Bertha von Marenholtz-Bülow: Die Baronin, die für Kindergärten kämpfteKategorie: Soziales Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Eine der bedeutendsten Kindergarten-Pädagoginnen Deutschlands war Bertha Baronin von Marenholtz-Bülow (1810–1893), geborene von Bülow. Sie gilt als eine der wichtigsten Mitstreiterinnen des deutschen Pädagogen Friedrich Fröbel (1782–1852), der sich besonders für die Erziehung der Kinder im vorschulpflichtigen Alter einsetzte und den ersten Kindergarten gründete. Nach dessen Tod beteiligte sie sich maßgeblich an der Aufhebung des Verbots von Kindergärten und gründete im In- und Ausland Kindergärten und Fröbelvereine.
Bertha von Bülow kam am 5. März 1810 auf dem Gut ihrer Eltern in Küblingen (heute Schöppenstedt) bei Braunschweig zur Welt. Am 28. September 1830 heiratete sie in Braunschweig den hannoverschen Geheimrat Wilhelm Baron von Marenholtz (1789–1865), dessen erste zwei Frauen, Sophie Henriette von Gustedt (1801–1821) und Karoline Freiin von Hanstein (1797–1828), früh gestorben sind. Die Ehe mit ihm verlief nicht glücklich, aber Bertha trennte sich erst von ihm, nachdem sie seine Söhne Wilhelm (1819–1862) und Gebhard (1821–1879) aus erster Ehe erzogen hatte.
1849 lernte Bertha von Marenholtz-Bülow in Bad Liebenstein den Pädagogen Friedrich Fröbel kennen. Dieser hatte 1816 in der Nähe von Griesheim die „Allgemeine deutsche Erziehungsanstalt“, 1839 die „Blankenburger Spiel- und Beschäftigungsanstalt“ und 1840 den „Allgemeinen Deutschen Kindergarten“ aus der Taufe gehoben, womit er erstmals den Namen „Kindergarten“ prägte.
Der Kindergarten Fröbels sollte „die Kinder des vorschulfähigen Alters nicht nur in Aufsicht nehmen, sondern ihnen auch eine ihrem ganzen Wesen entsprechende Betätigung geben, ihren Körper kräftigen, ihre Sinne üben, den erwachenden Geist beschäftigen und sie sinnig mit der Natur und Menschenwelt bekannt machen, besonders auch Herz und Gemüt richtig leiten und zum Urgrunde alles Lebens, zur Einheit mit ihm hinzuführen“.
Fröbels Kindergarten war von 15 bis 20 Uhr geöffnet. Spiel und Beschäftigung vollzogen sich in vier Hauptabteilungen, von denen jede einen Führer besaß, dessen Rolle oft ältere Geschwister übernahmen. Die Zeit für Spiel und Beschäftigung währte etwa von 15.30 bis 18.30 Uhr. Am Anfang und Ende wurde jeweils ein Lied gesungen. In der letzten Stunde zwischen 19 und 20 Uhr beschäftigte sich jedes Kind selbst.
Nach der Begegnung mit Friedrich Fröbel verbreitete Bertha von Marenholtz-Bülow dessen Gedanken über Kindergartenpädagogik durch Schriften sowie Reisen in Deutschland und im Ausland. Die Baronin suchte Schriftsteller wie Karl August Varnhagen von Ense (1785–1858), fürstliche Persönlichkeiten wie Georg Herzog von Meiningen (1826–1914) und Carl Alexander Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach (1818–1901) für die Kindergartenerziehung zu gewinnen.
Auf Bertha von Marenholtz-Bülows Veranlassung überließ der Herzog von Meiningen dem Pädagogen Fröbel das Schlösschen Marienthal bei Bad Liebenstein zur Einrichtung eines Kinderhauses und eines Seminars. Als der preußische Minister Karl Otto von Raumer (1805–1859) im August 1851 die Fröbelschen Kindergärten verbot, versuchte die Baronin erfolglos, durch eine Audienz bei der Königin Elisabeth (1801–1859), der Frau des Königs Friedrich Wilhelm IV. (1795–1861), die Aufhebung des Verbotes durchzusetzen.
Dagegen gelang es Bertha von Marenholtz-Bülow, in England, Frankreich, Belgien, in den Niederlanden und der Schweiz sowie später in Italien Interesse für das Lebenswerk von Fröbel zu wecken. Von ihr stammt auch die Idee für den „Allgemeinen Erziehungsverein“ zur Unterstützung der Kindergartenbestrebungen, der im Mai 1872 in Dresden tatsächlich gegründet wurde.
1860 setzte Bertha von Marenholtz-Bülow die Aufhebung des preußischen Kindergartenverbots durch. Danach stiftete sie Volkskindergärten, ein Seminar und eine Pension für Kindergärtnerinnen und Pflegerinnen sowie den „Berliner Verein für Familien- und Volkserziehung“.
Zu den Werken Bertha von Marenholtz-Bülows gehören „Manuel des jardins d’enfants“ (1859, deutsch: „Der Kindergarten, des Kindes erste Werkstätte“, 1878), „Die Arbeit und die neue Erziehung nach Fröbels Methode“ (1866), „Das Kind und sein Wesen“ (1878), „Gesammelte Beiträge zum Verständnis der Fröbelschen Erziehungsidee“ (zwei Bände, 1876/1877) und „Theoretisches und praktisches Handbuch der Fröbelschen Erziehungslehre“ (zwei Bände, 1886).
Von 1861 bis 1863 und von 1873 bis 1890 gab Bertha von Marenholtz-Bülow die Zeitschrift „Die Erziehung der Gegenwart“ heraus. Über das Leben und Werk der Baronin sind auch einige Bücher erschienen. Im hohen Alter reiste sie noch zu Vorträgen nach Italien.
Am 9. Januar 1893 starb Bertha von Marenholtz-Bülow im Alter von 82 Jahren in Dresden. Ihr Grab befindet sich auf dem „Alten Annenfriedhof“ in Dresden. Für die Einrichtung von Kindergärten haben sich außer ihr auch Henriette Schrader-Breymann (1827–1899), eine Nichte Fröbels, die Gründerin des Vereins für Familien- und Volkserziehung, Henriette Goldschmidt (1825–1920), geborene Benas, sowie die Gründerin des Kinderschutzvereins, Lina Morgenstern (1830–1909) engagiert.
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| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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