Kaufen oder Leasen?Kategorie: Business & Wirtschaft Veröffentlicht von: Johanna Bressler
Meist stellt sich diese Frage beim KFZ - denn so gut wie jedes Unternehmen, auch das Kleinste, ist heute auf einen fahrbaren Untersatz angewiesen. Auf den ersten Blick lässt sich nicht entscheiden, was nun günstiger ist. Zu vielschichtig sind die Leasingangebote, zu verwirrend oft auch die Kreditkonditionen.
Die Werbung erklärt uns beinahe täglich, dass Leasen die beste Möglichkeit ist. Angebote ab monatlich 75 € locken. Daher ein paar Gedanken über das für und Wider von Leasingverträgen speziell beim KFZ. Wichtig in der Erstentscheidung - ob Kauf oder Leasing - ist auf jeden Fall, welchen Zweck das KFZ in Ihrem Betrieb erfüllen soll. Brauchen Sie ein verlässlichen Transportmittel für Ihre Ware, müssen Sie sich darauf immer 100% verlassen können - als eher zu einem Neufahrzeug tendieren, da hier Garantie und eventuell ein Leihfahrzeug wichtig sind. Brauchen Sie nur einen fahrbaren Untersatz, der Sie selbst schneller von A nach B bringt, dann überlegen Sie doch mal, sich einen einige Jahre alten Gebrauchten zu suchen.
* Achten Sie bei den Leasingangeboten nicht nur auf die monatliche Rate und die Laufzeit des Vertrages, sondern auch auf Mietvorauszahlung und Restwert.
* Bedenken Sie, dass Sie Leasing immer zu Vollkasko-Versicherung und peinlich genauen Serviceintervallen in einer Vertragswerkstatt zwingt.
* Ein Leasingfahrzeug ist nicht Ihr Eigentum! Auch das kann in Hinblick auf Betriebsvermögen und Ausgaben wesentlich sein.
* Berechnen Sie die tatsächlichen Zinssätze bei Leasing und vergleichbarem Kreditkauf.
Hier ein Beispiel:
Ihnen liegt folgendes KFZ-Leasingangebot vor: Mietvorauszahlung € 4.360,00, Neukaufpreis € 31.395,00, Restwert nach 3 Jahren € 13.590,00, monatliche Leasingrate € 478,00, Leasingbeginn 1. März. Alternativ dazu könnten Sie einen Bankkredit mit 3 Jahren Laufzeit und 6,5% Fixzinssatz aufnehmen. Was ist für Sie günstiger?
Meine Berechnung ergibt, daß dieses Leasingangebot mit einem Zinssatz von 6,2% p.a. kalkuliert ist und daher in diesem Fall günstiger als ein Bankkredit mit 6,5% p.a. ist.
Und wieviel können Sie von der Leasingrate jährlich als Betriebsausgabe absetzen, wenn Sie den PKW zu 90% beruflich nutzen?
Meine Berechnung ergibt: 12,5% Abschreibung (8 Jahre Nutzungsdauer) von € 31.395,00 = € 3.924,00 + Zinsaufwand € 1.045,00 = € 4.969,00 –10% Privatanteil = € 4.472,00
Leasing führt zu genau gleich hohen Betriebsausgaben wie der Kauf eines PKWs mit einem Bankkredit um 6,2%!
Wenn Sie einen Fiskal-LKW kaufen oder leasen, verbilligen sich der Kaufpreis, das Tanken und die Reparaturen für Sie, wenn Sie vorsteuerabzugsberechtigt sind. Bei der KFZ-Versicherung macht das keinen Unterschied, da diese keine Umsatzsteuer enthält.
Fiskal-LKWs sind z.B. Chrysler Voyager, Citroen Evasion, Fiat Ulysse, Mercedes Vito, Renault Espace, Seat Alhambra, VW Sharan. Die komplette Liste finden Sie HIER
Im Fall eines Autounfalls mit Totalschaden und Vollkaskoversicherung erhalten Sie beim Kreditkauf die Versicherungsvergütung und decken damit den Bankkredit ab, beim KFZ-Leasing geht die Versicherungsvergütung direkt an die Leasingfirma. In beiden Fällen fangen Sie mit Ihrer Autofinanzierung wieder bei Null an.
Vergleichbarkeit von Leasingangeboten
Um Leasingangebote vergleichen zu können, sollten Sie unbedingt folgende Punkte klären:
Wie hoch ist der Kaufpreis?
Ist beim angegebenen Kaufpreis ein Rabatt berücksichtigt?
Wird ein Altwagen eingetauscht und der Erlös als Mietvorauszahlung eingerechnet?
Auf Basis welcher Grundmietzeit ist das Angebot erstellt?
Wie hoch ist der kalkulierte Restwert?
Sind alle Angaben inkl. oder exkl. NOVA?
Sind alle Angaben inkl. oder exkl. USt?
Ist die Mietvertragsgebühr inkludiert?
Handelt es sich um Depot-Leasing oder Restwert-Leasing mit Mietvorauszahlung?
Ist in der Mietrate die Versicherungsprämie inkludiert?
Eigen- oder Fremdfinanzierung?
Sie könnten den PKW mit einem Bankkredit finanzieren und Ihr Eigenkapital festverzinslich anlegen. Ein Bankkredit von 6,5% p.a. kostet Sie bei einem KFZ-Privatanteil von 10% und 41% Spitzen-Einkommensteuersatz 4,26% p.a. Wenn Sie mehr als 5,68% Zinsen vor 25% Kapitalertragsteuerabzug erzielen, macht eine Fremdfinanzierung des KFZ-Kaufs für Sie Sinn.
Fristenkongruente Finanzierung
In der Betriebswirtschaftslehre werden Gewinn- und Liquiditätsstreben als wichtige Ziele erwerbswirtschaftlicher Unternehmen genannt. Die Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit bedeutet, die fälligen Schulden jederzeit und ohne Störung des Betriebsablaufs bezahlen zu können. Die Sicherung der Zahlungsfähigkeit ist auf Dauer nur durch eine fristenkongruente Finanzierung möglich. Darunter versteht man die Wahl einer Kreditlaufzeit, die mit der Nutzungsdauer des finanzierten Anlagengegenstands übereinstimmt, z.B. wenn Sie einen zwei Jahre alten PKW kaufen und damit rechnen, diesen weitere 6 Jahre betrieblich zu nutzen, sollten Sie einen allfälligen Kredit mit einer Laufzeit von 6 Jahren nehmen. Eine kürzere Kreditlaufzeit kann im Fall eines Gewinnrückgangs zu Liquiditätsproblemen führen.
Luxustangente bei PKW
Der Teil der Anschaffungskosten von PKWs, der über € 40.000,- liegt, muß aus den Betriebsausgaben Abschreibung, Zinsaufwand und Kaskoversicherung ausgeschieden werden. Die Treibstoffkosten müssen nicht gekürzt werden.
Bei Gebrauchtwagen sind aber nicht die tatsächlichen, sondern die historischen Anschaffungskosten anläßlich der Erstzulassung maßgeblich; lassen sich diese nicht feststellen, dann gilt der seinerzeitige Listenpreis. Eine aliquote Kürzung ist daher vorzunehmen, wenn die historischen Anschaffungskosten über € 34.000,- lagen! (Höhe der Luxustangente bis 2005)
Nur bei Gebrauchtwagen, die mehr als 5 Jahre nach ihrer Erstzulassung angeschafft werden, sind die tatsächlichen Anschaffungskosten des Gebrauchtwagens maßgeblich. Einen 61 Monate alten Mercedes z.B. um € 33.900,- (Neupreis € 70.000,-) könnten Sie also kaufen und ohne Kürzung der Betriebsausgaben um eine Luxustangente absetzen!
Sie haben Fragen? Dann nehmen Sie doch Kontakt mit mir auf. Guter Rat muss nicht teuer sein…
Veröffentlicht von: Johanna Bressler Web: http://www.consultants.at Kontakt: e-Mail
| Über den Autor: |
| Ingrid J.Bressler ist Wirtschaftsberaterin in Österreich mit staatlichen Zulassungen für Unternehmensberatung, Vermögensberatung und Bilanzbuchhaltung. Im Bereich Internet und Webtechnik hat sie sich seit 2000 umfangreiches Spezialwissen autodidakt angeeignet. Unter ISSN 1682-6442 veröffentlicht sie seit Jahren ein Businessmagazin als Ezine.
Kontakt: http://www.consultants.at |
|
|
|