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Cricket - die etwas andere englische Sportart
Kategorie: Kultur
Veröffentlicht von: Torsten Thoms


Cricket – Inselkultur in Reinkultur

Die Engländer sind sportfanatisch und begeisterungsfähig. Es muss allerdings nicht immer ManU, Liverpool oder Arsenal sein.

Das bewies das englische Cricket Team letztes Jahr nach einem historischen Sieg gegen Erzrivale Australien.

Dabei mutet dieser Sport einem „Kontinentalen“ schon sehr eigenartig an. Bill Bryson schon, Amerikaner und jahrzehntelang Wahlengländer, spottete liebevoll in seinem Roman “Down Under“ über Cricket: „Es ist der einzige Sport, bei dem die Zuschauer mehr Bewegung bekommen als die Spieler“.

Gespielt wird Cricket im ehemaligen englischen Empire, in Indien und Südafrika ist es ganz groß, in Pakistan und Bangladesch ebenfalls, Australien muss erwähnt werden und die bis vor wenigen Jahren unbesiegbaren West Indies. Außerhalb dieser Gebiete ist es wenig bekannt. Es gehört jedoch zur englischen Kultur wie die Königin, Big Ben und und Ales and Stouts (warm servierte, kohlensäurearme Biersorten).

Hier einmal in aller Kürze, was Cricket denn eigentlich ist.

Es ist dem amerikanischen Baseball ähnlich....oder Baseball dem Cricket?

Ein internationales Spiel wird auf 5 Tage (!) angesetzt, es beginnt am Donnerstag morgen und endet am Montag abend. Gespielt wird jeweils von ca. 10:30 an bis zum Einbruch der Dunkelheit oder auch eher, hier gibt es ein paar Dutzend Regeln zu beachten.

Zwei Teams, die jeweils aus 11 Mann bestehen, stehen sich in einem ovalen Spielfeld gegenüber. Eine Mannschaft beginnt mit dem Schlagen, die andere wirft den Ball und versucht zu fangen.
Ziel des Schlagmanns ist es, den Ball so weit wegzubefördern, dass er auf dem einzigen sandigen Teil des Platzes in einem Meer aus grüner Wiese zwischen zwei Holzstäben hin- und herlaufen kann und somit „Runs“/Punkte zu sammeln. Meist hat er dazu keine Lust, weshalb er versucht, den Ball aus dem Spielfeld zu buxieren, was dann
1. den Vorteil hat, dass er sich nicht bewegen muss
2. mehr Punkte bringt
3. die gegnerische Mannschaft enorm ärgert.
Drei Fliegen also mit einer Klappe.

Der Werfer versucht, mit bösartigem Minenspiel Einfluss auf die jeweiligen Schlagmänner zu nehmen. Er feuert dann Wurf um Wurf ab in der Hoffnung, drei Holzstäbe zu treffen, die sich hinter dem Schlagmann befinden, was auch alle Jubeljahre mal geschieht. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Schlagmann nicht aufpaßt und blindlings drauf los haut, den Ball nicht richtig trifft, so dass dieser von einem Feldspieler in der Luft gefangen werden kann. Geschieht das, schlägt man wieder drei Fliegen mit einer Klappe:
1. der Schlagmann ist aus
2. es kommt vor Freude zu tumultartigen Szenen und unerwarteten Emotionsausbrüchen auf dem Spielfeld
3. die gegnerische Manschaft ärgert sich

Das ganze muss 2 mal 10 mal wiederholt werden. Diese Tatsache vermixt mit der Erkenntnis, dass sich eigentlich nicht wirklich etwas bewegt und ein englischer Gentleman/Spieler nicht rennt, führt dann dazu, dass schon mal ein langes Wochenende dran glauben muss.

Wieder darf Bryson zitiert werden: „...man kann also bequem den Fernseher ausschalten, spazieren und essen gehen, nach 4 Stunden wiederkehren, den Fernseher anschalten und feststellen, dass man kaum etwas verpaßt hat.“

Das sind in Kürze die Regeln und Spielabläufe. Ein Engländer würde mich jetzt ausschimpfen, das wäre doch alles noch interessanter und komplizierter, hier noch ein Regelchen, da noch eine Ausnahme.
Sicher, aber gebt uns vom Kontinent doch eine Chance, an Eurer farbigen Kultur teilzuhaben. Also, gemach.

Und in dem Cricket-Marathon Sommer 2005 ist dann das Unmögliche geschehen. Nach 16 Jahren hat England wieder gegen die allmächtigen Australier gewonnen. Es ging dabei um ein Ürnchen von ca. 7 Zentimeter (oder 3 Inches) Größe als Trophäe, deshalb auch der Name „The Ashes“.

Fünf Spiele sind gespielt worden, bei Zweien davon waren 5 Tage nicht genug, also endeten sie unentschieden.
Das erste konnte Australien klar für sich entscheiden, das nächste hat England dann so knapp wie noch nie, mit zwei Punkten Unterschied gewonnen, was es in der gesamten Geschichte von mehr als Hundert Jahren zwischen den beiden Teams noch nie gegeben hat. Auch im vierten Spiel siegten die Engländer, knapp, aber verdient. Und wie groß war dann die Freude, als das fünfte Spiel wegen Regens kaum zustande kam und somit zum Unentschieden erklärt wurde.
Wie groß die Freude hier war, kann man kaum beschreiben.
Das Team wurde auf offenem Bus durch London chauffiert, reckten den Urnenpokal in Größe eines Zwergkaninchens in die Höhe.
England feierte seinen Helden, die Szenen waren vergleichbar mit dem Gewinn einer Fußballweltmeisterschaft.

Und die Kontinental-Europäer? Mal wieder von der ganzen Sache nichts mitbekommen.

In England jedenfalls ist Cricket wieder eine große Sache. Und das Schöne: In 4 Wochen geht es wieder los. Die Ashes finden diesmal in Australien statt. Schon finden die ersten Verbalgeplänkel in den Zeitungen statt, zwei Länder freuen sich auf die Begegnungen.

Mal sehen, ob diese Nachricht auch mal den Weg in die deutschen Medien schafft.

Weitere Informationen zum Thema Reisen und Kultur in England finden Sie unter
www.britannien-reise.de


Veröffentlicht von: Torsten Thoms
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Torsten Thoms Kreative Texte für den Verkauf, Marketing und Journalismus www.creative-texts.com info@creative-texts.com Mobile: +44 (0) 7813987603