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Dolores Ibárruri: „La Pasionara“ („die Leidenschaftliche“)
Kategorie: Politik
Veröffentlicht von: Ernst Probst


Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Spaniens legendärste Kommunistin war die Politikerin Dolores Ibárruri (1895–1089), eigentlich Isidora Ibárruri Gómez. In ihrer Heimat nannte man sie „La Pasionaria“ („die Leidenschaftliche“). Nach ihrem Tod erklärte eine Regierungssprecherin, sie sei das größte Symbol der Arbeiter im Spanien des 20. Jahrhunderts gewesen. Mit ihr sei ein Stück von Spaniens Vergangenheit endgültig Geschichte geworden.

Isidora Ibárruri Gómez kam am 9. Dezember 1895 in Gallarte (Provinz Vizcaya) als achtes von elf Kindern eines baskischen Bergarbeiters zur Welt. Auch ihr Großvater und einer ihrer Brüder waren Bergarbeiter. Ihre Eltern lebten in ärmlichen Verhältnissen und waren streng katholisch. Aus religiösen Gründen nahm Isidora später den Vornamen ihrer Mutter Dolores („Schmerzensreiche“) an.

Dank ihrer Intelligenz und ihrer guten Leistungen in der Volksschule hätte Dolores Ibárruri eigentlich ein Studium an einem Lehrerseminar beginnen können, doch dafür fehlte ihren Eltern das nötige Geld. Deswegen erlernte sie das Schneiderhandwerk und verdiente sich ihren Lebensunterhalt als Hausmädchen und Fischverkäuferin.

1916 heiratete Dolores Ibárruri den Bergmann Julián Ruiz Gabina (1890–1972), der sich zunächst in der sozialistischen und später in der kommunistischen Bewegung Spaniens engagierte. Aus der Ehe der beiden gingen sechs Kinder hervor, von denen jedoch nur zwei das Erwachsenenalter erreichten. Weil ihr Gatte wegen seiner Aktivitäten mehrfach Gefängnisstrafen verbüßte, war Dolores häufig auf sich allein gestellt.

1917 trat Dolores Ibárruri in Somorrostro in die „Spanische Sozialistische Arbeiterpartei“ (PSOE) ein. Nach der Oktoberrevolution 1917 in Russland studierte sie die Schriften von Karl Marx (1818–1883) und Friedrich Engels (1820–1895). Dabei öffnete sich für sie „ein Fenster ins Leben hinaus“.

1920 beteiligte sich Dolores Ibárruri an der Gründung der ersten Zellen der „Kommunistischen Partei“ in Asturien. Außerdem wählte man sie in das erste Provinzkomitee der damals aus der Taufe gehobenen spanischen KP (PCE) im Baskenland. Unter dem Pseudonym „La Pasionaria“ verfasste sie Artikel für die Bergarbeiterzeitung „El Minero Vizcaino“.

Ab 1930 fungierte Dolores Ibárruri als Delegierte der Nationalkon-ferenz der PCE und Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der PCE. 1932 wurde sie in das Politbüro gewählt. Von 1931 an arbeitete sie für die Parteileitung auch in Paris und schrieb für das ZK-Organ, „El Mundo Obrero“ („Welt des Ar-beiters“). 1933 besuchte sie erstmals die „Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken“ (UdSSR), um am 13. Parteitag teilzunehmen. 1934 rief sie eine antifaschistische Frauenvereinigung ins Leben.

Zu Beginn der 1930-er Jahre plante die KPS eine „Volksfront“ aller Linksparteien. 1934 schlossen sich zunächst die KP und die „Spanische Sozialistische Arbeiterpartei“ von Francisco Largo Caballero (1869–1946) zusammen. Diese beiden Parteien organisierten einen Aufstand in den asturischen Bergwerken, der jedoch von der Regierung in Madrid unterdrückt werden konnte.

1935 flüchteten Dolores Ibárruri und der Generalsekretär der spanischen KP, José Diaz (1896–1942), über die Pyrenäen. In Moskau wählte man Dolores 1935 zum Mitglied der Exekutive der „Kommunistischen Internationale“ („Komintern“). 1936 erkämpften Republikaner, Sozialisten und Kommunisten in Spanien einen großen Wahlsieg. Dolores Ibárruri kam als Abgeordnete für Oviedo in das spanische Parlament, die Cortes.

Während des Spanischen Bürgerkrieges von 1937 bis 1939 fungierte Dolores Ibárruri als Präsidentin der Cortes. Damals und vor allem bei den Kämpfen um Madrid tat sie sich als Agitatorin hervor. Von ihr stammt der Ausspruch „Lieber stehend sterben, als kniend leben“. Ihre Parole „No pasaran“ („Sie kommen nicht durch“) ging um die Welt und machte sie zu einem Mythos.

Als Barcelona, wohin sich die republikanische Regierung aus Madrid zurückgezogen hatte, fiel, flüchtete Dolores Ibárruri mit Mitgliedern der Regierung zunächst nach Paris und später in die Sowjetunion. Sie überlebte die Säuberungen durch den Diktator Josef Stalin (1879–1953) und wurde 1942 nach dem Tod von José Diaz zum Generalsekretär der spanischen Exil-KP gewählt. 1942 fiel ihr Sohn Rubén bei Stalingrad.

Am 13. Mai 1977 kehrte Dolores Ibárruri nach 38-jährigem Moskauer Exil nach Spanien zurück. Bei ihrem ersten Auftreten in der Öffentlichkeit verwies sie auf ihre Bindungen an die Sowjetunion und lobte das dortige Regime. Im Juni 1977 unterstützte sie jedoch den spanischen KP-Chef Santiago Carrillo, der von Moskau wegen seiner Ansichten über den Eurokommunismus heftig kritisiert wurde.

1977 wurde Dolores Ibárruri ins Parlament gewählt und als Präsidentin der KPS Mitglied des Präsidiums. In Begleitung von Carillo besuchte sie im Oktober 1977 Moskau. Später bestätigte man sie mehrfach als Parteipräsidentin. Am Streit zwischen dem stalinistischen Flügel und den Reformern, die zur Spaltung führten, beteiligte sich die „große Mutter in Schwarz“ nicht mehr.

Dolores Ibárruri erhielt 1964 den Lenin-Friedenspreis und 1965 den Leninorden. Aus ihrer Feder stammen die Bücher „Die Frauen wünschen Volksfrieden“ (1938), „El único camino“ (1962, Autobiographie), „De febrero a octobre 1917–1967“, „En la Lucha“ (1968), „España estado multinacional“ (1970), „Guerra y Revolución en España 1960–1977“ und „Memorias de Pasionara 1939–1977“. Der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway (1899–1961) verewigte sie in seinem Werk „Pilar“ („Wem die Stunde schlägt“).

Den Lebensabend verbrachte Dolores Ibárruri bei ihrer Tochter Amaya, die sie bis zu ihrem Tod pflegte. Am 12. November 1989 starb „die Pasionara“ im Alter von 93 Jahren in einem Madrider Krankenhaus an den Folgen einer Lungenentzündung.

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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler