Kaiserin Farah Diba: Irans erste KaiserinKategorie: Politik Veröffentlicht von: Ernst Probst
Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:
Die erste Frau in der Geschichte Persiens, die zur Kaiserin gekrönt wurde, war Farah Diba. Bei der glanzvollen Zeremonie am 26. Oktober 1967 setzte der bereits seit 26 Jahren regierende Schah Rezah Pahlavi (1919–1980) zuerst sich und dann seiner Gattin die Krone aufs Haupt. Fortan trug Farah den Titel „Schahbanu“ (deutsch: „Gemahlin des Schahs“). Im Februar 1979 musste das Kaiserpaar das Land verlassen, im Juli 1980 war Farah bereits Witwe.
Farah Diba erblickte am 14. Oktober 1938 als einzige Tochter einer angesehenen, aber nicht reichen Familie in Iranisch-Aserbaidschan das Licht der Welt. Ihr Großvater Sho’addouleh gehörte vor dem Ersten Weltkrieg der persischen Botschaft in Moskau an. Ihr Vater Schrab Diba brachte es in der Kaiserlich-Iranischen Armee zum Hauptmann, ehe er sich ins Privatleben zurückzog.
Nach dem Tod des Vaters, der 1948 an den Folgen einer Operation starb, wuchs Farah Diba unter der Obhut ihrer Mutter und eines Onkels auf, der als Architekt arbeitete. Sie besuchte die französische „Jeanne d’Arc-Schule“ und das ebenfalls französisch geführte Gymnasium „Razi“ in Teheran und studierte von 1957 bis 1959 Architektur an der Pariser „Ecole Spéciale d’Archi-tecture“.
Während ihrer Studienzeit in Paris gehörte Farah Diba der Meistermannschaft im Basketball an. Im Sommer pflegte die sportliche Studentin jeweils nach dem Morgengebet eine Stunde lang zu schwimmen. In der französischen Hauptstadt begegnete Farah 1959 den Schah bei einem Empfang iranischer Studenten in der Pariser Botschaft, als dieser seine Europareise machte.
In Paris lernte Farah Diba auch den Schwager des Schahs, Ardeshir Zahedi, kennen. Er fungierte als Leiter des iranischen Programms für Auslandsstudenten. Zahedi war von der Persönlichkeit Farahs sehr angetan und machte sie mit seiner Frau Prinzessin Schanaz bekannt. Diese wiederum vermittelte ein weiteres Treffen mit dem „Schah-in-schah“ (deutsch: „König der Könige“) bei einem privaten Essen der kaiserlichen Familie in Teheran.
Bereits wenige Wochen später – am 23. Februar 1959 – feierten der Schah und Farah Diba ihre Verlobung. Am 21. Dezember 1959 schloss der 40 Jahre alte Schah in Teheran mit der 21-jährigen Farah Diba seine dritte Ehe. Farah war nach der ägyptischen Prinzessin Fawzia (erste Frau von 1939 bis 1948 und Schwester des ägyptischen Königs Faruk) und Soraya Esfandiari-Baktiari (zweite Frau von 1951 bis 1958), deren Mutter aus Deutschland stammte, die erste reinblütige Perserin unter den Gattinnen des Schahs.
Der ersehnte Thronfolger Reza Cyrus Ali kam am 31. Oktober 1960 zur Welt. Es folgten im März 1963 die Tochter Masumeh Fahranaz, im April 1966 zweite Sohn Ali Reza und im März 1970 die zweite Tochter Leila.
Am 8. September 1967 stimmte das iranische Parlament einer Verfassungsänderung zu, die vorsah, dass Farah Diba im Falle des Todes des Schahs bis zur Volljährigkeit des Thronfolgers (1980) einem achtköpfigen Regentschaftsrat vorstehen hätte müssen. Auf diese Weise wäre sie bis zur Volljährigkeit ihres ersten Sohnes Staatsoberhaupt gewesen. Am 26. Oktober 1967 wurden der Schah zum Kaiser und seine Frau zur Kaiserin gekrönt.
