Golda Meir: Die Frau, die „Mann des Jahres“ warKategorie: Politik Veröffentlicht von: Ernst Probst
Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:
Als Israels erste Ministerpräsidentin machte die Politikerin Golda Meir (1898–1978), geborene Mabowitsch (Mabowitz), Geschichte. Sie diente ihrem Land als erste Gesandte in Moskau, Parlamentsabgeordnete, Ministerin für Arbeit und Soziales, Außenministerin und zuletzt als Ministerpräsidentin. Anfang 1975 wählte man die mutige Politikerin – bei der Umfrage eines Meinungsforschungsinstitutes in Tel Aviv – zum „Mann des Jahres“.
Golda Mabowitsch wurde am 3. Mai 1898 als Tochter eines armen jüdischen Zimmermanns in Kiew (Ukraine) geboren. Fünf ihrer Brüder starben bereits im Kindesalter. Als Vierjährige beobachtete sie, wie ihr Vater die Eingangstür seines kleinen Hauses gegen ein drohendes Pogrom von Kosaken verbarrikadierte. Damals erlebte sie erstmals „die Angst, Enttäuschung und die Gewissheit des Andersseins und zugleich die tiefe innere Überzeugung, dass man selbst eingreifen muss, um zu überleben“.
1903 wanderte der Vater in die USA aus und arbeitete in Milwaukee, der größten Stadt des Staates Wisconsin, als Tischler. 1906 folgte ihm seine Frau mit den drei Töchtern nach. Die Mutter führte einen kleinen Lebensmittelladen. Golda besuchte in Milwaukee und in Denver (Colorado) die Schule, studierte später am Lehrerinnenseminar in Milwaukee, wurde Lehrerin und danach Bibliothekarin in Milwaukee, Chikago und New York.
In Milwaukee lebten damals etwa 450000 Einwohner, wovon rund 40000 Juden waren. Die jüdischen Mitbürger sind einerseits staatsbürgerlich gleichberechtigt, andererseits gesellschaftlich ziemlich isoliert und meistens auf sich selbst angewiesen gewesen. Aus diesem Grund schloss sich die intelligente und temperamentvolle Golda Mabowitsch der sozialistisch-zionistischen Bewegung an und betätigte sich bald erfolgreich als Straßenrednerin.
Besonders gerne hörte Golda Mabowitsch in Milwaukee die Gastvorträge eines jungen sozialistischen Zionisten namens David Grien. Damals ahnte noch niemand, dass dieser später einmal unter dem Namen „David Ben Gurion“ (1886–1973) zum Premierminister des jüdischen Staates aufsteigen würde. Wie Ben Gurion, den sie bewunderte, besaß auch Golda große Opferbereitschaft für die Sache der Zionisten, die von einer Spur Fanatismus geprägt war.
Zur Zeit des Ersten Weltkrieges engagierte sich Golda Mabowitsch in einem Hilfswerk. 1917 heiratete sie den Schildermacher Morris Myerson (Meyerson) aus Denver, von dem sie forderte, das er 1921 mit ihr in das britisch verwaltete Palästina übersiedeln und sich dort einer jüdischen Gemeinschaftsfarm (Kibbuz) anschließen solle. Den Anstoß hierfür gab eine Begegnung Goldas mit Moshe Sharett (1894–1965), der vor seiner Hebräisierung noch „Shartok“ hieß und ihr seine Arbeit bei der „Jewish Agency“ („Jüdisches Büro“) und seinen Kampf um einen eigenen jüdischen Staat erläuterte.
Ab 1921 lebten Golda und Morris Myerson unter kümmerlichsten Verhältnissen im Kibbuz Merhavia in Palästina. Tagsüber bearbeitete Golda mit Spitzhacke und Pflug den Wüstenboden, abends lernte sie Hebräisch und Arabisch. Als ihr Gatte das harte Kibbuz-Leben nicht mehr ertrug, zog das Ehepaar 1923 nach Tel Aviv, wo Golda Meir im sozialistischen Gewerkschaftsbund Histadrut aktiv wurde.
