Add to My Yahoo!
RSS Feeds
Deutsch
English

Mit Wellness zum Selbstmanagement?

Kategorie: Gesundheit
Artikel veröffentlicht von: Dietmar Feigenspan


E-Mail Article
Print Article

Das Thema Wellness ist doch nur was für Frauenmagazine und Strukturvertriebe, die damit ihre Umsätze aufbessern wollen. So denken viele - doch weit gefehlt. Der Begriff Wellness tauchte zum erstenmal bereits 1654 in einem englischen Lexikon auf. Es ist ein Kunstwort, das sich aus Well-being und Fitness zusammensetzt. Also Wohlbefinden und eine gute körperliche Gesamtverfassung. An Wellness werden heutzutage aber sehr viel höhere Anforderungen gestellt. Was können Wellness-Angebote leisten und was nicht? Wann wird der Wellness-Begriff überstrapaziert?

Die meisten der Wellness-Angebote sind eigentlich schon uralt. Ließen sich nicht schon die Alten Römer im Dampfbad massieren? Und was ist mit der in Skandinavien entwickelten Sauna-Kultur? Gehören nicht auch die orientalischen Hamams zur Riege der altertümlichen Wellnessoasen? Warum wird nun altes Wissen reaktiviert? Haben die Menschen unserer Zeit in bestimmten Punkten einen Nachholbedarf? Erinnert Sie ihr Körper nicht auch manchmal mit Muskelverspannungen daran, dass Sie zu wenig Bewegung im Alltag haben? Haben Sie nicht auch viel Stress im Beruf? Geht uns so langsam unser Körpergefühl und unsere Sinnlichkeit abhanden? Was im Alltag keinen Platz hat, will der Mensch irgendwann nachholen.

Da keimt die Sehnsucht nach Entspannung und körperlicher Betätigung. Und wenn man beides noch gleichzeitig miteinander verbinden könnte, wäre das doch ideal, oder? Und genau das steckt hinter den heutigen Wellness-Versprechen. Es wird aber nur selten eingelöst. Am wenigsten wird die Wellness-Versprechung von irgendwelchen Wundermitteln, oder abartig schmeckenden, überteuert angebotenen Säften erfüllt. Hier wird der Wellnessbegriff regelrecht vergewaltigt. Solche Wundermittel und -säfte werden als alleinige Heilsbringer angepriesen. Es wird mit pseudowissenschaftlichen "Erkenntnissen" geworben, die von keinem renommierten Institut bestätigt werden. Da werden sogar Enzyme und Vitamine erfunden, die es nicht gibt. Auch wird dort mit Prominenten geworben und Gütesiegel eingekauft. Fallen Sie nur nicht darauf rein. Das gute ist, dass damit auch schon der negativste Punkt abgehakt ist.

Die überall hochschießenden Wellnessoasen versprechen weniger als die obskuren Säfte, halten dafür aber mehr. Sie sind schon viel eher ein Lebenselixier und taugen viel als Gegenpol zum anstrengenden Alltag. Die ständige Überforderung braucht einen Ausgleich. Wer allerdings nur ein Programm durchpowert, weil er keine Zeit und außerdem noch viel Geld dafür bezahlt hat, der muss zwangsweise enttäuscht sein. Das "Durchpowern" steht nämlich im absoluten Gegensatz zum Grundgedanken hinter den Wellnessangeboten. Der Balance zwischen Körper, Geist und Seele.

Ein Grundgedanke, den schon Platon in seinem Dialog Philebos so formulierte: "Eine wünschenswerte und gesunde Lebensweise bestehe weder in bewusstloser Lust noch in lustlosem Bewusstsein. Schönheit, Wahrheit und Harmonie seien die Prinzipien einer erstrebenswerten, zuträglichen Lebensart." Vernunft und Spaß sind also keine Widersprüche. Es ist sogar vernünftig, Spaß zu haben. Ist doch wissenschaftlich bewiesen, dass Lachen gesund ist. Leider hört man das Lachen nur selten in den Tempeln der Wellness. Tempel der Wellness. Klingt doch fast wie eine Göttin, nicht wahr? Göttin Wellness. Das ist das Problem: Wellness ist keine Gottheit. Der Wellnessie verspricht sich aber das Göttliche von ihr.

Fragt man Kunden eines Wellness-Tempels nach ihren Vorstellungen, was Wellness ihnen bringen soll, dann nennen sie Begriffe wie Zufriedenheit, Lebensfreude, Selbstbewusstsein, Sinnfindung, Wohlbefinden, Erholung und Selbstverwirklichung. Viele versprechen sich eine "seelische Veränderung". Ist das nicht ein bischen viel für Massagen und Schlammpackungen? Ich weiß auch, dass Wellness mehr als Massagen und Schlammpackungen bietet. Sie brauchen sich deshalb nicht zu empören. Aber bei Massagen und Schlammpackungen fällt mir die gute alte Kur ein. Was ist eigentlich daraus geworden? Kur klingt allerdings nicht so modern wie Wellness. Also zurück zum Thema.

