Heilige Katharina von Genua: Die Mystikerin aus ItalienKategorie: Religion Veröffentlicht von: Ernst Probst
Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:
Eine bedeutende Mystikerin war die heilige Katharina von Genua (1447–1510), geborene Katharina von Fieschi. Die italienische Adlige widmete die zweite Hälfte ihres Lebens der Pflege von Kranken und besaß großen Einfluss auf die katholische Reformbewegung. Sie gilt als Patronin von Genua und seit 1944 als Zweitpatronin der italienischen Krankenhäuser.
Katharina von Fieschi wurde 1447 als jüngstes von fünf Kindern einer adligen Familie in Genua geboren. Aus ihrem Geschlecht sind zwei Päpste und zahlreiche kirchliche Würdenträger hervorgegangen. Ihr Vater Giacomo von Fieschi fungierte für König René von Anjou (gest. 1480) als Vizekönig von Neapel und spielte in Genua eine wichtige politische Rolle. Die Mutter hieß Francesca di Negro.
Der Anblick einer Darstellung der heiligen Maria mit dem Leichnam von Jesus im Schoß in ihrem Elternhaus weckte bei Katharina bereits im Kindesalter den Geist der Askese. Mit acht Jahren schlief sie auf einem Brett und übte sich zeitweise im Schweigen. Wie ihre älteste Schwester Simbania wollte auch sie ins Kloster eintreten, doch man hielt sie dafür zu jung.
Damals tobten in Genua heftige Parteikämpfe zwischen den Anhängern der Guelfen und der Ghibellinen. Zu den Ersteren gehörte die Familie Fieschi, zu den Letzteren die Familie Adorno. Diese unruhige Zeit spiegelt sich in dem Drama „Die Verschwörung des Fiesco“ des deutschen Dichters Friedrich von Schiller (1759–1805) wider.
Als sich die beiden verfeindeten Familien versöhnten, beschlossen sie, dies durch eine Heirat von Katharina von Fieschi und Giuliano Adorno zu besiegeln. Obwohl die Ehe ihrem Wunsch, ins Kloster zu gehen, widersprach, fügte sich Katharina und schritt 1463 als 16-Jährige zusammen mit Giuliano zum Traualtar.
Das Leben mit ihrem untreuen, ausschweifenden, leichtsinnigen und unbeherrschten Ehemann fiel der charmanten, großgewachsenen und schlanken Katharina sehr schwer. Ihre Ehe blieb kinderlos, während ihr Gatte eine uneheliche Tochter zeugte, die den Namen seiner Mutter Thobia und später einen Teil seines Erbes erhielt.
Nach fünfjähriger Ehe machte sich Katharina schwere Vorwürfe, ob sie nicht selbst an ihrem Unglück schuld sei, weil sie die Interessen ihres Mannes nicht teilte. Sie begann, sich hübsch anzuziehen und zu schmücken, verkehrte in ihren gesellschaftlichen Kreisen und versuchte fünf Jahre lang, an der Seite ihres Gatten das Leben einer vornehmen Dame zu führen.
Für das neue Leben war Katharinas Wesen jedoch nicht geschaffen. Der ernsthaften jungen Frau fehlte die damals in adligen Familien häufig anzutreffende Oberflächlichkeit. Trotz aller Genüsse fühlte sie sich unzufrieden und uneins mit ihrem Gatten. Bald verlor sie ihren inneren Frieden, wurde trübsinnig und melancholisch.
Nach zehnjähriger Ehe klagte Katharina 1474 ihrer im Kloster lebenden Schwester Simbania ihr Leid, worauf ihr diese riet, sie solle sich dem Beichtvater der Nonnen anvertrauen. Als sie im Beichtstuhl niederkniete und man den Priester kurz wegrief, durchdrang ein Strahl der göttlichen Liebe ihr Herz, und ihre Seele wurde von Grund auf verwandelt. Sie kam wieder zu sich und verschob die Beichte.
Kurze Zeit nach dem Ereignis im Beichtstuhl hatte Katharina eine Vision, bei der sie den mit dem Kreuz beladenen Christus sah, dessen in Strömen fließendes Blut das ganze Haus überschwemmte. Der Heiland sagte zu ihr: „Siehe, meine Tochter, all dies’ Blut wurde auf dem Kalvarienberg aus Liebe zu dir, zur Sühnung deiner Fehltritte vergossen“.
