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Bisexuelle Liebe und der Terrorimus
Kategorie: Rezensionen
Veröffentlicht von: juerg kilchherr


In Deutschland gibt es nach Schätzungen zwei Millionen Bisexuelle. Doppelte Sehnsucht, doppelte Scham, doppelte Lust und doch ein Problem, die Angst aus dem sozialen Gefüge herauszufallen. Mit dem Roman "Ménage à trois" wagt sich der Schweizer Schriftsteller Juerg Kilchherr zum ersten Mal ein Schweizer Literat an eine Lebensform der besonderen Art in seinem Roman 'Ménage à trois'. Dabei bindet er die körperlichen Sehnsüchte in die politischen Geschehnisse der letzten zwei Jahre ein.


Zu einem erotischen Abenteuer verführt der Berner Autor Juerg Kilchherr in seinem ersten Roman 'Ménage à trois'(Verlag Books on demand). Der Buchtitel lässt keine Missverständnisse zu: Der Schweizer Kunstmaler Gustav aus dem Mont Vully am Murtensee, der Stierkämpfer Juan und die Politjournalistin Antonia geniessen zusammen die Liebe und das Leben. Auf ihrer Reise durch Spanien, der Schweiz, Sizilien und Sri Lanka prallt die Leidenschaft immer wieder an die Grenze der gesellschaftlichen Vorstellung von einer Zweierbeziehung auf ihrem 'Way of love'.

Vor dem Hintergrund des aufkeimenden Terrorismus in Spanien (durch Al Kaida) beschleunigt sich die ohnehin dichte Romanhandlung. Politik und Erotik erfahren eine bemerkenswerte Themenzusammenführung, die zweifacher Spiegel ist: sie reflektiert das junge politische 21.Jahrhundert und wirft die Frage auf nach dergeschlechtlichen Identität. Juan sinniert über sein Rollenverständnis als bisexueller Mann, AntoniasLebensentwurf sieht weder Kinder noch eine verpflichtende Beziehung vor, nur Karriere. Die Krise des Paares nutzt Gustav zu seinen Gunsten aus.

Juerg Kilchherr nimmt in seinem erotisch-politischen Roman den üblichen Geschlechts-spezifischen Verhaltensmustern die Maske ab, zeigt intime Männerfreundschaft und deren Verletzlichkeit. Es ist ein voyeuristischer Blick, der weiblichen wie männlichen Lesern gleichermassen Vergnügen bereitet. In detailfreudiger Sprache hält der Autor, was die Kapitelüberschriften ankündigen - seien es 'Die erste Versuchung', die Leidenschaft oder 'Die Liebe zu dritt.'.

Ménage à trois erscheint in dreifacher Variante:
Roman Books on demand Norderstedt 2005 ISBN 3-8334-3470-8 Euro 12.90.
Hörbuch Bärenklau Verlag Berlin ISBN 3 - 931 164 - 07- 1 Euro 7.00
E-Book unter www.juergkilchherr.ch


Lesetext:
Die erogenen Zonen
Erogene Zonen sind geheime Stellen.
Der Schlüssel zum Geheimen lag für Juan auf Antonias und Gustavs Haut. Sein Dasein, Lieben, Leiden war von drei Körpern durchdrungen. Dem eigenen und der Sehnsucht nach einer Frau und einem Mann. Vorbei waren die Zeiten, in denen er in ständiger Furcht vor sich selbst, seine sexuellen Bedürfnisse verleugnete. Nun waren das Begehren und die Begierde zu dritt sein eigen.
Von ihren beiden Körpern nahm er sich, was er wollte, egal wann und wo. Abend für Abend verwandelte er sein Haus mit seiner Vorstellung von Liebe, gab sich dem Gespür für Besonderheiten hin. Endlich hatte er einen Weg gefunden, um diese Art von Liebe und seine Doppelnatur auszuleben. Vorbei war der Sittendruck seiner ländlichen Wohngegend. Das war nicht immer so gewesen.

Lange war da nichts Offensichtliches, schien es für Juans Verlobte Antonia keine Anzeichen von der Doppelnatur ihres Mannes zu geben bis ein Fremder namens Gustav in ihr beider Leben trat. Sein Eros forderte das Paar auf, ein neues Feld zu betreten, das weit über das Alltägliche hinausging. Schnell wurde das Paar von der geheimen Grösse der Sünde berührt, Tore geöffnet, der Begierde eine leidenschaftliche Grenzenlosigkeit zugeführt, die bald jeder der drei mit dem anderen auslebte.