Wohlbefinden, Erholung und Entspannung. Diese drei Begriffe umfassen den aktuellen Wellness-Begriff wohl am besten. Diese tollen Eigenschaften sollte ein gutes Wellness-Angebot erfüllen können. Das ist ja auch schon sehr viel. Was ich den Angeboten allerdings abspreche sind die seelischen Veränderungen. Das sind Themen der Psyche. Und nur weil sich jemand massieren lässt, wird sich dadurch nicht sein ganzes Leben ändern. Dazu fehlt der Wellness nämlich die notwendige Technik. Es ist gut, wenn die Menschen erkennen, dass es noch etwas anderes gibt, außer dem Beruf. Jeder Mensch ruht prinzipiell auf drei Säulen, die sein Leben tragen. Der Beruf, die Familie und das Selbst.

Ist eine der drei Säulen zu hoch, dann gerät die Lebensplattform in Schieflage. Bei extremer Schieflage folgt zwangsweise der Absturz. Die Lebensplattform verliert den Halt. Gerade von Menschen in Führungspositionen erwartet man diese Ausgeglichenheit. Aber andererseits sollen sie 60 Stunden pro Woche Höchstleistungen erbringen. So schafft Wellness einen wichtigen und guten Gegenpol zur beruflichen Überforderung. Mit Wellness erreicht man jedoch kein Selbstmanagement, sie ist allenfalls eine Technik, die man nutzen kann oder auch nicht. Die Probleme mit der Bank oder den Konkurrenten beseitigt Wellness auch nicht. Und wer vor dem Wellness kein Selbstbewusstsein hat, der hat es hinterher auch nicht.

Auch wenn die Stimmung aufgehellt ist, so erfüllt einen deswegen nicht mehr Zufriedenheit oder Lebensfreude. Das Leben bekommt auch nicht durch ein Wellness-Wochenende erst einen Sinn. Wellness ist auch kein Weg zur Selbstoptimierung und taugt auch nicht als Schlüssel für ein erfolgreiches Leben. Wenn diese Versprechen einzuhalten wären, dann bräuchten die Millionen Arbeitslosen ja nur täglich in die Wellness-Center gehen und schon hätte Deutschland wieder die Vollbeschäftigung. Ein interessanter und reizvoller Gedanke. Er taugt nur nichts. Oder sind Sie anderer Meinung? Sehen Sie! Und deswegen ist auch die Suggestion von mehr Leistungsfähigkeit und besserer "Performance" nach außen reine Augenwischerei. Nein, sie ist sogar gefährlich, wenn sie dafür verwendet wird. Weil Sie denken, Sie wären leistungsfähiger werden Sie noch mehr arbeiten, was Sie durch mehr Wellness wieder zu kompensieren versuchen. Und am Ende dieser Spirale steht der Kollaps. Das ganze System fällt in sich ein. Wem sollte das nutzen?

Das ist ungefähr so, als ob Sie eine Reifenpanne beim Fahrrad flicken und dann damit auf die Autobahn wollen. Was gebraucht wird ist kein Flicken auf den Schlauchreifen, sondern ein für die Autobahn taugliches Gefährt. Sprich: Sie selbst müssen sich verändern, damit Sie leistungsfähiger sind. Das erreichen Sie aber eben nicht mit einer oberflächlichen Technik. Ich empfehle Ihnen dazu meinen Beitrag "Die psychologischen Grundlagen für Veränderungen im Leben" (http://www.erfolgreich-und-gluecklich.de/grundlagen.html#psychologisch) zu lesen.

Die guten Wellness-Angebote sind hervorragend, wenn Sie nicht mehr als Wohlbefinden, Erholung und Entspannung erwarten. Und allein dafür lohnt sich ein Besuch ja schon. Mehr sollten Sie jedoch nicht erwarten, denn dann werden Sie aller Wahrscheinlichkeit nach enttäuscht werden. Wenn Sie wirklich ihr Leben ändern wollen, dann gibt es dafür auch die passenden Wege. Zum Beispiel meinen.

Mit freundlichen Grüßen aus Berlin

Dietmar Feigenspan


Veröffentlicht von: Dietmar Feigenspan
Web: http://www.erfolgreich-und-gluecklich.de
Kontakt: e-mail


Über den Autor:
Dietmar Feigenspan ist seit über 20 Jahren als Führungskraft tätig. Im laufe der Zeit hat er ein eigenes, sehr wirkungsvolles Führungssystem/-konzept entwickelt. Es hat dazu geführt, dass seine Mitarbeiter fünf Mal besser als der Bundesdurchschnitt wurden. Auch bei anderen Unternehmen zeigt sein System Wirkung. So hat er dort auch Effektivitätssteigerungen von 17.000 Euro pro Mitarbeiter und Jahr bewirkt. Sein umfangreiches und wertvolles Wissen gibt Feigenspan nun über Seminare und Einzelcoachings weiter. Mehr erfahren Sie auf seiner Web-Seite: www.erfolgreich-und-gluecklich.de. Die Beiträge dort dürfen kostenlos kopiert werden
Dieser Artikel darf von Dritten für die Inhalte von Newslettern oder Websitecontent verwendet werden. Voraussetzung für eine Veröffentlichung durch Dritte ist, die jeweilige Autoreninfo aus 'Über den Autor', unter jedem Artikel vorhanden, unverändert mit zu veröffentlichen. Ein Verstoß gegen diese Regel, verstößt gegen die Copyright-Bestimmung. Es wäre ebenfalls von Vorteil den Verfasser des Artikels per e-Mail zu informieren, wo sein Artikel veröffentlicht wurde.


Weitere Artikel von Dietmar Feigenspan: