Selige Karolina Gerhardinger: Die Gründerin der „Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau“Kategorie: Religion Veröffentlicht von: Ernst Probst
Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:
Als Gründerin der Kongregation der „Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau“ erlangte die deutsche Ordensfrau Karolina Gerhardinger (1797–1879) eine große Bedeutung. Diese geistliche Gemeinschaft sieht bis heute ihre Aufgabe im Bereich der Erziehung und Bildung junger Menschen. 1997 arbeiteten weltweit in mehr als 30 Ländern der Erde etwa 5000 Schulschwestern in Kindergärten, Kinder- und Jugendheimen, Horten und Tagesheimen, allgemein- und berufsbildenden Schulen wie Volksschulen, Realschulen, Gymnasien, Fachakademien und Colleges.
Karolina Gerhardinger wurde am 20. Juni 1797 geboren. Sie blieb das einzige Kind des Schiffsmeisters Willibald Gerhardinger und seiner Frau Franziska, denen das Anwesen in der schmalen Gasse am Gries in Stadtamhof bei Regensburg (Bayern) gehörte. Bereits im Alter von zwölf Jahren wurde sie Hilfslehrerin und mit 15 Jahren königliche Lehrerin der königlichen Mädchenschule in Stadtamhof. In ihrem Beruf erkannte sie bald, dass die schulische Ausbildung vor allem der Mädchen aus ärmeren Bevölkerungsschichten völlig unzureichend war.
Mit etwa 18 Jahren bat Karolina Gerhardinger den früheren Regensburger Dompfarrer und späteren Bischof Georg Michael Wittmann (1760–1833) um Anleitung zu einem klösterlichen Leben. Als 25-Jährige weihte sie entschlossen ihr Leben und ihren Dienst Gott – noch mitten in der Welt lebend – und begründete diesen Akt der Hingabe mit dem Wort: „Die Klugheit rechnet, die Liebe liebt!“ Nach Wittmanns Plan sollte sie in keinen bisherigen Orden eintreten, sondern ein Kloster in zeitgemäßer Form für die Erziehung und den Unterricht der weiblichen Jugend nach dem Vorbild der Notre-Dame-Frauen gründen.
Da der Magistrat von Stadtamhof – aus finanziellen Erwägungen – gegen eine Klostergründung war, zog Karolina Gerhardinger mit zwei Gefährtinnen nach Neunburg vorm Wald (Bayern), um dort ein gemeinsames klösterliches Leben zu führen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten in bürgerlichen Kreisen und bei kirchlichen Instanzen gab König Ludwig I. von Bayern (1786–1868) im März 1834 die landesherrliche Genehmigung des klösterlichen Instituts.
1835 legte Karolina Gerhardinger in der St. Galluskapelle zu Regensburg ihre Ordensgelübde ab. Dabei nahm sie den Namen „Maria Theresia von Jesus“ an und wurde als Oberin des neuen Instituts „Mutter Theresia“ genannt. Wie schon in Stadtamhof, so wurde auch in Neunburg vorm Wald die von ihr geführte Schule bald zu einer Musterschule. Karolina wirkte auf dem Gebiet der Erziehung und des Unterrichts bahnbrechend durch ihren ganzheitlichen Ansatz. Mustergültige Lehrpläne umfassten modernen Anschauungsunterricht, hauswirtschaftliche und kaufmännische Fächer, Fremdsprachen, musische Bildung und Turnen.
Bald erkannte Karolina Gerhardinger, dass das kleine und entlegene Kloster in Neunburg vorm Wald ihrer wachsenden Gemeinschaft auf die Dauer nicht als Mutterhaus dienen konnte. Das frühere Clarissenkloster am Anger in der bayerischen Landeshauptstadt München entsprach besser ihren Vorstellungen für die Ausbildung der jungen Schwestern. 1843 überließ ihr König Ludwig I. dieses Klostergebäude – unter Vorbehalt des Staatseigentums und der Verpflichtung des Instituts zur Übernahme der Kosten für die Renovierung. Die neue Kongregation konnte sich rasch in vielen Ländern ausbreiten. Bereits 1847 schiffte sich Mutter Theresia nach Nordamerika ein und legte unter härtesten Reisebedingungen – teilweise im Ochsenkarren – nahezu 2600 Meilen zurück. Während ihres einjährigen Aufenthaltes bereitete sie sieben Schulgründungen vor.
Papst Pius IX. (1792–1878) bestätigte 1865 die Satzung der „Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau“, in der Mutter Theresia die zentrale Leitung ihrer Gemeinschaft zuerkannt wurde, was bis dahin männlichen Orden vorbehalten war. Bis zu ihrem Tod am 9. Mai 1879 übte sie ihr Amt als Generaloberin mit Weitsicht und Klugheit aus. Fast 82 Jahre alt, starb sie im Münchener Mutterhaus und wurde in der Klostergruft bestattet. Heute ruht sie in der Grabkapelle der neuen St. Jakobskirche in München. Auf ihrer Grabplatte ist ihr Leitwort eingemeißelt: „Alle Werke Gottes gehen leidvoll“.
Am Lebensende von Mutter Theresia Gerhardinger gab es bereits 166 Niederlassungen in Europa und 125 in Nordamerika mit insgesamt 3000 Schulschwestern. Während des „Dritten Reiches“ wurden in Deutschland fast alle Schulen der „Armen Schulschwestern“ geschlossen. Damals wanderten viele Kandidatinnen und Schwestern nach Nord- und Südamerika sowie in andere europäische Länder aus.
1985 sprach Papst Johannes Paul II. Maria Theresia von Jesu Gerhardinger selig. Zu den Festlichkeiten reisten mehr als 2000 bayerische Pilger, die überwiegend aus dem Raum Regensburg und München stammten, nach Rom. Auch der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, und der Bischof von Regensburg, Manfred Müller, nahmen daran teil. Der Gedenktag von Maria Theresia Gerhardinger ist der 9. Mai.
Im Herbst 1998 erfuhr Mutter Theresia eine hohe Ehrung. Nach dem Beschluss der Bayerischen Staatsregierung wurde ihre Büste in der Walhalla bei Regensburg, der Ruhmeshalle für herausragende Persönlichkeiten Deutschlands, aufgestellt. Damit ist von öffentlicher Seite ihr bahnbrechendes Wirken im Erziehungs- und Bildungsbereich neu ins Licht gehoben worden.
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| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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