Farah Diba widmete sich nicht nur ihrer Familie, sondern auch 34 sozialen, pädagogischen und kulturellen Organisationen, deren Präsidentin sie war. Sie unterstützte gesellschaftskritische Theaterinszenierungen, deren gewagte Themen ohne ihr Patronat unter dem Schahregime nie genehmigt worden wären, wie etwa die zehn Teehaus-Szenen des Isma’il Chaladsch „Den Freitag töten“ mit deutlicher Kritik an den sozialen Verhältnissen in Iran. Außerdem setzte sie sich für liberale Ehe- und Scheidungsgesetze ein, förderte Schulen, Berufsausbildung, soziale Einrichtungen und Zentren für Familienplanung. Zudem beriet sie den Schah in kulturellen und sozialen Fragen.
Die Kaiserin engagierte sich nachdrücklich für die Befreiung der persischen Frauen von mittelalterlichen Traditionen. Ihre vier Kinder erzog sie nach modernen westlichen Gesichtspunkten. Ihr Image als selbständige, moderne orientalische Frau schadete ihr allerdings zunehmends, als innenpolitische Spannungen auftraten und der religiöse Traditionalismus wiedererstarkte. Dieser agierte auch gegen die Aktivitäten der ausgebildeten Architektin, die modernen, wohl oft zu westlichen Künste in Iran zu fördern, wie etwa durch die Einladung von Karl-Heinz Stockhausen zu den von ihr iniitierten Schirazer Kunstfestspielen.
Zwischen August 1978 und Februar 1979 erreichte der Widerstand gegen die als Diktatur empfundene Herrschaft der Pahlavis mit dem Generalstreik und der revolutionären Erhebung der Massen ihren Höhepunkt. Der Schah verließ am 16. Januar 1979 den Iran, hielt sich zunächst in Ägypten, ab Ende Januar in Marokko und später von Ende März bis Juni auf den Bahamas auf.
Dank der Vermittlung des damaligen amerikanischen Außenministers Henry Kissinger durfte die Familie des Schahs am 9. Juni 1979 nach Mexiko einreisen. Im Oktober 1979 suchte der an Krebs erkrankte Schah eine Klinik in New York auf, worauf die amerikanische Botschaft in Teheran durch iranische Studenten besetzt wurde. Während der Behandlung weigerte sich Mexiko, die Aufenthaltsgenehmigung zu verlängern.
Nach längeren Verhandlungen erklärte sich Panama bereit, dem Schah eine kleine Insel als Aufenthaltsort zur Verfügung zu stellen. Ende März 1980 machte die Familie des Schahs von dem Angebot des ägyptischen Staatspräsidenten Muhammad Anwar Sadat (1918–1981) Gebrauch, sich in Kairo niederzulassen. Dort starb der Schah nach mehreren Operationen am 27. Juli 1980.
Farah Diba, die sich heute „Farah Pavlavi“ nennt, blieb auch nach dem Tod ihres Mannes in der ägyptischen Hauptstadt und erwarb dort Anfang 1982 eine Villa im Vorort Heliopolis. Zudem kaufte sie ein Landhaus an der Côte d’Azur in Frankreich und eine Eigentumswohnung in Paris. Außerdem besitzt sie ein Domizil in der amerikanischen Universitätsstadt Williamstown (Massachusetts), wo sie sich oft aufhielt, da ihre drei jüngeren Kinder in den USA studierten.
Farah Dibas ältester Sohn Reza Cyrus Ali ließ sich am 31. Oktober 1980 zum Schah Reza II. proklamieren. In der Folgezeit versuchte er, von Marokko aus Politik zu machen. Dagegen zog sich Farah Diba weitgehend aus der Politik zurück, bekannte sich jedoch gelegentlich entschieden zur Monarchie.
Zu Farah Dibas 60. Geburtstag im Oktober 1998 berichtete die Presse, die Schahwitwe habe die Hoffnung auf eine Heimkehr in den Iran nie aufgegeben. Sie wünsche sich den Tag herbei, an dem sie die Asche ihres Gatten heimbringen könne, und habe jeden Tag Heimweh. Heiraten wolle sie nie wieder. Kein Mann der Welt lasse sie den Schah vergessen.
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| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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