1982 gelang Ulrike Meyfarth in München der erste Sprung über 2,00 Meter. Im September 1982 verbesserte sie bei den Europameisterschaften in Athen den Weltrekord auf 2,02 Meter, womit sie neue Titelträgerin wurde. In jenem Jahr wurde sie auch erstmals „Hallen-Europameisterin“. Bei der Weltmeisterschaft 1983 in Helsinki verlor sie gegen die Sowjetrussin Tamara Bykowa und wurde Vize-Weltmeisterin. Bald danach gelang ihr beim Europacup in London mit 2,03 Metern erneut ein Weltrekordsprung.
1984 wurde Ulrike Meyfarth einerseits zum zweiten Mal „Hallen-Europameisterin“, verlor aber andererseits die „Deutsche Meisterschaft“ gegen die junge Heike Redetzky (später Heike Henkel). Vor den „Olympischen Spielen 1984“ in Los Angeles stand fest, dass dies die letzte Leichtathletik-Saison von Ulrike sein würde, denn sie laborierte an einer Verletzung der Achillessehne. Der Lohn für alle Mühen war ein Sprung über 2,02 Meter und ihre zweite olympische Goldmedaille.
Das „Wunderkind des Hochsprungs“ wurde 1981, 1982, 1983 und 1984 „Sportlerin des Jahres“ in Deutschland. 1972 war sie die jüngste Goldmedaillengewinnerin in der Leichtathletik und 1984 die älteste in der Hochsprungdisziplin.
Nach ihrem Rücktritt von der Leichtathletik im Jahr 1984, in dem sie auch ihr Studium als Diplom-Sportlehrerin abschloss, war Ulrike Meyfarth noch vielfach mit Fernsehauftritten, Werbe- und Promotionsaktivitäten, insbesondere für die deutsche Sportartikelfirma „adidas“ und einen Strumpfhosenproduzenten, Autogrammstunden und Good-Will-Aktionen beschäftigt.
Ab Beginn des Jahres 1986 erhielt Ulrike eine Anstellung bei der „Bayer AG“. Dort baute sie das „Gesundheitsberatungszentrum“ der „Bayer-Betriebskrankenkasse“ (BBK) mit auf und war bis Mitte 1997 in der Gesundheitsprävention tätig. Zusammen mit dem Journalisten Uwe Prieser schrieb sie das 1984 im „Econ-Verlag“ erschienene Buch „Nicht nur die Höhe verändert sich“. In Zusammenarbeit mit dem „Deutschen Leichtathletik-Verband“ veröffentlichte Ulrike Meyfarth 1986 im „Copress-Verlag“ das Werk „Auf die Plätze! Fertig! Los!!!“, in dem sie Kindern die Leichtathletik erklärt.
Ausgerechnet an einem Freitag, dem 13., heiratete Ulrike Meyfarth im Februar 1987 den Kölner Rechtsanwalt Roland Frank Nasse. Der Polterabend im „Alten Wartesaal“ des Kölner Hauptbahnhofs mit über 500 Gästen wurde von mehreren Unternehmen gesponsert. Die Sponsoren ermöglichten es zusammen mit dem Hochzeitspaar, das sich nicht beschenken lassen wollte, dass einem Familienzentrum für krebskranke Kinder in Gießen mehr als 30000 Mark gespendet werden konnten. Aus der Ehe gingen 1988 die Tochter Alexandria und 1993 die Tochter Antonia hervor.
1996 erschien die Broschüre „Tinas Tag“, herausgegeben von der „BBK Bayer AG“, in der Ulrike Nasse-Meyfarth – wie sie seit ihrer Eheschließung heißt – mit eigenen Texten und Illustrationen einfühlsam den Alltag eines Kindergartenkindes schildert.
Seit 1986 ist Ulrike Meyfarth Schirmherrin der Prominenten-Radfahr-Veranstaltungen „Tour Peiper“ bzw. „Tour der Hoffnung“, die alljährlich etwa 500000 Mark für krebskranke Kinder sammelt.
Ab November 1997 arbeitete Ulrike Nasse-Meyfarth, inzwischen Trägerin des „Silbernen Lorbeerblattes“ und des „Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen“, als Trainerin des „TSV Bayer 04“. Seitdem betreut sie zusammen mit ihrem Erfolgscoach Gerd Osenberg viele Spitzensportlerinnen und -sportler vor allem in der Hochsprungdisziplin.
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Veröffentlicht von: Ernst Probst Web: http://www.antiquitaeten-shop.net Kontakt: e-Mail
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| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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