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Martina Navratilova: Die beste Tennisspielerin der USA
Kategorie: Sport
Veröffentlicht von: Ernst Probst


Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Eine Erfolgsbilanz der Superlative konnte die amerikanische Tennisspielerin Martina Navratilova, geborene Subertova, vorlegen, als sie sich 1994 vom Sport verabschiedete. Die Linkshänderin erkämpfte insgesamt 55 Siege in Grand Slam-Turnieren (18 im Einzel, 37 im Doppel), neun im Wimbledon-Einzel, 167 Turniersiege und 165 Doppeltitel. Außerdem war sie 1983 „Weltsportlerin des Jahres“ und nahm bis 1997 unter den Top-Ten der Tennis-Damen, die das meiste Preisgeld verdienten, mit 20344061 US-Dollar den ersten Platz ein.

Martina Subertova erblickte am 18. Oktober 1956 in Revnice unweit der tschechoslowakischen Hauptstadt Prag das Licht der Welt. Das Mädchen stammt aus einer tennisbegeisterten Familie. Martinas Großmutter wurde 1935 Meisterin von Böhmen, ihre Mutter spielte noch 1975 für den örtlichen Tennisclub, und ihre Schwester Jana galt jahrelang als großes Tennistalent.

Die Eltern ließen sich scheiden, als Martina drei Jahre alt war. Im Jahr darauf schied ihr leiblicher Vater durch Selbstmord aus dem Leben. Von diesem Freitod erfuhr seine Tochter – wie aus ihrer Autobiographie „So bin ich“ (1991) hervorgeht – erst als Erwachsene im Alter von 23 Jahren. Das Mädchen erhielt den Namen seines Stiefvaters und ersten Tennislehrers Mirek Navratil.

Als Zehnjährige wurde Martina Navratilova vom tschechischen Tennisspieler George Parma trainiert. Mit 15 Jahren gewann sie erstmals die tschechoslowakische Meisterschaft. 1973 stieß sie in Wimbledon (Großbritannien) bis ins Junioren-Finale vor. Im selben Jahr unternahm sie auch ihre erste Tournee in die USA, wo es ihr sehr gut gefiel.

1974 ging Martina Navratilova in Orlando (Florida) aus einem „Virginia-Slims-Turnier“ als Siegerin hervor. Zum Jahresende 1974 lag sie schon auf Platz 10 in der Weltrangliste. Mit der CSSR-Mannschaft gewann sie 1975 den „Federation Cup“. Außerdem drang sie bei den „Australian Open“ und bei den „French Open“ ins Finale vor.

Wegen ihres ausgeprägten Freiheitsdrangs geriet Martina Navratilova immer stärker in Konflikt mit den tschechoslowakischen Sportfunktionären. Am 6. September 1975 bat die 18-Jährige während der „US Open“ in Forest Hills (US-Bundesstaat New York) um politisches Asyl in den USA. Dort lebte sie fünf Jahre lang als Staatenlose und spielte weiterhin für die Tschechoslowakei, ehe sie nach zwei abgelehnten Anträgen am 21. Juli 1981 die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt.

In ihrem Heimatland Tschechoslowakei wurden Martina Navratilovas zahlreiche Erfolge als Tennisstar jahrelang totgeschwiegen. Im Frühjahr 1986 spielte sie als Mitglied des amerikanischen „Federation Cup-Teams“ erstmals wieder in der CSSR, wo sie im Gegensatz zu den Medien von ihren Landsleuten herzlich empfangen wurde. Bei der Öffnung der tschechoslowakischen Genzen im November 1989 saß sie vor dem Fernsehgerät und weinte vor Freude.

In den USA legte Martina Navratilova zunächst eine maßlose Fress- und Kaufsucht an den Tag. Bald wog die 1,75 Meter große Tennisspielerin 75 Kilogramm und wurde als „Pummelchen“ bezeichnet, worauf ihre erste Beraterin Sandra Hannie den Speiseplan radikal änderte. Seitdem hielt Martina ein strenges Diät- und Konditionsprogramm ein und konnte ihr Gewicht bei 66 Kilogramm halten.

Die junge Emigrantin gewann 1976 in Wimbledon zusammen mit der Amerikanerin Chris Evert das Finale im Doppel. 1978 besiegte sie im Einzel den damaligen weiblichen Publikumsliebling Chris Evert in Wimbledon. Im September 1978 thronte Martina auf Platz 1 der Weltrangliste und überrundete mit einem Jahresverdienst von 500000 US-Dollar alle Konkurrentinnen.

Auch 1979 triumphierte Martina Navratilova auf dem „heiligen Rasen“ von Wimbledon im Einzel gegen Chris Evert und gewann zusammen mit der 20-fachen amerikanischen Wimbledonsiegerin Billie Jean King das Doppel. 1980 und 1981 dagegen schied sie in Wimbledon bereits im Halbfinale aus. Das 0:6, 0:6 von 1981 gegen Chris Evert war eine ihrer bittersten Niederlagen.

Martina Navratilovas Vertraute und Betreuer waren meistens Frauen wie Dr. Renée Richards, Nancy Lieberman und die Tennisspielerin Billie Jean King. 1981 erzählte sie einem Reporter unter dem Siegel der Verschwiegenheit über ihre Romanze mit der Schriftstellerin Rita Mae Brown. Der Journalist behielt das Geheimnis nicht für sich, sondern schrieb darüber eine Story. Von da bekannte sich Martina offen zu ihrer lesbischen Neigung.

1982 entschied Martina Navratilova von 93 Spielen 90 für sich, und 1983 verlor sie von 87 Spielen nur ein einziges, nämlich das Achtelfinale der „French Open“. Letztere Niederlage vermasselte ihr den Traum von einem Grand Slam, den bis dahin nur die Amerikanerin Maureen Connolly (1953) und die Australierin Margaret Court-Smith (1970) geschafft hatten. Ende 1983 wählte man sie als erste Tennisspielerin zur „Weltsportlerin des Jahres“.

Die „Tennis-Königin“ zeigte auch als mehrfache Millionärin noch ein soziales Gewissen. Sie half nicht nur ihren Eltern und Freunden mit Geldzuwendungen, sondern gründete 1983 auch die „Martina Youth Foundation“, die Kindern aus sozial schwachen Familien finanziell hilft. Außerdem kämpft sie für die Rechte der Homosexuellen und für den Tierschutz und ist die Frontfigur einer Kampagne in den USA, die die Aidshilfe, die Brustkrebsforschung und homosexuelle Künstler unterstützt.

1984 gewann Martina Navratilova 74 Spiele hintereinander. Diese Erfolgsserie wurde erst bei den „Australian Open“ von der Tschechin Helena Sukova gestoppt. Damit fehlte ihr erneut ein Titel zum Gewinn des Grand Slam. Trostpflaster dürften jedoch die Preisgelder von insgesamt 2,17 Millionen US-Dollar gewesen sein, die in jenem Jahr weltweit nur von drei Boxprofis überboten wurden.

Im Januar 1985 erkämpfte Martina Navratilova ihren 100. Grand-Prix-Sieg. Von Mai bis September jenes Jahres musste sie ihren ersten Platz auf der Weltrangliste für Chris Evert räumen. Triumphe in Wimbledon, bei den „US Open“ und bei den Masters-Turnieren im März und November 1986 brachten sie jedoch schnell wieder auf Platz 1 der Weltrangliste.

Eine zukunftsweisende Niederlage durch die Deutsche Steffi Graf erlitt Martina Navratilova 1986 bei den „Internationalen Deutschen Meisterschaften“ in Berlin. In der Folgezeit kämpften die beiden mehrfach um den Thron im Damentennis. Am 16. August 1987 wurde die Amerikanerin durch die Deutsche als Nummer 1 der Weltrangliste abgelöst. Auch 1988 und 1989 lag sie hinter Steffi Graf auf Platz 2.

Am 7. Juli 1990 erkämpfte Martina Navratilova mit 6:4, 6:1 gegen Zina Garrison, an der zuvor Monica Seles und Steffi Graf gescheitert waren, ihren neunten Sieg in Wimbledon. Dadurch übertraf sie die den 52 Jahre alten Rekord von Helen Wills-Moody (1905–1998) mit acht Wimbledon-Titeln. Überglücklich sagte sie nach ihrer Ehrenrunde, sie sei bisher in ihrem Leben noch nie betrunken gewesen, heute könnte es erstmals soweit sein. Danach gelang ihr kein Grand Slam-Sieg mehr, sie stellte aber noch manchen Rekord auf.

1991 erreichte Martina Navratilova in Mailand (Italien) im Halbfinale gegen die Amerikanerin Mary Joe Fernandez ihren 1310. Einzelsieg, einen mehr als die vorherige Rekordhalterin Chris Evert. Einen Monat später brach sie in Oakland mit dem Finalsieg über die

17 Jahre jüngere Weltranglistenerste Monica Seles den Rekord Chris Everts von 157 Turniersiegen im Einzel. Eher negative Schlagzeilen machten 1991 die Trennung von ihrer langjährigen Lebensgefährtin Judy Nelson und der folgende Abfindungsprozess.

Anfang 1993 entschied das „Tennis-Fossil“, wie Martina Navratilova inzwischen scherzhaft genannt wurde, das Halbfinale des Turniers in Tokio gegen Steffi Graf für sich. Es war ihr neunter Sieg gegen die Deutsche. Bei den Hallenmeisterschaften in Paris war sie gegen Monica Seles die älteste Spielerin, die jemals eine Weltranglistenerste besiegt hatte.

Ihr letztes Match als Profi bestritt die „grand old lady“ des Tennissports im November 1994 beim Masters-Turnier in New York. Dort unterlag sie in der 1650. Partie ihrer mehr als 20 Jahre langen sportlichen Karriere bereits in der ersten Runde gegen die Argentinierin Gabriela Sabatini mit 4:6, 2:6. Als Abschiedsgeschenk überreichte man der damaligen Weltranglisten-Sechsten ein Motorrad der Marke „Harley Davidson“.

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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler