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Selige Theodelinde: Die „Friedensfürstin“ der Langobarden
Kategorie: Kultur
Veröffentlicht von: Ernst Probst


Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Einen Ehrenplatz in der Geschichte der Langobarden nimmt die selige Theodelinde (um 570/575–627), auch Theudelinde oder Dietlinde („die Volksfreundin“) genannt, ein. Ihrem Einfluss sind der Friedensschluss zwischen den arianischen Langobarden und der römisch-katholischen Kirche sowie der Übertritt des langobardischen Volkes zum katholischen Glauben zu verdanken. Theodelinde galt im langobardischen Reich als „Friedensfürstin“.

Theodelinde kam um 570/575 als Tochter des bayerischen Herzogs Garibald I. (554–um 593/594) und dessen Frau Waltrada (Walderada), einer Tochter des langobardischen Königs Wacho (gest. um 540), zur Welt. Nach der gescheiterten geplanten Heirat mit dem fränkischen König Childebert II. (gest. 596) verlobte sich Theodelinde 588 mit dem langobardischen König Authari (gest. 590).

Authari soll persönlich als Brautwerber an den bayerischen Hof gekommen sein. Laut Legende ließ sich Authari von Theodelinde einen Becher mit Wein reichen, berührte bei der Rückgabe des geleerten Bechers ihre Hand mit einem Finger und strich ihr mit seiner Rechten von der Stirn über Nase und Wangen. Als Theodelinde dies aufgeregt ihrer Hofdame berichtete, vermutete diese, der Mann müsse selbst König und Bräutigam sein.

Nach ihrer Flucht vor den Franken heiratete Theodelinde am 15. Mai 589 König Authari in Verona. Ihr mit nach Italien geflohener Bruder Gundoald (gest. 616) wurde von seinem Schwager zum Herzog von Asti erhoben. Der plötzliche und unerwartete Tod von Authari im September 590 ließ Gerüchte aufkommen, er sei vergiftet worden.

Die Witwe suchte einen zweiten Gemahl und lud deshalb ihren Schwager Agilulf (gest. 615/616), den Herzog von Turin, ein. Als er ihre Hand küssen wollte, erklärte sie dem Ahnungslosen: „Der meinen Mund küssen darf, braucht die Hand nicht zu küssen“. Man feierte noch 590 Hochzeit.

Agilulf wurde im Mai 591 in Turin zum König gewählt. Seine eiserne Langobardenkrone war ein Geschenk Theodelindes. Angeblich hatte man ihr schon bei der ersten Hochzeit prophezeit, dass sie einmal Agilulfs Gattin würde.

Dank der Fürsprache der katholischen Theodelinde konnten die Spannungen zwischen Arianern und Katholiken entschärft werden. Theodelinde bewog ihren Ehemann Agilulf, den Katholizismus zu tolerieren und vermittelte zwischen ihm und den verbannten Bischöfen, worauf diese zurückkehren konnten und ihre Kirchengüter zurückerhielten.

Theodelinde pflegte mit Papst Gregor I. dem Großen (um 540–604) enge Kontakte. Auf ihr Betreiben schloss Agilulf, der selbst nie zum katholischen Glauben übertrat, 599 mit dem Papst den Frieden. Gregor I. der Große widmete der verdienstvollen Herrscherin vier Bücher und beschenkte sie reich.

Aus der Ehe zwischen Theodelinde und Agilulf gingen der Sohn Adaloald (geb. 602), auch Adalwald genannt, und die Tochter Gundberga hervor. Adaloald wurde als Zweijähriger zum König der Langobarden ausgerufen, mit vier Jahren in Mailand als Mitkönig inthronisiert und mit einer Tochter des fränkischen Königs Theudebert II. (586–612) verlobt.

Nach dem Tod Agilulfs 616 regierte seine Witwe als Regentin bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes Adaloald, der nach seiner Taufe als erster katholischer König der Langobarden herrschte. 616/617 gelang Theodelinde der Friedensschluss mit dem fränkischen König Chlothar II. (584–629). Sie entwickelte sich immer mehr zur „Friedens-fürstin“ der Langobarden und verhandelte auch erfolgreich mit Römern und Byzanthinern.

Die fromme Königin starb am 22. Januar 627 in Modena. Ihr Sarkophag befindet sich heute in der Theodelindenkapelle des Doms von Monza, dessen Bau ihr zu verdanken ist. Die Kapelle ist mit Fresken der Künstlerfamilie Zavattari aus dem 15. Jahrhundert geschmückt, die Szenen aus dem Leben der seligen Langobardenkönigin zeigen. Für den heiligen Kolumban (um 542–615) hatte Theodelinde das Kloster Bobbio in Oberitalien gestiftet. Ihr Gedenktag wird am 22. Januar begangen.

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler