Gisela Schlüter: „Lady Schnatterly“Kategorie: Kultur Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Als Deutschlands bekannteste „Quasselstrippe“ eroberte sich die Kabarettistin und Schauspielerin Gisela Schlüter (1914–1995) durch ihre Schlagfertigkeit und Blödeleien ab 1963 einen festen Platz im deutschen Unterhaltungsfernsehen. Man sagte ihr einmal nach, sie hätte bis zu 482 Silben pro Minute sprechen können. Dieser ungewöhnlichen Fähigkeit verdankte sie ihren Spitznamen „Lady Schnatterly“.
Die Tochter eines Berufsoffiziers und einer Tschechin kam am 6. Juni 1914 in Berlin zur Welt. Sie wuchs in Dresden auf, wo sie das katholische Fräulein-Stift besuchte und die mittlere Reife erwarb. Ursprünglich hatte sie vor, Tänzerin zu werden, weswegen sie eine Ausbildung hierzu begann, aber mit 1,76 Metern war sie für diesen Beruf zu groß. Daraufhin nahm sie Schauspielunterricht.
Zu Beginn der 1940-er Jahre stellte sich Gisela Schlüter als ernsthafte Schauspielerin in der Rolle der „Iphigenie“ bei dem Dresdner Schauspieler Erich Ponto (1884–1957) vor, der sie auch als Schülerin annahm, jedoch als „geborene Komikerin“. Ihre ersten Auftritte als Schauspielerin hatte sie an Berliner Theatern. Den Durchbruch schaffte sie in der Berliner „Komödie“ am Kurfürstendamm in dem Boulevard-Stück „Vorsicht, Brigítte“, bei dem ihre erstaunliche Zungenfertigkeit die Zuschauer begeisterte.
In der Folgezeit trat Gisela Schlüter in Revuen, im Rundfunk und in Spielfilmen auf. Auf der Leinwand sah man sie in „Eine Nacht im Mai“, „Der Tiger von Eschnapur“, „Das Indische Grabmal“, „Narren im Schnee“ (alle 1938), „Der Gasmann“ (1941), „13 unter einem Hut“ (1950), „Mikosch, der Stolz der Kompagnie“ (1958), „Peter schießt den Vogel ab“ (1959), „Die lustigen Vier von der Tankstelle“ (1972) und „Unsere Tante ist das Letzte“ (1973).
Nach dem Zweiten Weltkrieg unternahm Gisela Schlüter viele Tourneen, gastierte bis 1947 verschiedentlich am Berliner „Kabarett der Komiker“ von Willi Schaeffers (1884–1962) und moderierte Quizsendungen im Rundfunk. 1958 erlebte sie in der Vico-Torriani-Show „Gruezi Vico“ ihren ersten Auftritt im Fernsehen als witzige und respektlose „Quasselstrippe“. Von 1967 bis 1982 erreichten die 35 Folgen ihrer eigenen Fernsehshow „Zwischenmahlzeit“, in der sie selbstironisch klatschenden Damen den Spiegel vorhielt, traumhafte Einschaltquoten bis zu 44 Prozent.
In den 1970-er Jahren war Gisela Schlüter in zahlreichen großen Fernsehshows mit Vico Torriani, Peter Alexander und Paul Kuhn zu sehen und vor allem nicht zu überhören. 1984 begann ihre Fernsehserie „Schnatterbox“, die sich nicht mehr so erfolgreich wie „Zwischenmahlzeit“ erwies. Gisela Schlüter besaß nicht nur eine spitze Zunge, sondern auch eine spitze Feder: Sie schrieb die Bücher „Schnattern gehört zum Handwerk“ (1968) und „Lassen Sie mich auch mal zu Wort kommen“ (1983 sowie Klatsch-Kolumnen für die Zeitschrift „Funkuhr“.
Gisela Schlüters erste Ehe wurde nach drei Jahren geschieden. Sie selbst bezeichnete sich als „geborene Junggesellin“, lebte aber 28 Jahre lang mit dem Fernsehautor Hans Hubberten (1930–1988) zusammen. Nach dessen Tod zog sie sich aus der Öffentlichkeit zurück.
Die letzten Jahre ihres Lebens blieb Gisela Schlüter nach mehreren Klinikaufenthalten an den Rollstuhl gefesselt. Sie wurde von ihrer Freundin in ihrem Haus in Mittenwald (Bayern) gepflegt, wo sie am 28. Oktober 1995 im Alter von 81 Jahren den Folgen eines Schlaganfalls erlag.
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| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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