Gracie Fields: Der Radiostar der 1920-er JahreKategorie: Kultur Veröffentlicht von: Ernst Probst
Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:
Großbritanniens Radiostar der 1920-er Jahre war die Sängerin, Schauspielerin und Komödiantin Gracie Fields (1898–1979), eigentlich Grace Stansfield. Sie machte mehr als 500 Schallplattenaufnahmen und wirkte in 15 Filmen sowie in elf Aufführungen des „Royal Variety“ mit. Um ihre humorvollen Lieder im Rundfunk hören zu können, vertagte sich einmal sogar das britische Parlament in London. Auf der Leinwand verkörperte Grace häufig lebhafte Heldinnen aus der Arbeitswelt.
Grace Stansfield wurde am 9. Januar 1898 als das älteste von vier Kindern des Ingenieurs Fred Stansfield und seiner Frau Sarah Jane Bamford in Rochdale nördlich von Manchester geboren. Sie besuchte die „Rochdale Parish School“, verließ diese aber bereits mit 13 Jahren, als ihre Mutter versuchte, sie auf die Bühne zu bringen. Ab damals trug sie das Pseudonym „Gracie Fields“. Die künstlerische Karriere begann mit Gesangswettbewerben sowie kurzen Auftritten in Varietés und mit jugendlichen Truppen.
1913 schloss sich die 15-jährige Gracie einer Varieté-Truppe an und begann eine Laufbahn als Sängerin und Komödiantin. Der Schauspieler Archie Pitt (1885–1940), ein Mitglied dieser Truppe, gründete 1916 eine eigene Revue und nahm Gracie acht Jahre lang mit auf Tournee. Pitt beutete ihr vielseitiges Talent aus: Sie tanzte, sang, parodierte, schauspielerte und improvisierte. 1923 heirateten Gracie Fields und Archie Pitt.
1924 gastierte Pitts Varieté-Truppe mit der Revue „Mr. Tower of London“ im West End der britischen Hauptstadt. Dieser erste Auftritt vor Londoner Kritikern heimste viel Beifall ein, und Gracie Fields stieg über Nacht zum Star auf. Bald nannten Millionen sie nur noch „Our Gracie“ („Unsere Gracie“) und wollten sie sehen und hören. 1928 machte sie ihre ersten Tonaufnahmen und entwickelte sich bald zum Radiostar in ihrem Heimatland.
Archie Pitt steuerte Gracies Karriere und führte dank ihrer Einkünfte ein luxuriöses Leben. Mit der Ehe der beiden stand es bald immer schlechter – 1931 kam es zur Scheidung.
Mit dem Film „Sally In Our Alley“ (1931) feierte Gracie Fields ihr Debüt auf der Leinwand. Das Lied „Sally“ galt fortan als ihre Erkennungsmelodie. Danach sah man sie unter anderem in „Sing As We Go“ (1934) und „Queen of Hearths“ (1936). Obwohl ihre frühen Filme schwach waren, strömten die Leute in die Kinos. Erst der Schauspieler und Produzent Monty Banks (1897–1950), eigentlich Mario Bianchi, der „Queen of Hearths“ inszenierte, verbesserte die Qualität ihrer Filme.
1938 heiratete Gracie Fields in zweiter Ehe Monty Banks. Ab diesem Jahr drehte sie auch in Hollywood Filme, wo sie ihr Vertrag zu einem der am besten bezahlten Filmstars der Welt machte. 1939 musste sich Gracie einer Krebsoperation unterziehen. Damals beteten ihre Anhänger für sie in Kirchen, Zeitungen und Rundfunksender berichteten täglich über sie.
Als der aus Italien stammende Monty Banks zu Beginn des Zweiten Weltkrieges (1939–1945) seine Internierung in Großbritannien befürchtete, flüchteten er und Gracie Fields 1940 in die USA. Nach der Abreise, die auf das englische Publikum wie ein Betrug wirkte, nahm Gracies Beliebtheit in ihrer Heimat für viele Jahre merklich ab.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ sich Gracie Fields auf der Insel Capri im Golf von Neapel nieder. Zeitweise kehrte sie nach Großbritannien zurück, um dort Platten aufzunehmen oder Konzerte zu geben. Zwei Jahre nach dem Tod von Monty Banks schloss sie 1952 mit dem aus Bessarabien stammenden Boris Alperovici (1904–1983), der auf Capri lebte, ihre dritte Ehe. Ihre sämtlichen Ehen blieben kinderlos.
Ungeachtet ihrer großen Erfolge blieb Gracie Fields stets natürlich. Sie war religiös, häuslich, ging großzügig mit ihrer Zeit und ihrem Geld um und spendete Tausende von englischen Pfund für wohltätige Zwecke. 1935 finanzierte sie das Waisenhaus „Gracie Fields Orphanage“ in Peacehaven (Sussex).
1979 adelte man Gracie Fields zur Dame („Trägerin des Ordens des British Empire“). Damals kehrte sie nach Großbritannien zurück, um das nach ihr benannte Rochdale-Theater in ihrem Geburtsort zu eröffnen. Bald darauf – am 27. September 1979 – erlag sie im Alter von 81 Jahren auf Capri einer Lungenentzündung. Ihre Autobiographie „Sing As We Go“ erschien ebenfalls 1979. Ihr von Sir James Gunn gemaltes Porträt hängt in der „Rochdale Art Gallery“.
*
Bestellungen von "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" bei:
www.buch-shop-mainz.de
Veröffentlicht von: Ernst Probst Web: http://www.antiquitaeten-shop.net Kontakt: e-Mail
| Über den Autor: |
| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
|