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Petra Kelly: Die Symbolfigur der Grünen
Kategorie: Politik
Veröffentlicht von: Ernst Probst


Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Eine unvergessene Symbolfigur der Umweltpartei „Die Grünen“ ist die deutsche Politologin und Politikerin Petra Kelly (1947–1992), geborene Lehmann. Die blitzgescheite und couragierte Frau setzte sich bis zur Selbstaufgabe für den Umweltschutz sowie für die Frauen-, Friedens- und Anti-Atom-Bewegung ein. Im Herbst 1992 löste der mysteriöse Tod von Petra Kelly und ihres Lebensgefährten Gert Bastian (1923–1992) große Trauer aus.

Petra Karin Lehmann kam am 29. November 1947 in Günzburg/Donau (Bayern) zur Welt. Ihr Vater, der Journalist Richard Siegfried Lehmann, verließ die Familie, als seine Tochter sieben Jahre alt war. Weil ihre Mutter Marianne, geb. Birle, ganztags auswärts arbeitete, wurde Petra von ihrer Großmutter Kunigunde Birle aufgezogen.

1959 heiratete die geschiedene Mutter den amerikanischen Leutnant irischer Herkunft, John E. Kelly. Die zwölfjährige Petra beschloss, fortan – statt des Namens „Lehmann“ ihres leiblichen Vaters – den Namen „Kelly“ ihres Stiefvaters zu tragen., behielt jedoch die deutsche Staatsangehörigkeit. 1960 kam die Halbschwester Grace Patricia zur Welt, die von Petra sehr geliebt wurde.

Petra Kelly besuchte das katholische Mädchen-Internat der „Englischen Fräulein“ in Günzburg und wollte damals Dominikaner-Nonne in Afrika werden. Als 13-Jährige zog sie mit ihren Eltern in die USA und ging dort nach 1960 auf High Schools in Georgia und Virginia. Von 1966 bis 1970 studierte sie Politische Wissenschaften und Weltpolitik in Washington an der American University (School of International Service) und erwarb – mit „cum laude“ – den akademischen Grad „Bachelor of Arts“.

An der American University lehrte Petra Kelly ein Jahr lang als Dozentin. Außerdem half sie in den Büros der demokratischen Senatoren Robert Kennedy (1925–1968) und Hubert Humphrey, fungierte als Vorsitzende der „Internationalen Woche“ und einer Reihe von weltpolitischen Seminaren, Vortragsveranstaltungen und weltpolitischen Seminaren.

Als Senator Humphrey 1968 gegen den Republikaner Richard Nixon (1913–1994) die Präsidentschaftswahlen verlor, weinte Petra Kelly und zog wütend ihren Antrag auf Einbürgerung in die USA zurück. Mit 22 Jahren ging sie ins Pentagon (Verteidigungsministerium) und verhinderte die Einziehung ihres Stiefvater zum Vietnamkrieg, weil ihre kleine Stiefschwester Grace Patricia todkrank war. Damals schrieb sie auch einen Brief an Papst Paul VI. (1897–1978), der ihr und ihrer Familie eine Audienz gewährte. Als die erhoffte Wunderheilung ausblieb, trat sie aus der katholischen Kirche aus.

Während ihres Aufenthaltes in den USA engagierte sich Petra Kelly für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung, für „Women’s Liberation“ (Frauenbewegung) und gegen den Vietnamkrieg. Nach dem Tod ihrer Halbschwester Grace Patricia, die 1970 im Alter von zehn Jahren an Krebs starb, ging Petra nach Europa zurück.

Von 1970 bis 1971 studierte Petra Kelly Politische Wissenschaften und Europäische Integration an der Universität von Amsterdam, machte dort ihren „Master Degree“ und arbeitete bis Anfang Oktober 1971 als Forschungsassistentin am „Europa Institut“. Noch 1971 wurde sie Mitarbeiterin der „Europäischen Gemeinschaften“ (EG) in Brüssel. Als frischgebackene Referendarin lebte die 24-Jährige mit ihrem Chef, dem aus den Niederlanden stammenden EG-Kommissar Sicco L. Mansholt (1908–1995), ein Jahr lang zusammen.

Ab 1972 engagierte sich Petra Kelly beim „Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz“ (BBU), in dem sie 1979 in den Vorstand aufstieg. 1973 gründete sie die „Grace Patricia Kelly-Vereinigung zur Unterstützung der Krebsforschung für Kinder e. V.“. Von Oktober 1973 bis Anfang 1982 arbeitete sie als Verwaltungsrätin im Sekretariat der Fachgruppen Sozialfragen, Umweltschutz, Gesundheitswesen und Verbrauch der EG in Brüssel.

