Amalie Sieveking: Die Vorkämpferin der DiakonieKategorie: Soziales Veröffentlicht von: Ernst Probst
Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:
Eine Vorkämpferin der evangelischen weiblichen Diakonie wurde die deutsche Krankenpflegerin Amalie Sieveking (1794–1859). Sie tat sich als Gründerin eines Vereins zur Armen- und Krankenpflege sowie als Schriftstellerin hervor. Der von ihr aus der Taufe gehobene Verein gilt als erste Organisation der freien Wohlfahrtspflege in Deutschland.
Amalie Sieveking wurde am 25. Juli 1794 als Tochter eines Kaufmanns und Senators in Hamburg geboren. In Biographien über ihr Leben und Werk heißt es, sie sei ein schwieriges Kind gewesen und habe „lärmende Knabenspiele“ der Gesellschaft gleichaltriger Mädchen vorgezogen.
Nach dem frühen Tod ihrer Eltern lebte Amalie Sieveking bei einer entfernten Verwandten, der Witwe Ilsabe Brunnemann. Amalie war bar jeder Anmut, heftig, ungeduldig, ehrgeizig, willensstark, zeigte reges Interesse für Wissenschaft und Literatur und besaß wenig Talent für Musik und Tanz.
Die Kaufmannstochter ergriff den Beruf einer Erzieherin und gründete 1815 eine Freischule für arme Mädchen. Das hierfür nötige Geld sammelte sie bei ihrer reichen Verwandtschaft. Nach dem frühen Tod ihres Bruders Gustav 1817 fand sie Halt im tiefen Glauben und wandte sich der Erweckungsbewegung zu, die auch in Hamburg Anhänger hatte.
1831 betätigte sich Amalie Sieveking während einer Choleraepidemie in Hamburg als freiwillige Krankenpflegerin. Ein „Aufruf an christliche Seelen“ in der Zeitung „Bergedorfer Bote“, mit dem sie gleichgesinnte Helferinnen suchte, blieb ohne den erhofften Erfolg.
Während der Seuche machte sie die Erfahrung, dass bezahlte Pflegerinnen schlecht ausgebildet und Wärter in Hospitälern recht roh waren. Nach dem Ende der Epidemie widmete Amalie Sieveking fortan ihr Leben der Armenpflege. Als man ihr das Angebot unterbreitete, ein Diakonissen-Mutterhaus zu leiten, schlug sie dies aus.
1832 gründete Amalie Sieveking den „Weiblichen Verein für Armen- und Krankenpflege“, einen Vorläufer der Diakonie. Dieser Verein stellte sich die Aufgabe, in freiwilliger Mitarbeit
Arme und Kranke zu pflegen. Ihr Grundsatz hieß: „Almosen geben – so wenig wie möglich, aber genügenden Lohne dem Fleißigen“.
Zu den Publikationen von Amalie Sieveking zählen die „Berichte des weiblichen Vereins für Armen- und Krankenhauspflege“ (1833–1858), „Aufruf an die christlichen Frauen und Jungfrauen Deutschlands“ (1850) und „Vermächtnis für meine jungen Freundinnen“ (1856). In ihren Schriften stritt sie für die Mitarbeit der Frau im Reiche Gottes und für die Emanzipation.
Amalie Sieveking starb am 1. April 1859 im Alter von 64 Jahren in Hamburg an Tuberkulose. Die Tochter aus reichem Hause wünschte sich, in einem Armensarg beerdigt zu werden. Der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern (1808–1881) würdigte sie als eine „wahrhaft apostolische Frau“.
Ein Jahr nach ihrem Tod erschien das Buch „Denkwürdigkeiten aus dem Leben von Amalie Sieveking“ (1860). In Hamburg-Volksdorf erinnern das Amalie-Sieveking-Krankenhaus und der Amalie-Sieveking-Weg an das segensreiche Wirken dieser tüchtigen Frau.
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| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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