Es war letzten Herbst gewesen, schon gegen Mitternacht, als Antonia von einer Reportage über radikale
Islamisten in Tanger aus Marroko zurückkehrte, da stand im Flur ein Tramperrucksack mit einer Jakobsmuschel.
Ein zweiter Mann war eingezogen und brachte alles durcheinander.
Bei Kerzenschein und Gaszpacho auf dem Balkon erzählte ihr Juan die lückenhafte Version von seiner ersten Begegnung mit Gustav auf der Festung in Granada. Ausserhalb der Alhambra, ein maurisches Bauwerk, selbstverständlich zu ihr gehörend, wie ein für die Ewigkeit bestimmtes Liebespaar, die arabischen Rosengärten el Generalife. Daher führte ein dunkler Gang zum Aussichtsturm, den Juan oft abends durchschritt, um im Anblick der Las Ventas, Plaza de Toros, dem im Fluss Rio Darro sich spiegelndem Lichtermeer Granadas innezuhalten.

An diesem Ort schien es ihm aber auch selbstverständlich, dass irgendein Mann auf ihn wartete. Mit dem Rücken an einen Orangenbaum gelehnt, fing ein Unbekannter mit einem Bleistift und Block die Szene in den Gassen des Albaicinviertels ein. Er sah zu Juan herüber, grüsste. Neben ihm ein Wasserspeier. Mit der hohlen Hand schöpfte er ein wenig Wasser, spülte den Mund, warf es ins erhitzte Gesicht. Kaum zwei Schritte von Juan entfernt, sagte er in Spanisch mit Akzent: ' me gusto de sus corridas durante la Fiesta Corpus Christi.'
'Gracias' und Juan hatte nicht vor mehr zu sagen, drehte sich zu ihm um, sah ihm das erste Mal direkt ins Gesicht. Tropfendes blondes Haar, blaue Augen, makellose Gesichtszüge. Ein Bild vollkommener Schönheit und Reinheit verstörte Juan, weil er seine Jugend verloren hatte und sich nun von ihr bedrängen liess.

Der Fremde holte ein Päckchen Hanf aus seiner Jeansjacke, öffnete es, bot Juan ein Schächtelchen mit Zigarettenpapier an. Juan, der noch nie geraucht hatte, nahm ein Blatt Papier, streute etwas Hanf darauf, versuchte sich den ersten Joint seines Lebens zu drehen. Es misslang. Der Fremde lachte. Ein helles, jungenhaftes Lachen, es klang wie eine Befreiung. Er machte einen Schritt auf Juan zu:
'Nehmen Sie meinen Joint!'
Juan spürte die erwartungsvolle Hitze seines jungen Körpers, den Geruch von Hanf. Er berührte, als er nach dem Joint griff, mit den Fingerspitzen seine kühle Hand unter der Haut der Wärme war. Der Fremde stahl ihm ein Gefühl der inneren Sicherheit. Zwar wusste Juan, dass Matadoren wie er Objekte der Begierde auch von anderen Männern waren, doch nur in der Arena. Hier befand er sich auf dem offenen Feld der Lust, die der aufkeimenden Phantasie keine Zügel verlieh. Kurz zitterte er, ehe er sich im Fragen nach Allgemeinem wieder fing, erfuhr, dass der Fremde Schweizer war. Nach dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela nun Andalusien bereiste und in einer schrecklichen Lage steckte.

Antonia war überrascht über die Grosszügigkeit ihres Mannes, einem Fremden, der der hohen Kriminalitätsrate Andalusiens zu Opfer gefallen, bestohlen worden war, Obdach zu gewähren. Ihr Bauchgefühl misstraute der ganzen Sache. Doch sie sagte nichts, liess ihren Verlobten erzählen.
'Er ist nett, kreativ, gesprächig. Du wirst ihn morgen beim Frühstück sehen. Jetzt schläft er wie die letzten zehn Tage im Gästezimmer. Übrigens, er sieht wie dieser blonde, amerikanische Schauspieler aus, du weist schon.'

Für einen Moment verzog Juan seine Lippen.
Weitere Informationen und Lesetexte finden Sie unter www.juergkilchherr.ch



Kontakt-Person:
juerg kilchherr
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Telefon: 0041796669342
E-Mail: e-Mail

Web: http://www.juergkilchherr.ch

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Kontakt: e-Mail


Über den Autor:
Juerg Kilchherr lebt in Laupen in der Schweiz. Er ist Verfasser zweier Kurzgeschichtenbücher: „Mann und Sein“, „Die Poesie der Menschen“, eines Hörbuches „Liebe macht Sinn“ und mehrerer Anthologien. Er arbeitet auch als Maler, Sänger und Veranstalter. „Ménage à trois“ ist sein erster Roman. Er befasst sich wie alle anderen Arbeiten mit der Auseinandersetzung von Mann und Frau mit der Liebe, der Erotik, der Selbstfindung und aktuellen Zeitgeschehnissen. Der Roman ist ein Porträt junger Menschen zwischen Moderne und Vergangenheit. Kontakt zum Autor www.juergkilchherr.ch