In der Folgezeit unterzog sich Katharina strengen Bußübungen. Sie trug ein rauhes Bußhemd, aß kein Fleisch oder andere schmackhaften Speisen mehr und befasste sich mit Ekel erregenden Dingen, um sich selbst zu überwinden. Wegen dieses Verhaltens hielt man sie in ihrer Umgebung für einen Menschen, der offenbar teilweise seinen Verstand verloren hatte.
Vier Jahr später gab Katharina ihr Leben der Buße auf, nachdem ihr an einem Julitag beim Betrachten des Sonnenuntergangs ein geheimnisvolles Licht signalisierte, sie habe für ihre Sünden Buße getan, und die Jahre der Zerknirschung hätten ihr Ende erreicht. Ihr Büßerleben wurde nun durch mystisches Leben abgelöst. Beim Gebet sank Katharina fast täglich bis zu sechs Stunden wie tot hin und war nicht mehr ansprechbar. Während der Fastenzeit und der Adventszeit ernährte sie sich alljährlich nur von der heiligen Kommunion und einem Becher Wasser, das mit Salz und Essig gemischt war.
Eines Tages hatte Katharinas verschwendungssüchtiger Gatte hohe Schulden, wurde bankrott, musste seinen Palast verlassen und mit seiner Frau in ein kleines, bescheidenes Haus in einem Handwerkerviertel ziehen. Darüber war Katharina glücklich, weil sie zwischen den beiden Ereignissen einen von Gott gewollten engen Zusammenhang sah.
Katharinas verarmter Gatte wurde nun tief religiös. Er führte fortan mit seiner Frau eine so genannte Josephsehe, bei der beide aus religiösen Motiven auf den geschlechtlichen Vollzug der Ehe verzichteten. Außerdem schloss sich Giuliano Adorno dem Dritten Orden des heiligen Franziskus an. Später litt er an einer schmerzhaften Krankheit, mit der er sich erst abfand, als Gott die Gebete Katharinas um seine Seele erhörte. Nun fügte er sich seiner Leiden und starb ruhig.
Danach, ab 1479, widmete Katharina ihr Leben der Krankenpflege im Spital Pammatone in Genua. Sie reinigte Stuben, machte Betten, wusch Kleider und bereitete Essen zu. 1491 wurde sie Vorsteherin des Spitals und kaufte nun Lebensmittel und andere Materialien ein, verkehrte mit Ärzten, korrespondierte mit Verwandten der Kranken und führte die Buchhaltung. Bei zwei verheerenden Pestepidemien leistete sie fast übermenschliche Arbeit.
Als Katharina einmal eine Pestkranke, die den Namen Jesu nicht mehr aussprechen konnte, auf die Lippen küsste, steckte sie sich mit dieser lebensgefährlichen Krankheit an. Doch sie wurde wieder gesund, und verrichtete weiterhin ihre segensreiche Arbeit für die Kranken.
Um Katharina scharte sich ein Kreis von Schülern und Schülerinnen, die sie als „Madonna Caterinetta“ anredeten. Einige Mitglieder dieses Kreises – wie der Notar Ettore Vernazza, der Priester Cattaneo Marbotto, der ihr Beichtvater wurde, und die Dienerin Argentina del Sale – gehörten zu ihren engsten Vertrauten. Von einem Mitglied ihres Kreises stammt auch die älteste Biographie Katharinas. Sie selbst griff niemals zur Feder.
Während der letzten Lebensjahre litt Katharina an einer rätselhaften Krankheit: Sie hatte heftige Anfälle, bekam starke Schmerzen, ihre Nerven zuckten, ihre Beine zitterten, sie krümmte sich, schrie laut und war depressiv. Kein Arzt konnte ihr Leiden diagnostizieren und sie lindern.
Am 15. September 1510 starb Katharina im Alter von 53 Jahren in ihrer Heimatstadt. 18 Monate nach ihrer Beisetzung öffnete man ihren Sarg noch einmal und fand ihre Leiche unverwest und wohlriechend vor. Bald nach ihrem Tod wurde sie „Katharina von Genua“ genannt. Papst Klemens XII. (1652–1740) sprach sie 1737 heilig. Ihr mumifizierter Leichnam ruht in der Kirche „Santa Caterina e S.ma Annunziata“ in Genua.
Tommasina von Fieschi (1448–1534), eine Cousine von Katharina, schuf vermutlich das einzige wahre Abbild der Heiligen; dieses Gemälde befindet sich im Krankenhaus Pammatone in Genua. In der Kirche „Santa Caterina e. S. ma Annunziata“ gibt es einen 1837 geschaffener Freskenzyklus mit Szenen aus Katharinas Leben. Ihr Gedenktag ist der 29. April.
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| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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