1926 wählte man Golda Meir in den palästinensischen Frauen-Arbeiterrat und in die Exekutive der Histadrut-Organisation, die sie ab 1928 auf internationalen Arbeiterkonferenzen in Großbritannien und in den USA vertrat. 1929 wurde sie zu den „Zionistischen Weltkongressen“ delegiert. Später ist sie als Mitglied der Arbeiterpartei (Mapai) in den Exekutivrat der „Jewish Agency“ gewählt worden.
Ab 1945 lebte Golda Meir getrennt von ihrem Mann, der 1951 starb. Aus der Ehe gingen der Sohn Menachem Myerson und die Tochter Sara Rehavi hervor. In ihrer Freizeit hatte Golda keine Hobbys. Ihre einzige Ablenkung an arbeitsfreien Tagen bestand darin, dass sie kochte, wusch und buk. Der Ausdruck „Kitchen cabinett“ wurde später gebraucht, um Goldas Art Politik zu machen zu definieren.
1945 schickte der jüdische Politiker David Ben Gurion (1886–1973) Golda Meir zum Sammeln von Spenden in die USA. In Chicago erklärte sie den Amerikanern: „Ihr könnt nicht entscheiden, ob wir Krieg führen oder nicht. Wir werden es tun. Ihr könnt nur eines entscheiden: ob wir siegen oder geschlagen werden“. Sie hatte die Überzeugung: „Die Araber wollen uns tot sehen. Wir wollen leben. Da gibt es keinen Kompromiss.“
1946 übernahm Golda Meir die Leitung der politischen Abteilung des „Jüdischen Büros“, als Moshe Sharret und andere Zionistenführer von den Engländern interniert wurden. 1947 hielt sie einen viertägigen totalen Hungerstreik durch, als sich die Engländer weigerten, ein Schiff mit jüdischen Flüchtlingen aus Italien in Palästina an Land gehen zu lassen. 1948 versuchte sie mutig, den Ausbruch des israelisch-arabischen Krieges zu verhindern: Sie begab sich als Araberin verkleidet über die Frontlinien und verhandelte geheim erfolglos mit König Abdallah von Transjordanien (1882–1951).
Am 14. Mai 1948 gehörte Golda Meir zu den Unterzeichnern der Proklamation des neuen Staates Israel, trat in die erste Provisorische Regierung Israels ein und war von Juni 1948 bis April 1949 die erste Gesandte Israels in Moskau. Von 1949 bis 1974 saß sie als Mitglied der Arbeiterpartei im israelischen Parlament, der Knesset. Von März 1949 bis Juni 1956 fungierte sie als Ministerin für Arbeit und Soziales, von 1956 bis 1965 als Außenministerin und von 1969 bis 1974 als Ministerpräsidentin.
In ihrer letzten Phase als Entscheidungsträgerin in der Politik wurde Golda Meir von landesweiten Protesten als Folge des Yom Kippur-Krieges von 1971 persönlich schwer getroffen, wie sie mehrmals zugab. Ab 1974 zog sie sich mehr und mehr von der Politik zurück.
Schwerkrank erlebte Golda Meir die historische Rede des ägyptischen Präsidenten Anwar El Sadat (1918–1981). Ihre Partei wurde 1977 erstmals seit dem Jahr 1948 auf die Oppositionsbank geschickt. Menachem Begin und sein Likud gaben mit bilateralen Friedensverhandlungen mit Ägypten noch Grund zur Hoffnung auf Frieden. Diese führten am 25. April 1982 zum Rückzug Israels aus der gesamten Sinaiinsel, die 1968 erobert worden war.
Golda Meir starb am 8. Dezember 1978 im Alter von 80 Jahren in Jerusalem an Lymphgewebekrebs, der schon 15 Jahre zuvor erkannt worden war. Die Weltpresse würdigte sie in Nachrufen als letzte große Persönlichkeit der israelischen Gründergeneration. Entgegen der Wünsche Goldas schmückt ihr Konterfei israelische Schekel-Banknoten.
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Veröffentlicht von: Ernst Probst Web: http://www.antiquitaeten-shop.net Kontakt: e-Mail
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| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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