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Marie Tussaud: Die Gründerin des Wachsfigurenkabinetts
Kategorie: Kultur
Veröffentlicht von: Ernst Probst


Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Als berühmteste Wachsbildnerin des 18. und 19. Jahrhunderts gilt Marie Tussaud (1761–1850), geborene Grosholtz. Im Laufe ihres langen Lebens modellierte die aus dem Elsass stammende Künstlerin zahlreiche Abbilder berühmter Persönlichkeiten. Vom Werk der Madame Tussaud zeugen heute noch zahlreiche Objekte des von ihr in London gegründeten Wachsfiguren-Kabinetts.

Marie Grosholtz kam am 7. Dezember 1761 als Tochter des elsässischen Offiziers Joseph Grosholtz und seiner schweizerischen Frau Maria, der Witwe eines Pastors namens Walther, in Strassburg zur Welt. Ihr Vater diente im Stab des Generals Dagobert Siegmund von Wurmser (1724–1797) und fiel bereits vor ihrer Geburt.

Die Mutter zog zusammen mit den Kindern zunächst nach Bern und 1766 zu ihrem unverheirateten Bruder Dr. Philipp Curtius, der als Wachsbossierer und Schausteller in Paris lebte. Der Onkel machte Marie Grosholtz mit der Kunst der Wachsbildnerei vertraut. In seiner Werkstatt lernte sie Madame Elisabeth, die Schwester des französischen Königs Ludwig XVI. (1754–1793) kennen, die Dr. Curtius als Mäzenatin unterstützte.

Als 19-Jährige arbeitete Marie als Lehrerin für Wachsbildnerei bei Madame Elisabeth. Dank ihres Könnens und ihrer Beliebtheit in der königlichen Familie erhielt sie am Hof in Versailles eine eigene Wohnung. Marie modellierte die Köpfe von Angehörigen des Hochadels und von deren Kindern in Wachs.

Nach dem Ausbruch der „Französischen Revolution“ (1789–1799) begannen für Marie Grosholtz schlimme Zeiten. Anfangs musste sie erleben, dass die von ihr geschaffenen Köpfe von Prominenten auf Stangen aufgespießt durch die Straßen getragen und verspottet wurden. Später zwang man sie, die Totenmasken prominenter Opfer der Guillotine anzufertigen. Darunter waren diejenigen von König Ludwig XVI., seiner Frau Marie Antoinette (1755–1793) sowie der Revolutionäre Georges Jacques Danton (1759–1794) und Maximilien de Robespierre (1758–1794).

Ursprünglich mutete man Marie Grosholtz sogar zu, die Totenmasken der Geköpften direkt neben der Guillotine abzunehmen. Doch der mit ihr befreundete Maler Jacques Louis David (1748–1825), der ab 1793 Präsident des Klubs der Jakobiner und ab 1794 Vorsitzender des Konvents war, konnte sie vor dieser blutigen Arbeit bewahren.

David befahl 1793 Marie Grosholtz, das Gesicht des von der Republikanerin Charlotte de Corday d’Armont (1768–1793) in der Badewanne ermordeten Revolutionärs Jean Paul Marat (1743–1793) unmittelbar nach der Bluttat nachzuformen. Er selbst schuf damals das berühmte Gemälde „Der ermordete Marat“, das heute im „Musées Royaux des Beaux-Arts“ in Brüssel aufbewahrt wird.

Die von Marie Grosholtz angefertigten Wachsköpfe der Revolutionsopfer waren für das Revolutionsmuseum bestimmt. Während der Zeit der „Französischen Revolution“ musste sie als begeisterte Royalistin selbst um ihren Kopf fürchten.

1795 heiratete Marie Grosholtz den burgundischen Ingenieur François Tussaud (gest. 1848), der ständig unter Geldnot litt. 1800 trennte sich Marie Tussaud von ihrem Mann. 1801 stellte sie auf Wunsch von Joséphine (1763–1814) eine Maske von deren Mann, des 1. Konsuls und späteren Kaisers Napoléon Bonaparte (1769–1821), her. 1802 zog sie zusammen mit der von ihrem Onkel geerbten Wachsfigurenschau nach London.

In England, Schottland und Irland war Marie Tussaud 27 Jahre lang mit ihrer Wachsfigurenschau auf Reisen. Dort zeigte sie die Figuren von Berühmtheiten mit Wachsköpfen und Kostümen in Gasthäusern, Versammlungsräumen, Rathäusern und Theatern. Am Tag saß sie an der Kasse, in der Nacht schuf sie oft neue Figuren, damit die Schau aktuell wirkte. Mit dabei war immer ihr Sohn Nini, der die Kunst seiner Mutter lernte. 1809 ließ sich Madame Tussaud von ihrem Mann scheiden.

1835 eröffnete die 73-jährige Marie Tussaud in der Baker Street von London ein eigenes Museum. 1842 schuf sie ihr eigenes Abbild als letzte Figur ihres Wachsfiguren-Kabinetts. Danach übergab sie das Museum ihren Söhnen Joseph und Francis und bat beide, nie zu streiten. Fortan verbrachte sie ihren Lebensabend in den Privaträumen des Museums.

Am 16. April 1850 starb Marie Tussaud im Alter von 88 Jahren in der Londoner Baker Street. Ihr Wachsfigurenkabinett („Madame Tussaud’s Exhibition“) ist heute noch eine Attraktion.

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler