Mahalia Jackson: Die „Königin der Gospelsängerinnen“Kategorie: Kultur Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst
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Das Zeug zu einer der besten Jazz- oder Bluessängerinnen der Welt besaß die amerikanische Künstlerin Mahalia Jackson (1911–1972), doch die Pionierin der Gospel-Musik blieb ihr ganzes Leben lang den religiösen Verkündigungsliedern treu. Begeisterte Kritiker verliehen ihr den Ehrentitel „Königin der Gospelsängerinnen".
Mahalia Jackson kam am 26. Oktober 1911 als drittes von sechs Kindern eines schwarzen Arbeiters in einer Hütte von New Orleans (Lousiana) zur Welt. Ihr Vater arbeitete tagsüber als Hafenarbeiter, nachts teilweise als Friseur und wirkte an Sonntagen als Laienpriester. Er erlaubte den Kindern daheim nur das Hören von geistlicher Musik.
Mahalia sang bereits als Fünfjährige jeden Sonntag im Kirchenchor ihres Vaters, der in seiner Gemeinde großes Ansehen genoss. Der Vater vermittelte den Gläubigen einen Sinn für Würde und Inspiration. Er wurde bei den Gottesdiensten durch Gospelgesänge, Freudenrufe und Frohlockungen ermuntert. Die Kirchgänger sangen „Swing Low, Sweet Chariot" und „Oh, What a Friend We Have in Jesus".
Als 14-Jährige verließ Mahalia die Schule und arbeitete als Wäscherin und Dienstmädchen. Heimlich hörte sie Platten der Bluessängerin Bessie Smith (1894–1937) und der Jazzsängerin Gertrude („Ma") Rainey (1886–1939). Bessie Smiths Stück „Careless Love" war ihr musikalischer Favorit.
1927 zog die 16-jährige Mahalia Jackson nach Chicago, wo sie Kosmetikerin oder Krankenschwester werden wollte. Das Geld für die Kosmetikschule sparte sie als Hotelangestellte und Packerin in einer Dattelfabrik zusammen. Damals versuchte der Bandleader und Pianist Earl „Fatha" Hines (1903–1983), vergeblich, sie als Jazzsängerin zu engagieren.
In Chicago schloss sich Mahalia Jackson der „Greater Salem Bapist Church" („Wiedertäufer aus Salem") an und sang im Kirchenchor. Außerdem trat sie mit Quintetten in verschiedenen Baptistengemeinden auf. Mit den Erlösen davon betrieb sie zunächst einen kleinen Kosmetik- und später einen Blumenladen.
Zu jeder Zeit blieb Mahalia Jackson dem Gospelgesang treu. Unter einem Gospel (englisch: Evangelium) versteht man ein Verkündigungslied aus dem „Neuen Testament". Den Begriff „Gospel-Song" führte der amerikanische Blues-Pianist Thomas A. Dorsey (1905–1956) ein, nachdem er mit „If You See My Savior" (1930) seinen ersten religiösen Song geschrieben hatte.
Der Gospel-Song entstand in den 1920-er Jahren aus der religiösen Musik des „Negro Spiritual" und Elementen des weltlichen Jazz in den Kirchen während des Gottesdienstes aus gesungenen Zurufen der Gemeindemitglieder. Beim Gospel werden im Wechsel von Solist und Chor in Ruf- und Antwortform Passagen der Bibel rezitiert.
Der Gospel ist eine Mischung aus protestantischen Hymnen, Folk-Musik der Südstaaten und Spirituals, den Klageliedern der Plantagen-Sklaven. Viele Rock’n’Roll-Stars der 1950-er Jahre machten ihre ersten musikalischen Gehversuche im Bereich der Gospel-Musik, unter anderem Elvis Presley (1935–1977), Little Richard und Jerry Lee Lewis.
Für Mahalia Jackson waren ihre Gospel-Songs „ein fröhliches Geschrei zum Lob des Herrn". Dabei verzichtete sie auf ein Mikrophon und riet, die Fenster und die Türen aufzumachen und den Sound herauszulassen. Über den Blues sagte sie, er sei zwar gut zum Zuhören, aber sie würde diese „Lieder der Verzweiflung" niemals singen. Zum Rock’n’Roll meinte sie, er sei der heiligen Kirche gestohlen worden.
1928 schloss sich Mahalia Jackson den „Johnson Gospel Singers" an, mit denen sie sang und in religiösen Stücken mitspielte. 1934 erschien ihre erste Schallplatte „God Gonna Separate the Wheat From the Tares" („Gott wird den Weizen von der Spreu sondern"). Von Mitte der 1930-er bis in die späten 1940-er Jahre trat sie zusammen mit Thomas A. Dorsey in seiner Gospel-Gruppe auf.
Von Mahalia Jacksons ersten Plattenaufnahmen für die „Decca" in den 1930-er Jahren nahm das Publikum noch wenig Notiz. Doch 1945 schaffte sie mit der Schallplatte „I’m Going Move on Up a Little Higher" („Ich möchte höher hinauf"), von der mehr als eine Million Exemplare verkauft wurden, den Durchbruch in den USA.
In der Folgezeit feierte die „Königin der Gospelsängerinnen", wie man Mahalia Jackson inzwischen nannte, beispiellose Erfolge. Ab 1950 gab sie Konzerte in der New Yorker „Carnegie Hall". 1952 unternahm sie eine erfolgreiche Europatournee, ab 1954 sang sie oft im Rundfunk. 1957 und 1958 trat sie beim „Newport Jazz Festival" auf. Mit dem Bandleader und Pianisten Duke Ellington (1899–1974) nahm sie das Stück „Black, Brown And Beige" (1958) auf.
Mahalia Jackson besaß das Talent, eine der größten Jazzsängerinnen zu werden, lehnte aber rein weltlichen Jazz oder Blues ab. Der Rock’n’Roll-Sänger Little Richard bezeichnete sie als „the true queen of spiritual singers". 1961 wurde Mahalia während einer Europatournee bei einem Aufenthalt in Rom von Papst Johannes XXIII. (1881–1963) in Sonderaudienz empfangen.
Die „Königin der Gospelsängerinnen" trat 1959 vor Präsident Dwight D. Eisenhower (1890–1969) und im März 1963 vor Präsident John F. Kennedy (1917–1963) – bei dessen Inaugurationsparty – auf. Sie war die Lieblingssängerin des schwarzen Bürgerrechtlers und Baptistenpfarrers Dr. Martin Luther King (1929–1968). Auf Kings Wunsch sang sie im August 1963, bevor er seine Botschaft „I Have a Dream" verkündete.
Zu Mahalia Jacksons klassischen Gospel-Songs gehören „Move On Up a Little Higher", „Just Over the Hill", „He’s Got the Whole World in His Hands" und „How I Got Got Over". Auf der Leinwand wirkte sie in den Filmen „St. Louis Blues" (1958), „Jazz on a Summer’s Day" (1959), „Imitation of Live" (1959) und „The Best Man" (1964) mit. Ihre Autobiographie „Movin’ on up" (1966) erschien unter dem Titel „Mein Leben" auch in deutscher Sprache.
1964 heiratete Mahalia Jackson den Saxophonisten Sigmund Galloway, von dem sie später geschieden wurde. Nach einer Herzerkrankung ging sie 1966 wieder auf Tournee. 1968 beteiligte sie sich am Jazz Festival in Antibes an der Côte d’Azur in Frankreich.
Am 27. Januar 1972 starb Mahalia Jackson im Alter von 60 Jahren in einem Krankenhaus von Chicago an Herzversagen. Im Sommer 1998 zierte sie in den USA eine 32-Cent-Briefmarke der Serie „Legends of American Music".
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| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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