Melina Mercouri: Der Star aus „Sonntags nie“Kategorie: Kultur Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Eine der berühmtesten griechischen Schauspielerinnen und Chansonsängerinnen war Melina Mercouri (1920–1994), eigentlich Maria Amalia Mersuris. Wenn ihr Name fällt, denkt man vor allem an ihren Film „Sonntags nie“ und an ihr Lied „Ich bin ein Mädchen von „Piräus“ von 1959. Von 1967 bis 1974 bekämpfte Melina Mercouri (nach anderer Schreibweise auch „Merkuri“) sieben Jahre lang die Militärdiktatur in Griechenland. In den 1980-er und 1990-er Jahren bekleidete die „Jeanne d’Arc Griechenlands“ das Amt der Kulturministerin.
Maria Amalia Mersuris kam am 18. Oktober 1920 in der griechischen Hauptstadt Athen zur Welt. Sie stammte aus einer angesehenen Athener Familie. Ihr im Londoner Exil gestorbener Großvater, der Arzt Spiros Mercouri (1854–1939), hatte 30 Jahre lang als Bürgermeister von Athen fungiert, und ihr Vater Stammatis Mercouri (1898–1967) war Abgeordneter im Parlament und kurze Zeit griechischer Innenminister gewesen.
Nach der Trennung ihrer Eltern lebte Melina bei ihrem Großvater, der ihren Wunsch, Schauspielerin zu werden, ablehnte. Sie machte das Abitur am deutschen Gymnasium, meldete sich mit 16 Jahren heimlich zur Aufnahmeprüfung für die Schauspielschule des Nationaltheaters in Athen und bestand diese mit Bravour. 1939 heiratete sie den reichen griechischen Geschäftsmann Pan Characopos (nach anderer Schreibweise „Panayitis Harakoipos“).
Nach bestandenem Examen an der Schauspielschule debütierte Melina 1944 in Athen in einem avantgardistischen Stück von Alexis Solomos. In der Kritik darüber hieß es, sie sei zu groß, zu jung, zu blond, ungeschickt, talentlos. Es folgten kurze Auftritte in der Provinz und ihr erstes Engagement am „Griechischen Nationaltheater“ in Athen. Nach der Scheidung von ihrem ersten Ehemann Characopos ging sie 1949 nach Paris und kehrte dann nach Griechenland zurück.
In dem Film „Stella“ (1955) von Michael Cacoyannis gab Melina Mercouri ihr Leinwanddebüt. Ein Jahr später – 1956 – sah man sie in dem Streifen „Der Mann, der sterben muss“. 1957 zog sie erneut nach Paris, wo sie unter dem amerikanischen Regisseur Jules Dassin arbeitete. Damals erklärte sie in einem Interview, sie liebe die Kamera und sei süchtig nach ihr, aber wenn sie nicht Schauspielerin wäre, würde sie gerne Politikerin sein.
Weltberühmt wurde Melina Mercouri durch den Film „Never on Sunday“ („Sonntags nie“, 1959), in dem sie als herbschönes Hafenmädchen Ilya mit heiserer Stimme das Lied „Ich bin ein Mädchen aus Piräus“ sang. Damit wurde sie für den „Oscar“ 1960 nominiert. Ab 1960 lebte sie mit Jules Dassin zusammen.
„Es war mein schönster Film“, sagte Melina Mercouri später über „Sonntags nie“. Dieser Streifen änderte auch ein wenig ihr Leben: Seitdem trug sie eine Uhr, zählte die Zigaretten, die sie pro Tag rauchte und hielt ihre Verabredungen pünktlich ein. Neben Peter Ustinov sah man sie in der Komödie „Topkapi“ (1964) auf der Leinwand. 1966 schloss sie mit Jules Dassin ihre zweite Ehe.
