Madeleine Korbel Albright: Amerikas erste AußenministerinKategorie: Politik Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst
Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:
Zum ersten weiblichen Außenminister in der Geschichte Amerikas und zur ranghöchsten Frau der US-Regierung stieg 1997 die aus der Tschechoslowakei stammende amerikanische Politikwissenschaftlerin und Diplomatin Madeleine Korbel Albright, geborene Maria Jana Korbel, auf. Zuvor machte sie bereits als erste Botschafterin der „United Nations Organization" (UNO), die nicht in den USA geboren wurde, Schlagzeilen in der Presse.
Maria Jana Korbel kam am 15. Mai 1937 als Staatsbürgerin der ersten tschechoslowakischen Republik in Prag zur Welt. Sie ist eines von drei Kindern einer jüdischen Diplomatenfamilie gewesen, die in den 1930-er Jahren zum katholischen Glauben konvertiert war. Ihr Vater Josef Korbel (1909–1977) arbeitete von 1936 bis 1939 als Presseattaché an der tschechischen Botschaft in Belgrad.
Bereits in ihrem Geburtsjahr kam Maria Jana Korbel zu einem anderen Vornamen. Damals bezauberte das Theaterstück „Madla aus der Ziegelei" ihre Eltern so sehr, dass sie ihrer Tochter den Kosenamen „Madlenka" der Hauptfigur gaben. Madlenka wurde von der Schauspielerin Lída Baarová verkörpert, die als Geliebte des nationalsozialistischen Propagandaministers Joseph Goebbels (1897–1945) mehr Aufmerksamkeit erregte. Aus Madlenka entstand später der Vorname „Madeleine".
Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die Tschechoslowakei emigrierten die Eltern Madeleines 1939 nach Großbritannien. In London erlebte die Familie die Bombardierung durch die Deutschen. Die Großeltern und ein Dutzend weitere Verwandte starben im Konzentrationslager (KZ) Auschwitz, was ihre Eltern lange verschwiegen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg betätigte sich Madeleines Vater als tschechoslowakischer Botschafter in Belgrad. Als 1948 die Kommunisten in Prag die Macht ergriffen, wurde er Vorsitzender des Sonderausschusses der Vereinten Nationen. Joseph Korbel bat für sich und seine Familie in den USA um Asyl, nachdem man ihn in der Tschechoslowakei in Abwesenheit zum Tode verurteilt hatte.
Schon mit elf Jahren hatte Madeleine Korbel in mehreren Ländern – Tschechoslowakei, Jugoslawien, Großbritannien, USA – gelebt und vier Sprachen gelernt: fließend Tschechisch und Französisch sowie gut Russisch und Polnisch. In ihrem Elternhaus unterhielt man sich oft über internationale Beziehungen, Sport und andere Themen. Als Zwölfjährige begann sie sich erstmals für die Politik zu interessieren.
1949 erhielt Josef Korbel eine Professur an der University of Denver (Colorado). Madeleine besuchte die High School und studierte anschließend Politikwissenschaft am „Wellesley College" bei Boston in Massachusetts, wo sie 1959 den akademischen Grad „Bachelor of Arts" mit Auszeichnung erwarb.
Bei Verabredungen der jungen Madeleine Korbel folgte stets der sittenstrenge Vater seiner Tochter. Als ein Junge mit ihr zum Tanzen fuhr, kam der Vater nach und beharrte darauf, dass seine Tochter nach Hause zurückkehren sollte. Ihren Begleiter lud er zu Milch und Gebäck ein, er kam nie wieder.
Am 11. Juni 1959 heiratete Madeleine Korbel den Journalisten und Zeitungserben Joseph Albright. Aus der Ehe gingen 1961 die Zwillingstöchter Anne Korbel und Alice Patterson sowie 1964 die Tochter Katharine Medill hervor.
