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Pola Negri: Der Stummfilmstar aus Polen

Kategorie: Bücher
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


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Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Ein Stummfilmstar der 1910-er und 1920-er Jahre war die aus Polen stammende Schauspielerin Pola Negri (1894–1987), eigentlich Barbara Apolonia Chalupiec. Ebenso wie die Deutsche Marlene Dietrich (1901–1992) und die Schwedin Greta Garbo (1905–1990) wurde sie bereits zu Lebzeiten zur Legende. Sie überlebte zwei Weltkriege, vier Revolutionen und fünf Ehemänner.

Barbara Apolonia Chalupiec erblickte vermutlich am 31. Dezember 1894 – nach anderen Angaben erst am 3. Januar 1897 – in Lipno (Polen) das Licht der Welt. Wie bei Filmstars ihrer Generation üblich, machte sie aus ihrem genauen Geburtsdatum und ihrer Herkunft ein Geheimnis. Ihr Vater soll ein Kunstschmied gewesen sein, der aus der Slowakei nach Polen gekommen ist. Ihre Mutter war angeblich eine polnische Adlige namens Eleonora von Kielczewkska.

Barbara Apolonia Chalupiec besuchte die Ballettschule des Warschauer Nationaltheaters und feierte als Tänzerin am „Kleinen Theater" in Warschau ihr Debüt. Später trat sie am „Großen Theater" und am „Sonntagstheater" in Warschau sowie in Sankt Petersburg (Russland) in verschiedenen Ballettinszenierungen auf.

Von 1909 bis 1911 nahm Barbara Apolonia Chalupiec Schauspielunterricht an der „Skola Aplikacyjna" in Warschau. Ab 1913 trat sie am „Teatr Wielki" in Warschau auf. Unter anderem sah man sie dort als Tänzerin in der Pantomime „Sumurun" auf der Bühne. 1914 gab sie in dem Film „Sklaven der Sinne" ihr Debüt auf der Leinwand. Für dieses Sittendrama hatte sie selbst das Drehbuch geschrieben, die Finanzierung übernommen, Regie geführt und die Hauptrolle gespielt.

Aus Verehrung für die italienische Dichterin Ada Negri (1870–1945) wählte Barbara Apolonia Chalupiec das Pseudonym „Pola Negri". Auf den Film „Sklaven der Sinne" folgten die Streifen „Zona" („Die Frau", 1915), „Czarna ksiazka" (1916), „Studenci" („Studentenliebe", 1916), „Bestia" (1916) und „Tajemnica alei Ujazdowskich" („Das Geheimnis des Hotels X", 1917).

1916 wurde Pola Negri von dem aus Österreich stammenden Regisseur und Theaterleiter Max Reinhardt (1873–1943) nach Berlin geholt, wo sie noch im selben Jahr in der Pantomime „Sumurum" auftrat. Durch den Regisseur Ernst Lubitsch (1882–1947), kam sie zur „Universum-Film AG" („Ufa").

Ihr Filmdebüt in Deutschland feierte Pola Negri mit einer Doppelrolle in „Nicht lange täuschte mich das Glück" (1917). Ihren Aufstieg zum Star verdankte sie Ernst Lubitsch, mit dem sie qualitätvolle Filme wie „Carmen" (1918), „Die Augen der Mumie Mâ" (1918), „Anna Karenina" (1919), „Madame Dubarry" (1919), „Eine arabische Nacht" (1921) und „Montmartre" (1923) drehte. Bald bezeichnete man sie als „Duse der Leinwand".

Der Streifen „Madame Dubarry" machte Pola Negri international bekannt. Er kam in den USA unter dem Titel „Passion" in die Kinos und wurde ein Kassenerfolg. 1922 ging Pola Negri mit einem Vertrag des Filmstudios „Paramount" in die USA. Sie war die erste europäische Schauspielerin, die nach Hollywood „importiert" wurde und entwickelte sich dort zum Inbegriff der verführerischen Frau, dem die Stummfilm-Helden unweigerlich zum Opfer fielen.

Auch in Amerika drehte Pola Negri phantastische Filme wie „Forbidden Paradise" („Das verbotene Paradies", 1924), „Hotel Imperial" („Hotel Stadt Lemberg", 1927) und „Barbed Wire" („Stacheldraht". 1927). Sie erhielt Traumgagen und kaufte 1925 das Schloss Seraincourt bei Rueil in Frankreich.

In den Vereinigten Staaten erregte Pola Negri nicht nur als Künstlerin, sondern auch durch Skandale und Affären – unter anderem mit Charlie Chaplin (1889–1977) und Rudolfo Valentino (1895–1926) Aufsehen. 1925 gab sie ihre Verlobung mit Valentino bekannt, der jedoch bald darauf im Alter von nur 31 Jahren an den Folgen einer mysteriösen Blutvergiftung starb. Valentino soll mit ihrem Namen auf den Lippen sein Leben ausgehaucht haben. Bei seiner Beerdigung folgte Pola Negri wie eine Witwe seinem Sarg.

Wegen ihres polnischen Akzentes fiel Pola Negri anfangs der Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm in englischsprachigen Ländern schwer. Zwischen 1929 und 1934 versuchte sie mit mehr oder weniger Erfolg ihr Glück in einigen englischen Tonfilmen. Sie kehrte nach Europa zurück, machte in Paris Zwischenstation und drehte in Deutschland unter dem Regisseur Willi Forst (1903–1980) den Film „Mazurka" (1935), in dem sie eine Mutter darstellte, die den gewissenlosen Verführer ihrer Tochter erschoss.

„Mazurka" soll der Lieblingsstreifen des nationalsozialistischen Diktators Adolf Hitler (1889–1945) gewesen sein. In Deutschland verdächtigte man Pola Negri zeitweise sogar einer Liebschaft mit dem „Führer". Nach „Mazurka" verkörperte sie auf der Leinwand sich aufopfernde Mütter und verkannte Frauen. Danach sah man sie in den Filmen „Moskau–Shanghai" (1936), „Madame Bovary" (1937), „Tango Notturno" (1937), „Nacht der Entscheidung" (1938) und „Fromme Lügen" (1938).

Zur Zeit des Einmarsches der Deutschen in ihrem Heimatland Polen 1939 hielt sich Pola Negri an der Riviera auf. Danach wollte sie nicht mehr in Deutschland Filme drehen und folgte Ernst Lubitsch nach Hollywood, das fortan zu ihrem ständigen Wohnsitz wurde. Anfangs arbeitete sie dort für das „Rote Kreuz". In dem Streifen „Hi Diddle Diddle" (1943) persiflierte sie ihre alten Vamprollen. Während einer langen Filmpause verfasste sie ihre Memoiren, die sie 1949 abschloss und die später verfilmt wurden.

1959 scheiterte ein geplantes Projekt in Deutschland: Pola Negri hatte unter der Regie von Wilhelm Dieterle den Film „Herrin der Welt" drehen wollen. Zum letzten Mal trat sie in der Rolle einer reichen Ägypterin für den Streifen „The Moon-Spinners" („Der Millionenschatz", 1964) vor die Kamera.

Ab Ende der 1950-er Jahre arbeitete Pola Negri als Immobilienmaklerin in San Antonio (Texas). Dort führte sie ein zurückgezogenes Leben, ging Fotografen aus dem Weg und lehnte wiederholt Filmangebote ab. Bei den Filmfestspielen 1964 zeigte man eine Retrospektive ihrer erfolgreichen Streifen, wofür sie erstmals nach langer Zeit wieder nach Berlin reiste.

Pola Negris Autobiographie „Memoirs of a Star" („Erinnerungen eines Filmstars", 1970) wurde ein großer Erfolg. Deswegen begann sie eine zweite Autobiographie, von der nicht bekannt ist, ob sie vollendet wurde. 1972 überreichte ihr Bundeskanzler Willy Brandt (1913–1992) in Deutschland die Gerhart-Hauptmann-Medaille in Gold.

Pola Negri war drei Mal verheiratet. Ihre erste Ehe schloss sie mit dem Baron Popper, ihre zweite 1919 mit Graf Eugene Domsky und ihre dritte 1927 mit dem russischen Prinzen Serge Mdivani. Drei Monate später reichte sie die Scheidung von Mdivani ein, weil der angebliche Prinz sich als unecht erwies. Mdivani verunglückte 1939 beim Polospiel tödlich.

Am 1. August 1987 erlag Pola Negri im Alter von 92 Jahren in einem Krankenhaus von San Antonio einer Lungenentzündung. Zu Lebzeiten hatte sie auf einem Friedhof bei New York eine große Grabstätte in der Nähe von Rudolfo Valentino erworben.

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
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