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Bahn frei, Lulli kommt !
Kategorie: Kinder
Veröffentlicht von: deborah broxtermann


Lulli, die kleine, zierliche Kobolddame, wirbelte mit ihren etwas zu groß geratenen, rosafarbenen Pantöffelchen, flink durch die Räume ihres schnuckeligen Häuschens.
Sie wohnt tief im Wald versteckt in einem Kobolddorf.
Mit ihren großen, dunkelbraunen Augen, die schon fast schwarz wirkten, schaute sie sich aufgeregt um, wobei sie ständig vor sich hinschimpfte:"Verflixt, noch mal! Wo hab ich ihn nur gelassen? Wo ist er denn nur hin? Der dumme Lullizupper!"

Ihr fragt euch jetzt sicher, was ein "Lullizupper" ist.

Lulli nennt alle Dinge, die man benutzen kann "Lullizupper"
Zum Beispiel einen Fön, eine Schere, eine Fernbedienung, und so weiter, und so weiter. Und wenn Lulli sie benutzt, sagt sie:
"Zupp-die-Lulli"

Jetzt wißt ihr auch, wie Lulli zu ihrem Namen kam.

Lulli´s Bäckchen waren vor lauter Zorn und Unmut leicht gerötet, und ihr niedliches Stupsnäschen zuckte aufgeregt hin und her, während sie von Raum zu Raum huschte.
Mittlerweile hatte sie alle Räume schon mindestens dreimal durchsucht, und wurde immer ungeduldiger. Denn Geduld war ganz bestimmt keine der Stärken der sonst so fröhlichen, und temperamentvollen Dame.

"Zupp-zupp, muß ich dich denn erst locken, um endlich loszurocken?", sagte sie, und sauste erneut in ihr gemütliches Wohnzimmer.
Mit einem raketenartigen Tempo, daß ihre langen, schwarzen Haare wehen ließ, steuerte Lulli auf den Kassettenrekorder zu, der auf einem Holzregal an der Wand stand. (Den hatte Lulli samt Kassette bei einem Ihrer zahlreichen Ausflüge in die Stadt auf dem Spermüll gefunden.)
Was Lulli doch sehr wunderte. Denn nachdem sie diesen neuen Lullizupper zuhause getestet hatte, kam sie zu der Ansicht: "Warum tun die Menschen das? Warum warfen sie es weg? Es dient doch noch seinem Zweck.
"Ach was interessiert mich das, so hab ich jetzt damit meinen Spaß! Zupp-zupp"
Doch was war das?
Mitten im Schwung haute es Lulli fast um. Staunend starrte sie auf´s Regal. Da lag sie ja, die Kassette.
"Ach was bin ich nur für ein vergeßlich Ding. Genau dort legte ich dich doch gestern erst hin. Was für eine erfreuliche Wende, jetzt hat die Sucherei ein Ende", sprach´s, und hüpfte vor Freude in die Luft.
Nun war keine Spur mehr von Zorn in ihrem Gesichtchen zu erkennen.
Im Gegenteil: Sie strahlte vor Glück, und ihre dunklene Augen blitzten vor Vergnügen.
"Zupp-die-lulli!" Blitzschnell war die Starttaste gedrückt, und es erklang ihre geliebte Rockmusik. Jetzt sprang Lulli lachend hin und her, wobei sie sang: "I do the Rock, I do the Rock! Siehst du, ich fand dich doch! Hihihi, jetzt kann ich endlich mit meiner Hausarbeit beginnen, denn ohne meine Musik will es mir nicht so recht gelingen. Der Rock geht mir ins Blut, und so läuft selbst die doofe Hausarbeit gut. Zupp-zupp"

Gesagt, getan. Flink schnappte sich das niedliche Wesen singend den Besen, wischte Tisch, Stuhl und Schrank, und im Nu war alles blitzblank.
Kaum war die Arbeit getan, sah sie sich nochmal alles an, und sagte dann: "Uiiih!! Es blinkt und blitzt so rein, am schönsten ist es doch daheim"

Kuckuck-Kuckuck-Kuckuck-Kuckuck!

"Oh, der Kuckuck sagt, es ist schon vier Uhr. Wo blieb die Zeit denn nur? Beinah hätte ich´s vergessen, ich hab ja heut´ noch gar nix gegessen!! Drum ist mein Hunger auch so groß! Was koch ich mir jetzt bloß?"
Voller Tatendrang eilte Lulli in die Küche, öffnete neugierig ihren Kühlschrank, um nachzuschauen, was er wohl für leckere Dinge verbarg.
Zu ihrer Freude befand sich noch ein Hähnchen darin. Das war nämlich Lulli´s absolute Lieblingsspeise!
"Brathähnchen, hmmm, das schmeckt. Doch mit Krautsalat ist das Dinner erst wirklich perfekt!"
Deshalb kichert sie auch, während sie die Zutaten herausnimmt: "Hihi. Knusprig braten werd´ ich dich, und gleich darauf verspeis´ ich dich!"
"Zupp-die-Lulli!", würzte sie das Hähnchen, schob es in den Ofen, und stellte ihre gelbe Hühncheneieruhr auf 60 Minuten. Durch das Sichtfenster schaute Lulli in das Innere des Backofens, und sagte: "Eine Stunde warten fällt mir schwer, denn mein Hunger plagt mich sehr! Ah, ich weiß, ich geh jetzt in den Garten. Damit verkürz´ ich mir das warten! Zupp-zupp"

Schon sauste sie in Richtung Haustür.

Haustür auf und raus,
und ab hinter´s Haus !

"Zupp-die-Lulli!" Blumen gießen, das machte Lulli Spaß. Und gleich danach mähte sie ihr Gras.
"Schnell noch das Fallobst eingesammelt, bevor es hier vergammelt", sagte sie sich.
"Zupp-zupp, diese Äpfel sind so lecker und frisch, deshalb steht morgen ein herrlich duftender Apfelkuchen auf meinem Kaffeetisch"
Stolz auf ihre Ausbeute, machte sie sich mit dem prallgefüllten Körbchen auf den Weg ins Haus.
Genau in dem Moment, als sie die Küche betrat, bimmelte die Eieruhr.
"Wow! Mein timing ist ja grandios. Kaum bin ich da, ist das Hähnchen auch schon gar. Hihi!"
In Windeseile war der Tisch gedeckt, und das Brathähnchen aus dem Ofen geholt. Heißhungrig machte sich Lulli über das köstliche Mahl her.
Und schnell, so schnell, daß man es kaum glauben konnte, war die eine Hälfte des knusprigen Hähnchens verputzt.
Ihre Mundwinkel glänzten fettig, was Lulli aber schnell änderte, indem sie sich mit ihrem Ärmel den Mund abwischte.
"Ich weiß, feine Leute tun das nicht, aber schämen werd´ ich mich deshalb nicht. Denn niemand konnte es sehen. Also kein Problem. Hihi"
Die Kleine lehnte sich zurück, gähnte herzhaft und murmelte: "Haah, das war toll, jetzt ist mein Bäuchlein voll!"
Sie spülte ihr Geschirr und Besteck, und meinte keck: "Ich verdufte jetzt ins Bad. Die Gartenarbeit war zwar lustig, doch nun bin ich ziemlich schmutzig"
Während die Badewanne voll lief, gab sie "zupp-die-Lulli!" etwas von ihrem nach Rosen duftenden Schaumbad hinzu.
Sehr sparsam, weil es kostbar und teuer war.

Die Tür fiel jetzt ins Schloß.
Was machte sie jetzt bloß?

Ihr könnt es euch sicher denken.

Plitsche-platsche, plitsch und platsch, ab war der Gartenmatsch.
Es folgt ein leises Dröhnen, das kam von Lulli´s Fön.
Doch was war das für ein Geräusch?...Pfft, Pfft, Pfft !?!

Es öffnete sich die Tür, und Lulli kam in ihrem Bademantel, von einer lieblichen Duftwolke umhüllt, heraus.
Die Wangen der kleinen glühten. Lulli hatte großen Durst, denn ihr Badewasser war heiß gewesen.
"Ich will jetzt was trinken. Selbst ist die Frau, ich mach mir einen Kakao."
In der Küche angekommen, nahm sie ein kleines, weißes Milchtöpfchen aus dem Schrank.
"Zupp-die-Lulli!" Milch hinein, Kakao dazu, das Getränk war fertig im Nu. Die große gelbe Tasse in der Hand, ging sie ins Wohnzimmer.
Gerade hatte die Süße sich in den kunterbunten Ohrensessel gekuschelt, mühselig mit vielen bunten Stoffetzen geflickt, als es an der Haustür klopfte.
"Huch!", erschreckte sie zusammen. "Wer kann das sein?"
Das Herz klopfte ihr aufgeregt bis zum Hals. Auf Zehenspitzen schlich sie langsam zur Tür, und preßte horchend ihr Öhrchen ans Holz.

Da klopfte es erneut.

Lulli sah durch das Guckloch in der Tür. Draußen stand Feuerbart, der heißt so, weil er einen feuerroten, und dazu noch langen Bart hatte.
Schon viele Jahre versuchte er mit Geschenken Lulli´s Herz zu erobern. Ein wirklich hartnäckiger Verehrer.
"Ach nee", dachte sie genervt. "Der schon wieder"
Jetzt rief Feuerbart bittend: "Lulli, laß mich doch herein. Ich weiß du bist daheim!"
"Hau ab, du Wicht. Ich mag dich nicht"
Ihr Köpfchen stolz emporgehoben, wandte sie sich ab, und ging keinen Gedanken mehr an ihn verschwendend, zurück ins Wohnzimmer, um den Apparat einzuschalten, aus dem die vielen bunten Bilder kamen.
Am Abend war das ihr Lieblingslullizupper.

"Zupp-die-Lulli"

Sie zuppte hin, sie zuppte her, doch der Kasten gab nix her. Lulli sprang vom Sessel hoch. Die Arme in die Hüfte gestützt, guckte sie mit großen Augen ungläubig auf den sonst sprechenden Bilderkasten.
"Bitte! Bitte! Geh doch an. Gestern hast du´s doch auch noch getan. Liegt es etwa an dem verzweigten Geäst, daß deine Bilder nicht mehr erscheinen läßt? Hab ich es gar beim Staubwischen verdreht, sodaß du jetzt nicht mehr gehst? Probieren geht über studieren, ich versuche dich zu reparieren. Ich muß dich einfach richten, denn ich will auf dich nicht verzichten"
Sie zuppte das Geäst ein wenig nach links, aber es tat sich nichts. Ein bißchen nach rechts geschoben, und siehe da, der Fehler war behoben.

"Hurra, Hurra, das Bild ist wieder da. Hihihi, das war ja kinderleicht, warum hörst du auch nicht gleich? Meine Güte, bist du empfindlich, dann bin ich eben beim nächsten Hausputz nicht so gründlich. Ich bin ja nicht dumm, und putze einfach um dich herum. Hihihi. Genauso bleibst du stehen, und ich kann immer die schönen Bilder sehen."
Vergnügt mit den Armen schlenkernd, sprang sie in ihren Sessel zurück. Zufrieden lächelnd lispelte das reizende Geschöpf: "Uiih, is dat ´tööön!"
Kurz darauf waren nur noch leise Schnarchgeräusche aus dem Inneren des Sessels zu hören. Lulli schlummerte tief und fest.

Ob sie wohl von weiteren spannenden Abenteuern träumte? Wir dürfen gespannt sein.
Auf alle Fälle werdet ihr es dann sofort von mir erfahren...


Veröffentlicht von: deborah broxtermann
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Über den Autor:
von Deborah Broxtermann & Dirk Heesen