An der Columbia University in New York studierte Madeleine Albright Öffentliches Recht und Staatswissenschaften. Dort veröffentlichte sie 1968 die Arbeit „The Soviet Diplomatic Service: Profile of an Elite" und erhielt in jenem Jahr den akademischen Grad „Master of Arts in Political Science". 1976 promovierte sie an derselben Hochschule mit ihrer Arbeit „The Role of the Press in Political Change: Czechoslovakia" zum „Doktor für Politische Wissenschaften".
1975/1976 betätigte sich Madeleine Albright als Wahlhelferin für den demokratischen Politiker Edmund Muskie, für den sie nach seiner Wahl als Senator von 1976 bis 1978 als Rechtsberaterin arbeitete. Unter der Administration von US-Präsident James Earl „Jimmy" Carter zählte sie zum Stab des Nationalen Sicherheitsrates und arbeitete für Zbigniew Brzezinski, einen ihrer früheren Professoren. 1981/1982 wirkte sie als Wissenschaftlerin am „Woodrow Wilson International Center". Danach übernahm sie von 1982 bis 1993 die „Donner Professur für Internationale Beziehungen" an der „School of Foreign Service" der Georgetown University.
1981 wurde Madeleine Albright wissenschaftliches Mitglied des „Soviet and Eastern European Affairs Center for Strategic and International Studies". 1982 verließ ihr Mann Joseph Albright sie abrupt nach 23-jähriger Ehe, 1983 kam es zur Scheidung.
Ebenfalls 1983 erschien Madeleine Korbel Albrights Publikation „Poland, the Role of the Press in Political Change". 1984 betätigte sie sich als außenpolitische Beraterin der Präsidentschaftsbewerber Walter Mondale und Geraldine Ferraro, 1988 des ebenso erfolglosen demokratischen Kandidaten Michael Dukakis.
Nach den Präsidentschaftswahlen am 3. November 1992, aus denen die Demokraten Bill Clinton und Al Gore als Sieger hervorgingen, fungierte Madeleine Korbel Albright zunächst als Vorsitzende des Übergangsteams im „Nationalen Sicherheitsrat", bevor sie der designierte Präsident, der am 20. Januar 1993 sein Amt antrat, als neue UNO-Botschafterin nominierte. Frau Albright erwies sich fortan in vielen Konflikten als loyale, kämpferische und eloquente Verfechterin der offiziellen amerikanischen Regierungspolitik.
Nach der Bestätigung Bill Clintons bei den Präsidentschaftswahlen vom 5. November 1996 kündigte der bisherige Außenminister, Warren Christopher, sein Ausscheiden zum Januar 1997 an. Clinton bestimmte Madeleine Korbel Albright am 5. Dezember 1996 als Nachfolgerin. Ende 1996 erfuhr sie aus der Tageszeitung „Washington Post" von ihrer jüdischen Herkunft und dem Tod vieler Verwandter im KZ Auschwitz. Am 23. Januar 1997 wurde sie als 64. Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt.
In Europa nahm man die Berufung von Madeleine Korbel Albright überwiegend positiv auf, weil man ihr ein besonderes Gespür für die Belange Mittel- und Osteuropas sowie der Länder der früheren Sowjetunion zuschrieb. Ihr Nachfolger als amerikanischer UN-Botschafter war der Kongressabgeordnete Bill Richardson.
Madeleine Korbel Albrights Hobbys sind Sticken und Nähen. In einem Interview bezeichnete sie Blau als ihre Lieblingsfarbe sowie tschechische Klöße mit Krabben, Artischocken und Pilzen als ihr favorisiertes Rezept. Ihr Idol ist die amerikanische Lehrerin, Journalistin und Politikerin Eleanor Roosevelt (1884–1962) und ihr Lieblingsautor der amerikanische Lyriker Robert Frost (1874–1963). Sie liest vorzugsweise Romane und Biographien, spielt Klavier, fährt Ski, spielt Feldhockey und schwimmt gerne.
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| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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