Mae West: Die Komödiantin der SpitzenklasseKategorie: Kultur Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst
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Eine der besten Komödiantinnen der Welt dürfte die amerikanische Schauspielerin Mae West (1892–1980) gewesen sein. Selbstbewusst sagte sie einmal von sich: „Es wird nie wieder einen Star wie mich geben", womit sie nicht ganz unrecht hatte. Denn sie war eine der ausgefallensten Komödiantinnen, eine Diva der Leinwand und der erste Sexstar des amerikanischen Films.
Mae West erblickte am 17. August 1892 im New Yorker Stadtteil Brooklyn das Licht der Welt. Ihr Vater war Mietstallbesitzer englisch-irischer Herkunft, ihre Mutter stammte aus einer bayerischen Bierbrauerfamilie und arbeitete vor der Heirat als Fotomodell. Bereits als Siebenjährige war Mae in New Yorker Vorstadtrevuen als „Baby-Vamp" ein Kinderstar. Sie besuchte nur zeitweise die Schule, statt dessen erhielt sie Privatunterricht und schloss mit 13 Jahren die Schulausbildung ab.
Als Teenager reiste Mae West mit einer wandernden Varietétruppe durchs Land. Am 11. April 1911 heiratete sie ihren Gesangs- und Tanzpartner Frank Wallace, trennte sich aber schon nach einer Tournee wieder von ihm. Diese erste und einzige Ehe wurde erst am 23. Juli 1942 offiziell geschieden.
1911 trat Mae West in „A la Brodway" und „Hello Paris" erstmals am New Yorker Broadway auf. Nach weiteren kleinen Broadwayrollen ging sie erneut mit einer Varietétruppe auf Reisen. 1915 verfasste sie ihren ersten Song, den sie – in ein Leopardenfell gehüllt – vortrug. Allmählich entwickelte sie ihren Stil als „femme fatale" und Urbild eines Sexstars. 1918 trug sie dazu bei, den Tanz „Shimmy" am Broadway populär zu machen. Für die dralle Blondine mit Doppelkinn und wogendem Busen kam der Durchbruch, als sie die Komödie „Sex" (1926) über eine New Yorker Prostituierte schrieb und inszenierte. Davon gab es 375 Vorstellungen, ehe die „Gesellschaft zur Bekämpfung des Lasters" eine polizeiliche Schließung erreichte und Mae West wegen „Verderbung der Moral Jugendlicher" zu einer achttägigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde.
Mae Wests zweites Stück „The Drag" über die Probleme eines Homosexuellen konnte 1926 nur zwei Wochen lang in Paterson (New Jersey) aufgeführt werden. Auch ihr drittes Stück „The Wicked Age" („Das böse Zeitalter") sah man 1927 nicht lange. Dagegen lief ihr Stück „Diamond Lil" (1928) zwei Jahre lang am Broadway. Ein weiteres Stück mit dem Titel „The Pleasure Mann" (1928) wurde am Brodway sofort polizeilich abgesetzt.
1929 ging Mae West mit „Diamond Lil" und 1930 mit „Sex" auf Tournee durch die USA. Von 1931 bis 1932 wurde ihr Stück „The Constant Sisters" am Broadway gezeigt.
Im Sommer 1932 schloss Mae West einen Vertrag mit dem Filmstudio „Paramount Pictures Corporation" und ging nach Hollywood, wo sie als 40-Jährige in „Night after Night" (1932) ihr Debüt auf der Leinwand feierte. Bei den folgenden Streifen hatte sie oft Regie und Hauptrolle inne.
Mae Wests Film „She Don Hime Wrong" („Sie taten ihm unrecht", 1933), der die Filmversion ihres Stückes „Diamond Lil" war, brach weltweit Kassenrekorde und rettete damals Paramount, die schon an „Metro-Goldwyn-Mayer" (MGM) verkaufen wollte. Danach sah man sie unter anderem in den Streifen „I’m No Angel" („Ich bin kein Engel", 1933), „Belle of the Nineties" („Die Schöne der neunziger Jahre", 1934), „Goin’ to Town" (1935), „Go West, Young Man" („Auf in den Westen", 1936) und „My Little Chickadee" („Mein kleiner Gockel", 1940).
In den 1940-er Jahren kehrte Mae West zum Theater zurück. 1944 brachte sie das selbstverfasste Stück „Katharina die Große" auf die New Yorker Bühne und ging damit 1945 auf Tornee. Von 1954 bis 1956 bereiste sie die USA mit einem Nachtklubprogramm. Außerdem trat sie in amerikanischen Fernsehserien auf und sang auf Schallplatten. Ihre besten Chansons kamen 1955 in dem Schallplattenalbum „The Fabulous Mae West" heraus. 1959 erschienen ihre Memoiren „Tugend hatte damit nichts zu tun".
In den 1970-er Jahren war Mae West in dem Transvestitendrama „Myra Breckinridge" („Myra Breckinridge – Mann oder Frau?", 1970) und in der Filmkomödie „Sextette" (1978) noch einmal auf der Leinwand aktiv. Nach letzterem Streifen meinte sie, es sei Zeit, sich nur noch um den Garten zu kümmern.
Berühmt wurden auch Mae Wests flotte Sprüche wie „Ich war einmal Schneewittchen, aber ich bin davon abgekommen" und „Wenn ich zwischen zwei Übeln wählen muss, wähle ich das, was ich noch nicht ausprobiert habe". Ihr bekanntester Satz lautete: „Ist das ein Revolver in Ihrer Tasche oder freuen Sie sich bloß, mich zu sehen?"
Während der letzten 26 Jahre ihres Lebens war der Sportler Paul Novak, der eigentlich Chester Ribonsky hieß und sich später zunächst „Chuck Krauser" und schließlich „Paul Novak" nannte, ihr Begleiter. Mae West erlitt im August 1980 einen ersten Schlaganfall und starb am 23. November 1980 im Alter von 98 Jahren in Hollywood. Überraschenderweise wurde Paul Novak nicht in ihrem Testament berücksichtigt.
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| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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