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Felicia Langer: Die israelische Menschenrechtlerin
Kategorie: Politik
Veröffentlicht von: Ernst Probst


Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Israels renommierteste Menschenrechtlerin ist die Rechtsanwältin Felicia Langer, geborene Weit. Mehr als zwei Jahrzehnte lang verteidigte sie vor Militärgerichten in Israel palästinensische Opfer israelischer Willkür. Ihr unermüdlicher Einsatz für die Menschenrechte wurde mit dem „Alternativen Nobelpreis“ („Right Livelihood Award“) belohnt. Seit Sommer 1990 lebt sie in Deutschland.

Felicia Weit wurde am 9. Dezember 1930 als Tochter jüdischer Eltern in Tarnów (Polen) geboren. 1939 flüchtete die Achtjährige mit ihren Eltern vor den Nationalsozialisten in die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR). Alle anderen Mitglieder ihrer Familie starben in Konzentrationslagern (KZ).

1949 heiratete Felicia Weit in Breslau (Schlesien) den jüdischen Feinmechaniker Mieciu Langer, der als einziger seiner Familie den Aufenthalt in fünf KZ’s lebend überstand. Aus der Ehe ging 1953 der Sohn Michael hervor. 1950 emigrierte Felicia Langer zusammen mit ihrem Mann Mieciu nach Israel, wo sie 1959 ein Jurastudium begann.

Mitte der 1960-er Jahre eröffnete Felicia Langer in Tel Aviv eine eigene Anwaltspraxis, in der sie vor allem unterprivilegierte Mandanten verteidigte. Bald war sie entsetzt über die von den Israelis praktizierte Unterdrückung der Palästinenser nach dem Sechstagekrieg vom 5. bis 11. Juni 1967 sowie der Besetzung des Westjordanlandes und des Gaza-Streifens.

Daraufhin verlegte Felicia Langer ihre Anwaltskanzlei nach West-Jerusalem und verteidigte fortan vor israelischen Militärgerichten palästinensische Opfer israelischer Willkür. Dagegen weigerte sie sich, Palästinenser zu vertreten, die Angriffe auf die Zivilbevölkerung verübt hatten.

22 Jahre lang bekämpfte Felicia Langer konsequent ein von israelischen Gerichten verwaltetes System der Rechtswidrigkeit. Ihre Klienten berichteten über Folterungen, erzwungene Geständnisse, völkerrechtswidrige Deportationen und sippenhaftähnliche Bestrafungen wie das Niederreißen der Häuser von Verdächtigen. Wegen dieses ungleichen Kampfes wurde sie von den Palästinensern hoch geachtet, von den meisten Israelis dagegen beschimpft und bedroht.

Felicia Langer verfasste insgesamt acht Bücher über ihre Erfahrungen als Menschenrechtsanwältin. Drei davon sind während der Zeit, in der sie in Israel lebte, in englischer Sprache erschienen: „With My Own Eyes“ (1975), „These Are My Brothers“ (1979) und „An Ages of Stone“ (1987). Fünf weitere Bücher kamen in Deutschland heraus, wo sie seit 1990 mit ihrem Mann lebt.

In dem Buch „Die Zeit der Steine – Eine israelische Jüdin über den palästinensischen Widerstand“ (1990) klagt Felicia Langer leidenschaftlich das menschenverachtende Vorgehen der israelischen Besatzungs- und Siedlungspolitik an. In „Zorn und Hoffnung – Autobiographie“ (1991) liefert sie ein Zeugnis für Mut, Widerstand und Liebe innerhalb eines Unrechtssystems, das mit Panzern gegen Kinder kämpft, die mit Steinen ihre Befreiuung zu erreichen versuchen.

Das Werk „Brücke der Träume – Eine Israelin geht nach Deutschland“ (1994) schildert, wie die Autorin in ihrer neuen Heimat mit Symbolen der braunen Vergangenheit konfrontiert wird und wie sie den Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern sieht. In ihrem Werk „Wo Haß keine Grenzen kennt – Eine Anklageschrift“ (1995) untersucht Felicia Langer das Massaker von Hebron, bei dem der jüdische Siedler Baruch Goldstein im Februar 1994 insgesamt 29 betende Palästinenser ermordete.

In „Laßt uns wie Menschen leben – Schein und Wirklichkeit in Palästina“ (1996) tritt Felicia Langer für die Selbstbestimmung der Palästinenser ein. Bei der Vorstellung dieses Titels erklärte sie, die palästinensischen Terrorakte seien abscheulich, aber den Nährboden dafür schafften die Israelis durch Häuserzerstörung, Folter und andere schwerste Menschenrechtsverletzungen.

Im Alter von 59 Jahren hatte Felicia Langer 1990 nach zermürbendem Einsatz für die Rechte verfolgter Palästinenser und die Rechte der Angehörigen getöteter Palästinenser ihre Anwaltspraxis in Israel geschlossen. Nach eigenem Bekunden tat sie dies „aus Protest gegen das Rechtssystem, das zur Farce geworden ist“.

Im Juli 1990 zog Felicia Langer mit ihrem Mann nach Tübingen (Baden-Württemberg), wo ihr Sohn lebt. Dort wollte sie lehrend und schreibend „die öffentliche Meinung in der ganzen Welt für die palästinensische Sache mobilisieren“ sowie „für Frieden und Gerechtigkeit zwischen Israel und Palästina kämpfen“. Den Anfang dafür bildete ein Lehrauftrag an der Bremer Universität über die Lage in den besetzten Gebieten. Außerdem hielt sie Vorträge in Europa und in den USA sowie vor dem UN-Untersuchungsausschuss, der Israels Politik in den besetzten Gebiete überprüfte.

Als Vizepräsidentin der israelischen „Liga für Menschenrechte“ setzte sich Felicia Langer ebenfalls für die Rechte der Palästinenser ein. Ihr ungewöhnliches Engagement begründete sie mit der schmerzvollen Geschichte ihres eigenen Volkes. Sie sagte: „Weil wir Juden wissen, was es heißt, zu leiden, dürfen wir andere nicht unterdrücken.

Felicia Langer erhielt 1990 für ihr Engagement zugunsten der Menschenrechte den „Alternativen Nobelpreis“. Die Jury lobte ihren „Mut in ihrem Kampf um grundlegende Menschenrechte unter sehr schwierigen Umständen“. Der von dem deutsch-schwedischen Wissenschaftler Jakob von Uexküll gestiftete „Alternative Nobelpreis“ wird für herausragende Leistungen zur Lösung drängender menschlicher Probleme vergeben. 1991 wurde Felicia Langer auch der „Bruno-Kreisky-Preis für Menschenrechte“ verliehen.

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler