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Hypatia: Die erste Mathematikerin
Kategorie: Wissenschaft
Veröffentlicht von: Ernst Probst


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Als früheste bekannte Mathematikerin gilt die Griechin Hypatia (um 370–415), die in Alexandria (Ägypten), einem Zentrum der Wissenschaft der antiken Welt arbeitete. Sie genoss den Ruf, mit ihrem philosophischen Scharfsinn die berühmtesten Männer ihrer Zeit zu übertreffen. Zu ihren Vorlesungen reisten die Hörer von weit her. Ihr werden bedeutende wissenschaftliche Werke und sogar zwei Erfindungen zugeschrieben. Die Mathematikerin wurde von fanatischen Christen ermordet.

Hypatia kam um 370 als Tochter des Mathematikers und Astronomen Theon zur Welt. Ihr Vater leitete vermutlich als Direktor die berühmteste Forschungsstätte der Gelehrten in der Antike, das „Museion“ von Alexandria. Er ließ sie wahrscheinlich im „Museion“ und an der „Neoplatonischen Schule“ von Alexandria ausbilden sowie in Athen und Italien studieren.

Die unverheiratete Hypatia übernahm im Alter von 31 Jahren die Leitung der „Neoplatonischen Schule“ in Alexandria. Sie gab Vorlesungen in vielen Fachgebieten und schrieb mathematische Abhandlungen. Als ihr bedeutendstes Werk gilt der 13-bändige Kommentar zur „Aritmetica“ des Mathematikers Diophantos (um 250), den man als „Vater der Algebra“ bezeichnet. Dabei entwickelte sie alternative Lösungen und formulierte neue Problemstellungen, die jedoch später mit dem Werk von Diophantos Werk verschmolzen wurden.

Der achtbändige Kommentar Hypatias zu den „Kegelschnitten“ des Mathematikers Apollonius von Perge (um 262-190 v. Chr.) enthält auch eine Zusammenstellung astronomischer Übersichtstafeln. Wahrscheinlich verfasste Hypatia für ihren Vater auch den Kommentar zum Werk „Almagest“ des Astronomen, Mathematikers und Geographen Ptolemäus (um 100–um 180), einer Sammlung des gesamten astronomischen und mathematischen Wissens seiner Zeit. Außerdem arbeitete sie an einer revidierten Fassung des Hauptwerkes „Elemente“ („Stoichea“) des griechischen Mathematikers Euklid (um 300 v. Chr.) mit. Zudem befasste sie sich mit Mechanik und angewandter Technologie.

Auch als Erfinderin tat sich Hypatia hervor: Sie entwickelte ein Hydrometer (Senkwaage) und ein Astrolabium. Die Senkwaage zeigte das spezifische Gewicht von Flüssigkeiten an. Es handelt sich um eine versiegelte Röhre, an deren einem Ende ein Gewicht angeschlossen ist. Je nachdem wie tief dieses Rohr in einer Flüssigkeit einsinkt, kann auf einer Skala deren spezifisches Gewicht abgelesen werden.

Mit dem Astrolabium lässt sich der Stand der Sonne, der Sterne und der Tierkreiszeichen bestimmen. Es besteht aus zwei durchbrochenen Metallscheiben, die sich übereinander mit einem abnehmbaren Zapfen bewegen lassen. Damit soll Hypatia auch Aufgaben aus der sphärischen Astronomie gelöst haben.

Zu Lebzeiten Hypatias betrachteten viele Christen das hellenistische Wissenschaftsverständnis für unvereinbar mit dem christlichen Glauben. Außerdem stellte die unverheiratete Hypatia mit ihrem unabhängigen Lebenswandel für sie eine Provokation dar. Trotz ihrer Freundschaft zu verschiedenen Christen blieb Hypatia ihrem Glauben treu und war mit dem römischen Präfekten Orestes, einem erbitterten Gegner des Bischofs Cyrillus (gest. 444), befreundet. Man beschuldigte sie, Orestes gegen Cyrillus aufgehetzt zu haben.

415 wurde Hypatia während der Heimfahrt von christlichem Pöbel aus der Kutsche geholt, zur Kirche geschleppt, ausgezogen und mit Scherben ermordet. Ihre Leiche riss man in Stücke und verbrannte sie.

Hypatia war die letzte herausragende Wissenschaftlerin ihrer Zeit. Antike Philosophie und Wissenschaft wurden vom Christentum verdrängt und erst ein Jahrtausend später in der Renaissance wiederentdeckt. Die Werke Hypatias sind nicht erhalten geblieben oder teilweise anderen Veröffentlichungen einverleibt worden.

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler