Adah Isaacs Menken: Der Showstar im Wilden WestenKategorie: Kultur Veröffentlicht von: Ernst Probst
Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:
Einer der größten Stars in der Showzeit des Wilden Westens war die amerikanische Schauspielerin und Dichterin Adah Isaacs Menken (1835–1868), geborene Dolores Adios Fuertos. Ihr Gastspiel in Virginia City von 1863 geriet zum Höhepunkt der Theatergeschichte des amerikanischen Westens. Durch das Spektakel vergaß man zeitweise sogar den „Amerikanischen Bürgerkrieg“ (1861–1865) und den Goldrausch in Montana, dem Virginia City seine Entstehung verdankte.
Dolores Adios Fuertos wurde am 15. Juni 1835 vermutlich als Tochter des „freien“ Schwarzen Auguste Theodore und einer französischen Kreolin in Chartrain (heute Milneburg), einer Vorstadt von New Orleans (Lousiana), geboren. Anderen Angaben zufolge soll ihr Vater ein Indianer gewesen sein. Als ihr Geburtsort werden auch New York, Havanna und ein halbes Dutzend andere Plätze genannt.
Der Vater starb früh 1837, als Dolores erst zwei Jahre alt war. Danach heiratete ihre mittellose Mutter einen Mann namens Joseph, von dem sie zwei weitere Kinder bekam, bevor er 1853 starb. Im selben Jahr feierten Dolores und ihre Schwester Josephine ihr Debüt als Tänzerinnen im „French Opera House“ in New Orleans. Nach einer erfolgreichen Tour mit ihrer Schwester besuchte Dolores eine Privatschule und lernte Französisch, Deutsch, Spanisch und Hebräisch. 1856 erschien ihr erster Gedichtband „Memories“ unter dem Pseudonym „Indigena“.
Mit 22 Jahren heiratete Dolores Adios Fuertes am 3. April 1856 in Galveston (Texas) den Sohn einer prominenten jüdischen Familie aus Cincinnati, Alexander Isaac Menken, der ein Orchester leitete. Von da ab trug sie den Künstlernamen „Adah Isaacs Menken“. Sie trat zum jüdischen Glauben über, behielt diesen ihr Leben lang, schlief mit einer hebräischen Bibel unter dem Kissen und trat nie am höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur, auf.
Adahs Mann wünschte sich ein Heim und eine Familie, doch sie war an diesen Dingen nicht interessiert, liebte die Bühne, kehrte dorthin zurück und machte ihren Gatten zu ihrem Manager. Die junge Künstlerin genoss die Schmeicheleien des Publikums und die Verehrung junger Männer, die ihr prächtige Rosensträuße schenkten. Ihr Gatte unterdrückte seine Eifersucht, so lange er konnte, aber als Adah darauf beharrte, in der Öffentlichkeit Zigaretten zu rauchen, was damals als sehr unschicklich galt, wurde es ihm zuviel: Er verließ Adah, und diese zog fortan weiter von Stadt zu Stadt.
1857 trat Adah Isaacs Menken im Theater von Shreveport (Louisiana) in dem Stück „The Lady of Lyons“ auf und debütierte noch im selben Jahr in New Orleans in dem Stück „Fazio“. Bereits damals hatte sie Freude daran, Verse zu schmieden. Zwischen 1857 und 1859 erschienen mehrere ihrer Gedichte in der Gazette „Cincinnati Israelite“ sowie 1860/1861 in „New York Sunday Mercury“.
Im März 1859 stand Adad in New York in dem Stück „The Soldier’s Daughter“ auf der Bühne. Dort begegnete sie dem amerikanischen Boxchampion John C. Heanan (1826–1865), der nach seinem kalifornischen Geburtsort als „Benicia Boy“ bezeichnet wurde. Adah war von dem großen und kräftigen Sportler fasziniert und heiratete ihn noch 1859. Doch bereits nach einem Monat waren die Flitterwochen vorbei: Heanan schlug Adah täglich, und sie trennte sich von ihm.
Vor ihrer zweiten Ehe mit Heanan hatte Ada es versäumt, sich von ihrem ersten Mann Alexander Isaac Menken scheiden zu lassen. Deswegen wurde sie von Klatschbasen als Bigamistin beschimpft. Menken hörte davon, benahm sich wie ein Gentleman und ließ sich von Adah scheiden. Der Sohn aus der Verbindung Adahs mit Heanan starb schon bei der Geburt.
Adahs zweiter Ehemann John C. Heanan boxte am 17. April 1860 in Farnborough (Großbritannien) im „Kampf des Jahrhunderts“ gegen den „Champion of England“, Tom Sayers (1826–1865). Als Heanan nach zwei Stunden und 20 Minuten in der 42. Runde zu gewinnen schien, stürmten Zuschauer den Ring und forderten, dass der Kampf unentschieden gewertet werden sollte. Sowohl Großbritannien als auch die USA reklamierten danach den Weltmeister für sich.
Im Juni 1861 sah man Adah in Albany im US-Bundesstaat New York erstmals in der vulgären Bühnenversion des Versepos „Mazeppa“ des britischen Dichters Lord Byron (1788–1824). Das Besondere an ihrem Auftritt: Sie spielte eine Szene, die sonst auf der Bühne nur durch eine Attrappe dargestellt wurde. Adah galoppierte rücklings auf ein Pferd gebunden, umweht von einem Nacktheit vortäuschenden Schleiergewand, durch eine Kulissen-Berglandschaft. 1862 schloss sie ihre dritte Ehe mit dem Journalisten Robert Henry Newell (1836–1901).
Mit dem Stück „Mazeppa, or The Wild Horse of Tartary“ trat Adah Isaacs Menken auch in New York auf, wo sich die Begeisterung des verwöhnten Publikums allerdings in Grenzen hielt. In San Francisco (Kalifornien) dagegen, wo sie am 24. August 1863 erstmals diese Rolle im „Maguire’s Opera House“ verkörperte, feierte Adah wahre Triumphe. Dort applaudierten ihr mit Diamanten geschmückte Damen und vornehm gewandete Herren.
Bei der ungewöhnlichen Rittszene brüllten 1863 auch in Virginia City in der allabendlichen Vorstellung die männlichen Zuschauer wie am Spieß. Die örtliche Feuerwehr spielte Adah zu Ehren muntere Ständchen, Goldsucher schenkten ihr einen Goldbarren im Wert von 2000 US-Dollar und Anteilscheine an einer Mine, und man benannte sogar eine Straße nach ihr.
Adah Isaacs Menken förderte ihre Karriere durch allerlei Legenden. Sie gab sich als frühere Geliebte oder zumindest als Adoptivtochter von Sam Houston (1803–1863) aus. Dieser war der Anführer der Texaner im Kampf gegen die Mexikaner und später der erste Präsident der unabhängigen Republik Texas sowie nach dem Anschluss von Texas an die USA Gouverneur von Texas. Außerdem erfand Adah eine Gefangenschaft bei wilden Indianern, aus der sie angeblich von „Texas Rangers“ gerettet wurde.
Adahs Ruhm reichte bald bis nach London, wo sie 1864 im „Astley’s Theatre“ in dem Stück „Mazeppa“ auftrat. In der britischen Hauptstadt erhielt sie pro Auftritt 500 Pfund, die höchste Gage, die bis dahin jemals für eine Schauspielerin bezahlt wurde. Die Schriftsteller Charles Dickens (1812–1870) und Algernon Swinburne (1837–1909) sowie der Maler Dante Gabriel Rosetti (1828–1882) gehörten zu ihrem Freundeskreis. Nach der Scheidung ihrer Ehe mit Newell kehrte Adah 1865 in die USA zurück.
Vierter Ehemann wurde ein Mann namens James Barkley (gest. 1878), über den wenig bekannt ist. Ihn verließ Adah bereits nach drei Tagen und kehrte nach Europa zurück. Sie begeisterte das Publikum in Paris und Wien und 1867 auch wieder in London. In Paris brachte sie einen Sohn zur Welt, den sie Louis Dudevant Victor Emanuel Barkley nannte. Im Mai 1868 gab sie ihre letzte Vorstellung im „Sadler’s Wells Theatre“ in London.
Am 10. August 1868 starb Adah Isaacs Menken im Alter von nur 33 Jahren in Paris an Tuberkulose. Sie wurde auf dem jüdischen Teil des Friedhofs von Montparnasse begraben. Acht Tage nach ihrem Tod erschien in London ihre Gedichtsammlung „Infelicia“, die Charles Dickens gewidmet ist, der einer ihrer vielen Liebhaber war.
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Veröffentlicht von: Ernst Probst Web: http://www.antiquitaeten-shop.net Kontakt: e-Mail
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| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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