Als Melina Mercouri die Nachricht vom Militärputsch der Obristen in Griechenland am 21. April 1967 hörte, spielte sie gerade in dem Musical „Illya Darling“ am Broadway in New York. Auf Konzertreisen in Europa, bei denen sie auch Lieder des griechischen Komponisten Mikis Theodorakis sang, als Schauspielerin in Hollywood oder auf Kundgebungen in London und in Italien kritisierte sie in flammenden Reden das Athener Folterregime, forderte zu dessen wirtschaftlichem Boykott auf und sammelte Geld für die Widerstandsbewegung.
Der Kampf gegen die griechischen Obristen war für Melina Mercouri nicht ungefährlich. 1967 entzog ihr die Militärjunta die griechische Staatsbürgerschaft und konfiszierte ihren Besitz. Fortan lebte sie mit einem Schweizer Pass als Emigrantin in Paris. 1969 wäre sie in der italienischen Hafenstadt Genua beinahe von einer Bombe, die unter ihrem Rednerpult lag, zerfetzt worden. Danach stellte man sie unter Polizeischutz. 1971 erschien in London ihre Autobiographie „I Was Born Greek“ („Ich bin als Griechin geboren“). 1972 reiste sie – allen Widerständen trotzend – nach Griechenland, um dem Begräbnis ihrer Mutter Irene Eliopoulos beizuwohnen.
48 Stunden nach dem Zusammenbruch der Militärdiktatur im Juli 1974 kehrte Melina Mercouri nach Athen zurück. Dort schloss sie sich der von Andreas Papandreou (1919–1996) gegründeten „Panhellenischen Sozialistischen Bewegung“ (PASOK) an. Mutig protestierte sie in ihrem Wahlkreis Piräus, der „problematischsten Kommune Griechenlands“, gegen verpestete Luft, schlechte Schulen, katastrophale hygienische Zustände und grassierende Hepatitis (Leberentzündung). 1974 produzierte sie auch den Film „The Rehearsal“ („Die Probe“) über den Athener Studentenaufstand vom November 1973.
Kämpfen war für Melina Mercouri eine Selbstverständlichkeit. Zum Beispiel stand sie in vorderster Reihe der Protestierenden, die sich jenen Tankwagen entgegenstellten, die Unmengen von Kot und Dreck Athens in den Slum transportierten, um ihn von einem Auffangbecken aus ungeklärt ins Mittelmeer fließen zu lassen. Dabei wurde sie sogar von einem Polizisten geschlagen.
Bei den Parlamentswahlen im November 1974 kandidierte Melina Mercouri erfolglos für das Hafen- und Arbeiterviertel Piräus. Den ersten Anlauf ins Parlament verfehlte sie um nur wenige Stimmen. Erst bei den nächsten Wahlen im November 1977 gelang ihr der Einzug ins Parlament. Dort stellte sie die Kleiderordnung auf den Kopf, als sie im eleganten Hosenanzug in Plenum erschien, und wurde manchmal von ihren Fans auf den Schultern getragen.
Andreas Papandreou berief Melina Mercouri von 1981 bis 1989 sowie von 1993 bis 1994 als Kulturministerin in sein Kabinett. In ihren Anfangsjahren als Ministerin fuhr sie wild hupend mit ihrem betagten rot-gelben Jeep zur Arbeit, später ließ sie sich im dunkelblauen Mercedes chauffieren. Wenn etwas im Ministerium nicht so lief, wie sie wollte, wurde die früher so heiter wirkende Künstlerin gelegentlich zur hysterischen Medea. Sie konnte bei keinem Problem, mit dem man sie konfrontierte, eine passive Haltung einnehmen.
1989 wurde Melina Mercouri, die bereits mit elf Jahren ihre erste Zigarette geraucht hatte und eine starke Raucherin war, erstmals wegen Lungenkrebs operiert. 1990 kandidierte sie für das Amt der Bürgermeisterin in Athen und verlor knapp. Am 6. März 1994 starb sie im Alter von 74 Jahren nach einer Operation im New Yorker „Memorial-Hospital“.
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| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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