1979 trat Petra Kelly nach siebenjähriger Mitgliedschaft aus der „Sozialdemokratischen Partei Deutschlands“ (SPD) aus, weil ihr deren Frauen-, Gesundheits- und Kernkraftpolitik nicht gefielen. Anfang 1980 hob sie die Umweltpartei „Die Grünen“ mit aus der Taufe. Im März 1980 wurde sie ehrenamtliches Mitglied des dreiköpfigen Bundesvorstandes der Grünen und deren Sprecherin. Beim Parteitag der Grünen in Offenbach im Oktober 1981 wählte man sie erneut in den Vorstand. Auf der Bundesversammlung der Grünen im November 1982 verzichtete sie entsprechend dem Rotationsprinzip auf eine weitere Vorstandskandidatur.

1982 erhielt Petra Kelly den „Alternativen Friedensnobelpreis“ („Right Livelihood Award“). Die von dem deutsch-schwedischen Wissenschaftler Jakob von Uexküll gestiftete Auszeichnung wird für herausragende Leistungen zur Lösung drängender menschlicher Probleme vergeben.

Am 6. März 1983 wurde Petra Kelly Bundestagsabgeordnete für „Die Grünen“. 1983 ist sie von der amerikanischen Frauenorganisation „Women Strike for Peace“ als „Frau des Jahres“ geehrt worden. Von 1983 bis April 1984 fungierte sie mit Otto Schily und Marie-Luise Beck-Oberdorf als Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion.

Die 1,59 Meter große und zierliche Politikerin trieb in pausenlosem Einsatz schlimmsten Raubbau an ihrer ganz und gar nicht robusten Gesundheit. Sie litt an chronischen Nierenbeschwerden, Herzrasen, Kreislaufstörungen und hatte exzentrische Ess- und Diätgewohnheiten. Bei ihrer Atem- und Sprechtechnik gingen die Sätze so ineinander über, dass niemand sie unterbrechen konnte.

Petra Kelly und der ehemalige Drei-Sterne-General Gert Bastian lernten sich erstmals auf einer Veranstaltung in München im November 1980 kennen. Der verheiratete Abgeordnete der Grünen wurde ihr Lebensgefährte, verließ jedoch im Februar 1984 die Fraktion wieder. Ungeachtet dessen arbeiteten beide Tür an Tür im Bonner Regierungsviertel und lebten seit 1985 in einem Reihenhaus mit Alarmanlage und ohne Türschild in Bonn-Tannenbusch zusammen.

Mit ihrem Gefährten setzte sich Petra Kelly – sei es bei Erich Honecker (1912–1994) in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR), Michail Gorbatschow in der Sowjetunion, der chinesischen Führung oder dem südafrikanischen Apartheid-Regime – stets mutig und ohne Rücksicht auf Nachteile für die Menschenrechte von Unterdrückten ein. „Niemand hat so viele in der DDR verbotene Bücher, Papiere und Materialien nach Ost-Berlin geschafft, wie die beiden“, erklärte der Politiker Lukas Beckmann, ein Weggefährte Petra Kellys seit Gründung der Grünen.

1987 missachtete Petra Kelly den Rotationsbeschluss der Umweltpartei und kehrte erneut als Abgeordnete der Grünen in den Deutschen Bundestag zurück. 1990 bemühte sie sich erfolglos um eine weitere Bundestagskandidatur. Sie konnte bei den Landesversammlungen in Hessen, Bayern und Sachsen-Anhalt keine Mehrheit für ihre dritte „Amtszeit“ mobilisieren. Im April 1991 kandidierte sie vergeblich für das Amt der Vorstandssprecherin der Grünen.

Im Herbst 1992 löste der gemeinsame, gewaltsame Tod der 44-jährigen Petra Kelly und des 69 Jahre alten Gert Bastian nicht nur bei den Grünen große Bestürzung und Ratlosigkeit aus. Der Waffennarr Bastian hatte offenbar in dem gemeinsam bewohnten Reihenhaus in der Swinemünder Straße 6 in Bonn-Tannenbusch mit einer Pistole zunächst Petra Kelly im Schlaf und dann sich selbst erschossen.

Die Leichen des Paares wurden am 19. Oktober 1992 – erst Wochen nach dem Tod – entdeckt. Petra lag in ihrem Bett, Bastian im Flur. Weil die beiden seit längerer Zeit nichts mehr von sich hören ließen, hatten Verwandte aus Süddeutschland zwei Bekannte, die einen Schlüssel besaßen, gebeten, nach dem Rechten zu sehen. Die Betreuer, eine Frau und ihr Sohn, betraten das Haus und fanden die Leichen von Petra Kelly und Gert Bastian. Die „Queen of the Greens“ fand ihre letzte Ruhestätte in Würzburg (Bayern).

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler