Musik lag in der Luft: Kaufbeuren war eine große MusikbühneKategorie: Unterhaltung Artikel veröffentlicht von: Alexander Hauk
Musik lag in der Luft: Kaufbeuren war eine große Musikbühne
Mehrere Tausend Besucher bei der 2. Kaufbeurer Blue Night
Von Alexander Hauk, www.allgaeu-nachrichten.de
Kaufbeuren. Samstagabend, 20.03 Uhr: Die Glasscheiben der Eingangstüre zum Dicken Hund sind mit Kondenswasser beschlagen. Eine meterlange Menschenschlange führt von der Kneippe auf die Straße. Drinnen hat gerade die Kaufbeurer Band THC zu spielen angefangen. Auch Christian Gabler und Claudia Dürner warten auf Einlass, wollen auf jeden Fall THC hören. In dreizehn weiteren Kneippen und Hotels fällt in diesen Minuten der Startschuss zur 2. Kaufbeurer Blue-Night.
Der Dicke Hund ist voll. Minutenlang bleibt die Menschenschlange fast regungslos. Irgendjemand hat ein Fenster der Kneippe geöffnet. Frischluft für die, die es rechtzeitig in den Dicken Hund geschafft haben. Ein paar Jugendliche, die draußen stehen, können die Musiker von THC zwar nicht sehen, dafür aber jetzt die Musik hören und tanzen um das geöffnete Fenster im Nieselregen.
„Harry, lassen wir keinen mehr rein?", möchte der Türsteher vom el Greco von seinem Arbeitskollegen wissen. „Doch, doch", antwortet der, oben sei schon noch ein wenig Platz. Mit Independent-Musik lockt Smashed Potatoes die Besucher an. Die Band spielt Lieder der Red Hot Chili Peppers, Pearl Jam, Depeche Mode und anderen bekannten Musikgruppen. Auch hier herrscht schon beim Eingang und schmalen Treppenaufgang Gedränge.
Ein wenig ruhiger geht es noch nebenan bei Hermann Fischer zu. In einer braunen Lederjacke sitzt der Chef vom Stadtschreiber im Eingang an einem kleinen Campingtisch, kassiert und informiert die Besucher. Eine der meist gestellten Fragen an diesem Abend: „Gibt’s denn keine Bändchen mehr?" Nein, die Bändchen für das Handgelenk gebe es nicht mehr, erklärt Fischer. Stattdessen gibt es blau-weiße Eintrittskarten für 10 Euro das Stück. Dafür können sich die Besucher in mehreren Hotels und Kneippen Live-Musik anhören, von Rock, Pop, über Samba bis Blues.
Bei Fischer spielt das Gitarrenduo Blue Ox Rock’n’Roll und bekannte Oldies. Fischer hat sich die Band selbst ausgesucht: „Ich mag die Musik". Der Gastronom hat sich auf eine lange Nacht eingestellt. Bis drei Uhr hat er dann schließlich den Stadtschreiber geöffnet. Alexander Steinhauser und Anna Hofberger finden, dass viel zu wenig Kneippen bei der 2. Blue Night mitmachen, „weil man immer noch in viele Kneippen nicht rein kommt, oder zu lange warten muss", erklärt Steinhauser, der mit seiner Freundin unter einem Zelt vor dem Hirschkeller steht. Aus der Wirtschaft klingt gerade der Klassiker „I feel good". Passt genau: Den beiden hat die Blue Night gut gefallen. Allerdings: „Das Wetter hätte ruhig etwas besser sein können", findet Steinhauser und ist mit seiner Meinung nicht allein. Viele, die auch noch spät Nachts durch die Kaufbeurer Innenstadt ziehen denken wir er.
Auch im Ernesto’s ImTreff hat man sich auf das Wetter eingestellt. Ein Zelt vor der Kneippe schützt die dankbaren Besucher vor dem anhaltenden Nieselregen. Bei der Star Alm steht ein prominenter Türsteher am Eingang. Radio-Ostallgäu-Moderator Stefan Grudnik weiß nicht mehr genau, wie oft er die Tür an diesem Abend schon geöffnet und wieder zugesperrt hat. Rund 300 Blue-Night-Besucher sind in der Kneippe und tanzen zur Musik der Cover-Rockband Rough Enough.
Richtig gemütlich ist es Kaiser-Max-Keller. Oliver von Hunoltstein sitzt in dem Kellergewölbe auf einem Barhocker und präsentiert mit Gitarre und Mundharmonika Folk- und Bluesnummern. Im Kaiser-Max-Café haben Firlefranz ihren Auftritt und bieten eine unterhaltsame Mischung aus Musik und Comedy.
Musik klingt auch aus der Glocke. Erika Niedermaier ist allerdings verärgert. Sie sei vom Stadtmanagement vergessen worden, berichtet die Wirtin. Dabei hätte sie gerne auch an der Blue Night teilgenommen. Mit dem Country-Musiker Harry Austin hat Niedermaier ein eigenes Konzert organisiert.
Ein erstes Fazit zieht Stadtschreiber-Chef Hermann Fischer am Sonntagmittag: „Ich bin sehr zufrieden", sagt er nach einer Nacht, die für ihn erst gegen fünf Uhr zu Ende war. Allerdings habe er noch keine Zeit für eine Abrechnung gehabt. Lob erhalten seine Gäste: „Alles war friedlich, wir hatten keine Zwischenfälle."´(Text von 2002)
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