Jacqueline Kennedy: Die unvergessene „First Lady“ der USAKategorie: Personalien Veröffentlicht von: Ernst Probst
Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:
Amerikas Traumpaar der frühen 1960-er Jahre waren Jacqueline („Jackie“) Kennedy (1929–1994), geborene Bouvier, und der 35. Präsident der USA, John F. Kennedy (1917–1963), der einem Mordanschlag zum Opfer fiel. Die schöne, unnahbare, rätselhafte und steinreiche Witwe erfüllte lange Zeit die Sehnsucht der Amerikaner nach einer monarchistischen Glorienfigur. 1968 heiratete die Präsidentenwitwe überraschend den griechischen Reeder Aristoteles Onassis (1906–1975).
Das Leben von Jacqueline Bouvier begann am 28. Juli 1929 in Southampton, Long Island. Ihr Vater John Bouvier war Bankier und Börsenfachmann in New York und hatte französische Vorfahren. Ihre Mutter Janet Lee ließ sich 1939 von Bouvier scheiden und heiratete später noch zwei Mal. Jacqueline wuchs in den vornehmen Stadt- und Landresidenzen ihrer Eltern auf.
Jacqueline Bouvier besuchte das „Vassar College“ in Poughkeepsie bei New York und bestand dort glänzend ihr Examen. Danach studierte sie an der Sorbonne in Paris und an der George-Washington-Universität in Washington. Sie machte ihre Abschlussprüfung in Französisch und vergleichender Literaturgeschichte. „Jackie“ sprach fließend Französisch und Spanisch sowie etwas Italienisch und war Kunstkennerin.
1951 lernte Jacqueline Bouvier als Fotoreporterin der Zeitung „Washington Times Herald“ den Politiker John F. Kennedy bei einer Dinnerparty kennen. Am 12. September 1953 ließen sich beide in der Marienkirche des Seglerparadieses Newport (Massachusetts) durch den Erzbischof Richard Cushing von Boston trauen. Von 1953 bis 1961 fungierte John F. Kennedy als Senator von Massachusetts.
1955 erlitt Jacqueline Kennedy eine Fehlgeburt. 1956 kam eine Tochter tot zur Welt. 1957 wurde die Tochter Caroline geboren und 1960 der Sohn John Fitzgerald. 1963 starb der Sohn Patrick Bouvier 39 Stunden nach der Geburt.
Im November 1960 gewann John F. Kennedy gegen Richard Nixon (1913–1994) knapp die Präsidentschaftswahlen. Danach renovierte Jacqueline Kennedy in Zusammenarbeit mit Museen in Boston, New York und Washington systematisch das „Weiße Haus“ in Washington. Sie stattete den offiziellen Flügel des „Weißen Hauses“ mit historischen Möbeln und Bildern aus und verwandelte den Amtssitz des Präsidenten in ein nationales Denkmal sowie zu einem Treffpunkt von Politikern, Künstlern und Wissenschaftlern.
Vom politischen Tagesgeschäft hielt sich Jacqueline Kennedy fern. Auf Reisen ihres Mannes trug sie viel zu dessen Popularität bei, so im Mai 1961 in Paris und Wien sowie Ende 1961 in zahlreichen Ländern Lateinamerikas. Bei seiner ersten Auslandsvisite in Frankreich stellte sich John F. Kennedy dem Präsidenten Charles de Gaulle (1890–1970) scherzhaft als der Mann vor, „der Jacqueline Kennedy nach Paris begleitet“. Im Sommer 1962 besuchte „Jackie“ ohne ihren Gatten Indien und Pakistan und war Privatgast von Jawaharlal Nehru (1889–1964) und Ayub Khan (1907–1974).
Jacqueline Kennedy wusste von den Affären ihres Mannes, der als Senator und als Präsident mit immer neuen anderen Frauen schnelle Abenteuer suchte und fand. Sie kompensierte ihre Leere und Einsamkeit mit einem immer maßloser werdenden Hang zum Luxus und mit Kauforgien. Erst 2067 soll das Geheimnis gelüftet werden, was sie Mitte der 1960-er Jahre dem Buchautor William Manchester in einem ihrer ganz seltenen Interviews erzählte.
Am 22. November 1963 erlebte Jacqueline Kennedy den tragischsten Tag ihres Lebens: Während einer Fahrt im offenen Wagen durch Dallas (Texas) fiel ihr Mann einem Attentat zum Opfer. Sie saß neben ihm auf dem Rücksitz, als ihn die Schüsse aus dem Hinterhalt trafen. Ihre tapfere Haltung vom Augenblick der Ermordung bis zur Bestattung auf dem Washingtoner Nationalfriedhof in Arlington beeindruckte damals die Weltöffentlichkeit.
Nach dem Auszug aus dem Weißen Haus lebte die Präsidentenwitwe zunächst in Washington und ab Herbst 1964 in einem 15-Zimmer-Appartement in der Fifth Avenue in New York. In der Folgezeit widmete sich „Jackie“ dem Aufbau der Kennedy-Gedächtnisbibliothek in Boston. Seit Herbst 1965 sah man sie häufig an den bevorzugten Treffpunkten der High Society, wo sie von der Boulevardpresse eifrig beobachtet wurde.
Im März 1964 beauftragten Jacqueline Kennedy und ihr Schwager Senator Robert („Bob“) Kennedy (1925–1968) den Journalisten William Manchester, mit Exklusiv-Material ein Buch über den Mord an John F. Kennedy in Dallas zu schreiben. Der Autor verpflichtete sich, sein Manuskript „Jackie“ und „Bob“ Kennedy vorzulegen.
William Manchester beendete im März 1966 das Manuskript „Der Tod des Präsidenten“, das damals von Robert Kennedy, Arthur Schlesinger und Richard Goodwin, jedoch nicht von „Jackie“ durchgesehen wurde. Der Autor akzeptierte einige Änderungsvorschläge, in denen John F. Kennedys Nachfolger, Präsident Lyndon B. Johnson (1908–1973), schlecht wegkam. Danach bereitete der Verlag Harper & Row die Herausgabe des Buches vor, die Illustrierte „Look“ erwarb die Rechte zum Vorabdruck und verkaufte sie nach Europa.
Angeblich las Jacqueline Kennedy das Buch erst im Spätherbst 1966. Nach der Lektüre ging sie vor Gericht und setzte im Januar 1967 die Streichung von etwa 1600 Wörtern durch. Dieser Regelung folgten die europäischen Illustrierten, das Hamburger Magazin „Stern“ jedoch nur teilweise und erst, nachdem Jacqueline ein persönliches Schreiben an Henri Nannen (1913–1996) gerichtet hatte. Die Affäre um das Buch schadete „Jackies“ Beliebtheit.
Zur Überraschung vieler Amerikaner heiratete die 39-jährige Jacqueline Kennedy am 20. Oktober 1968 den 61 Jahre alten griechischen Milliardär und Großreeder Aristoteles Onassis (1907–1975). Man munkelte, „Jackies“ großes finanzielles Sicherheitsbedürfnis habe sie zu diesem Entschluss bewogen. Die Trauung erfolgte im engsten Kreis von Verwandten und Freunden in griechisch-orthodoxem Ritus auf der Insel Skorpios.
Das Verhältnis zwischen Jacqueline Onassis und ihrer Stieftochter Christina („Tina“) Onassis (1950–1988) wurde als kühl bis ablehnend geschildert. Um die Ehe von Aristoteles und „Jackie“ Onassis soll es im Laufe der Zeit nicht gut bestellt gewesen sein. Gerüchten zufolge plante Onassis bereits die Scheidung. Als der Reeder am 15. März 1975 im Alter von 68 Jahren starb, hielt sich seine Frau in New York auf.
Aristoteles Onassis vermachte den größten Teil seines riesigen Vermögens seiner Tochter Christina. 1977 soll zwischen der Haupterbin „Tina“ und Stiefmutter „Jackie“ ein Vertrag geschlossen worden sein, der beinhaltete, dass die Witwe für umgerechnet 45 Millionen Mark auf sämtliche weiteren Ansprüche verzichtete.
Die zweifache Witwe fand Mitte der 1970-er Jahre in New York einen eigenständigen Beruf und 1977 mit dem New Yorker Diamantenhändler und Finanzberater Maurice Tempelsman einen treuen Lebensgefährten. Tempelsman lebte von seiner Frau, die ihm drei Kinder geboren hatte, getrennt. Ab Herbst 1975 wirkte „Jackie“ als Hilfslektorin im Verlagshaus „Viking Press“ – zunächst für umgerechnet knapp 350 Mark Wochenlohn – und gab Ende 1976 ihr erstes Buch „In the Russian Style“ heraus.
Im Herbst 1977 kündigte „Jackie“ ihre Tätigkeit bei „Viking Press“, nachdem der Verlag einen Roman über eine erfundene Mordverschwörung gegen Senator Edward („Ted“) Kennedy veröffentlicht hatte. Von 1978 an arbeitete sie als Lektorin beim New Yorker Buchverlag „Doubleday and Co.“. Ab 1982 fungierte sie als Herausgeberin und betreute in dieser Funktion auch die 1988 erschienene Autobiographie „Moonwalk“ des Sängers Michael Jackson.
Mehrere Verleger boten „Jackie“ Millionensummen für ein eigenes Buch über „Glanz und Elend der Kennedys“ an. Doch sie lehnte dies immer mit der Begründung ab, eine Epoche des Herzens lasse sich nicht profan beschreiben.
„Jackie“ war dreifache Großmutter. Ihre Tochter Caroline, seit 1986 mit dem Wissenschaftler, Kunstexperten und Unternehmer Edwin A. Schlossberg verheiratet, brachte 1988 die Tochter Rose, 1990 die Tochter Tatiana und 1993 den Sohn John zur Welt.
Im Januar 1994 stellten Ärzte bei „Jackie“ Lymphdrüsenkrebs fest, versprachen ihr jedoch beste Heilungschancen. Sie unterzog sich einer schmerzhaften Chemotherapie und einer Strahlenbehandlung, die augenscheinlich Wirkung zeigten. Doch im Mai 1994 musste sie wegen starker Schmerzen das „Cornell Medical Center“ aufsuchen. Dort stellten die Ärzte fest, dass sich die Krebszellen rasant ausgebreitet und inzwischen auch die Leber und das Gehirn angegriffen hatten und es keine Rettung mehr gab.
Nach dieser niederschmetternden Diagnose ließ sich „Jackie“ in ihre New Yorker Wohnung zurückfahren, weil sie nicht in der Klinik sterben wollte. Bei der Entlassung diagnostizierten die Ärzte eine Lungenentzündung, doch die Patientin wollte keine lebensverlängernden Antiobiotika. Umringt von ihren Kindern Caroline und John sowie anderen Familienmitgliedern bat die strenggläubige Katholikin einen Priester an ihr Bett. Kurz danach dämmerte sie in ein Koma, aus dem sie nicht mehr aufwachte. Sie starb am 19. Mai 1994 um 22.15 Uhr im Alter von 64 Jahren. Man begrub sie auf dem Nationalfriedhof in Arlington neben ihrem ersten Mann, John F. Kennedy.
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| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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