Ein gebrochenes Herz bei der Nachtschicht: Wie eine Bahnbrücke in Buchloe eingerissen wird und eine Ersatzbrücke entstehtKategorie: Unterhaltung Veröffentlicht von: Alexander Hauk
Ein gebrochenes Herz bei der Nachtschicht
Wie eine Bahnbrücke in Buchloe eingerissen wird und eine Ersatzbrücke entsteht
Von Alexander Hauk, www.allgaeu-nachrichten.de
Buchloe. Ein Herz zerbricht. Wind und Wetter konnten dem rund 50 mal 50 Zentimeter großen Graffiti an der Bahnbrücke in der Eschenlohstraße in Buchloe jahrelang nichts anhaben. Aber gegen die Wucht, mit der der hydraulische Abbaumeißel an diesem Abend unaufhörlich einschlägt, ist selbst ein solch großes Herz machtlos. Bis zum frühen Morgen wird der Meisel die Brücke eingerissen haben. „Der Zugverkehr rollt dann bis September über eine tonnenschwere Behelfsbrücke", sagt Michael Müller, Bauleiter der Firma Leonhard, aus dem baden-württembergischen Göppingen
Selbst im mehrere Meter entfernten Baucontainer sind die Schläge des Meisels über den Boden noch dumpf zu spüren. „Gleisbau heißt Nachtarbeit", erklärt Müller, dessen Firma sich auf diese Arbeit spezialisiert hat. Für die insgesamt rund 30 Mitarbeiter auf der Baustelle wird es eine lange Nacht werden. Nachbar Hermann Bayer verfolgt an seinem Gartenzaun interessiert das Treiben vor seiner Haustür. „Im Fernsehen läuft sowieso nix, das interessant ist", sagt der 73-Jährige. Seine Frau Frieda und der 13-jährige Enkel Dominik Zinner stimmen ihm nickend zu.
Die Durchfahrt der rund 100 Jahre alten Brücke ist für den modernen Verkehr zu klein. „Die Durchfahrt soll von 4 Meter auf 8,50 Meter vergrößert werden" sagt Peter Vogel von der Deutschen Bahn AG. Bei dem Bauüberwacher mit dem orangefarbenen Helm liegt die Gesamtkoordination für den Brückenbau, den die Firma Assner aus Waal ausführt. Durch die Arbeiten an der zweigleisigen Strecke komme es nur zu geringfügigen Verspätungen im Zugverkehr. „Maximal fünf Minuten", sagt Vogel.
Bereits in den sechs Nächten zuvor waren direkt bei der Brücke bis zu 17 Meter lange Auflageträger in den Boden gerammt worden. „Wenn wir unsere Fenster schließen hören wir den Lärm gar nicht", berichtet Nachbarin Frieda Bayer. Auch die vielen Züge, die fast denn ganzen Tag an ihrem Haus vorbeifahren stören die 73-Jährige nicht: „Man gewöhnt sich daran".
Ein wenig traurig ist sie darüber, dass sie ein Viertel ihres Gartens und einen Apfelbaum wegen der Bauarbeiten leihweise „opfern" musste. Wo einst der Baum stand liegen jetzt Betonklötze, Holzbalken und Stahlträger.
Mehrere Strahler tauchen die Baustelle in helles Licht, dass nur noch vom Feuerstrahl und den Funken der Schneidbrenner und Schweißgeräte übertroffen wird. Auf die zurechtgekürzten Auflageträger schweißen Bauarbeiter mit Schutzbrillen Auflagen, auf denen später die Behelfbrücke montiert wird. Rauch vom platzenden Beton und der Geruch von Erde liegen in der Luft.
Hin und wieder erklingt ein lauter Hupton auf der Baustelle. Ein Warnsignal für alle Mitarbeiter, dass in wenigen Minuten ein Zug auf dem zweiten Gleis vorbeirauscht. „Maximal 70 km/h dürfen die Züge hier fahren", erklärt Vogel. Zwei Schilder, jeweils mit einem A für Anfang und E für Ende, markieren für die Zugführer die Länge der Baustelle. Von 1.30 bis 4.30 Uhr können die Männer ungestört arbeiten. In dieser Zeit ist die Strecke komplett gesperrt.
Die Bauarbeiter liegen rund eine halbe Stunde hinter der Zeit. Herrmann Assner, Chef der Baufirma Assner, ist vorbei gekommen und besichtigt seine Baustelle. „Was den Abbruch so schwierig macht sind die engen Platzverhältnisse", sagt der Unternehmer. Rund 1,5 bis 2 Millionen Euro koste der Brückenbau.
Kurz nach 2 Uhr rollen langsam mehrere Waggons mit den 22 Meter langen, 80 Zentimeter hohen und 54 Zentimeter breiten Stahlträgern an. Bisher war die spätere Behelfbrücke im Bahnhof Buchloe auf Abruf gestanden. Jetzt kommt auch der 300-Tonnen-Autokrann zum Einsatz. Langsam setzt er die neue Behelfbrücke auf die Stahlträger. Die alte Brücke gleicht jetzt einem abgeschliffenen Zahn.
Am frühen Morgen ist es dann geschafft, die letzte Schicht ist mit ihrer Arbeit fertig. Nur wenige Zugfahrer haben von den Arbeiten etwas mitbekommen. (Text vom 10. Juni 2002=
Veröffentlicht von: Alexander Hauk Web: http://www.alexander-hauk.de Kontakt: e-Mail
| Über den Autor: |
| bayern-nachrichten.de
Herrn Dipl.-Pol. Alexander Hauk
Gabelsbergerstr. 77
D-80333 München |
|