Add to My Yahoo!
RSS Feeds
Deutsch
English

Luise Adelgunde Gottsched: Die Mitstreiterin der Bühnenreform

Kategorie: Kultur
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


E-Mail Article
Print Article

Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Als bedeutendste deutsche Lustspieldichterin des 18. Jahrhunderts gilt Luise Gottsched (1713–1762), geborene Kulmus. Ihre Spezialität waren realistische, lebhafte und witzige sächsische Typenkomödien. Außerdem unterstützte sie die Bühnenreform ihres Mannes Johann Christoph Gottsched (1700–1766) und übersetzte zahlreiche englische und französische Stücke ins Deutsche.

Luise Adelgunde Victoria Kulmus kam am 11. April 1713 in Danzig zur Welt. Ihr Vater Johann Georg Kulmus (1680–1731) praktizierte als Arzt in Danzig. Ihre Mutter Katharina Dorothea, geborene Schwenk, stammte aus einer Augsburger Patrizierfamilie, war die zweite Frau und starb 1734.

Die sehr begabte Luise lernte früh die französische und englische Sprache, spielte Klavier und Laute und komponierte. Außerdem erhielt sie privaten Unterricht in Geographie, in Geschichte, im Zeichnen und in der Poesie. Der Vater verbrannte ihr Klöppelzeug, damit sie sich damit nicht die Augen verdarb, und ließ sie seine lateinischen Traktate abschreiben.

Schon im Alter von zwölf Jahren verfasste Luise Gelegenheitsgedichte. Mit 14 Jahren schickte sie dem 27-jährigen Magister Johann Christoph Gottsched einige ihrer poetischen Versuche zur Begutachtung. Er antwortete ihr mit den Worten: „Ich lese ganz entzückt die geisterfüllten Lieder, die Du mir zugesandt, und seufz’ in meinem Sinn: Ach schade, dass ich nicht in Danzig bin".

1729 besuchte der 29 Jahre alte Johann Christoph Gottsched die Familie Kulmus in Danzig. Dabei lernte er die 16-jährige Luise kennen und lieben. Fortan pflegte er mit ihr einen sich über einige Jahre hinziehenden lebhaften Briefwechsel. Unter ihrem Mädchennamen Kulmus übersetzte die junge Frau das Werk „Réflexions sur les femmes" (1721) der französischen Schriftstellerin Anna-Thèrése de Marguenat de Courcelles, Marquise de Lambert (1647–1733), das unter dem deutschen Titel „Betrachtungen über das Frauenzimmer" (1731) in Leipzig erschien.

1734 verlobte sich der inzwischen als Professor für Logik und Metaphysik in Leipzig lehrende Literaturtheoretiker, Kritiker und Spracherzieher Johann Christoph Gottsched mit Luise Kulmus. Seine Verlobte übersetzte das Gedicht „Le triomphe de éloquente" (1730) der französischen Schriftstellerin Madeleine-Angélique Poisson de Gomez (1684–1770), das unter dem Titel „Der Sieg der Beredtsamkeit" (1735) herauskam.

Am 19. April 1735 schlossen Johann Christoph Gottsched und Luise Kulmus die Ehe, die kinderlos blieb. Das Paar lebte fortan in Leipzig, wo die „Gottschedin", wie sie nun genannt wurde, bald am literarischen Leben teilnahm.

Weil Frauen damals keinen Zutritt zum Hörsaal der Universität hatten, folgte Luise hinter der angelehnten Tür den Vorlesungen ihres Gatten über Philosphie, Poetik und Redekunst. Außerdem nahm sie Privatunterricht in Latein und Griechisch, schrieb Rezensionen für die von ihrem Mann herausgegebene Zeitschrift, betätigte sich als seine Sekretärin, Assistentin und beste Mitarbeiterin und glänzte als Übersetzerin.

Johann Christoph Gottscheds Vorbild war das französische klassizistische Drama. Er sorgte für deklamatorische Ausbildung der Schauspieler und für das soziale Ansehen des Standes.

Im 18. Jahrhundert stand es schlimm um die Schauspielkunst. Mit Ausnahme weniger guter Theatergesellschaften herrschten Komödianten vor, die in der Öffentlichkeit einen üblen Ruf hatten. Kennzeichnend für die Epoche der Possenreißer, die jedes ernsthafte Stück lächerlich machten, war die Warnung „Nehmt die Wäsche von der Leine... sperrt die Hühner ein... die Schauspieler kommen..."

Die „Gottschedin" unterstützte die Bühnenreform ihres Mannes, dem sie an dichterischen Fähigkeiten, Geist und Gemüt überlegen war, und bemühte sich um ein neues deutsches Lustspiel. Im Sinne der Theaterreform ihres Mannes übernahm sie die Sparte „Komödie" und sorgte mit Übersetzungen, Bearbeitungen und eigenen Stücken für das Lustspiel-Repertoire an deutschen Bühnen.

Das erste von Luise Gottsched verfasste satirisch-moralische Stück „Die Pietisterey im Fischbein-Rocke" (1736) erschien noch anonym. Es nahm Auswüchse falscher Frömmigkeit aufs Korn und wurde vom preußischen König Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) als „recht gottlose Schmähschrift" empfunden. Das Stück durfte in einigen Städten nicht aufgeführt werden.

Es folgten die Stücke „Der Zuschauer" (1739–1743), eine Übersetzung aus dem Englischen, „Die ungleiche Heyrath" (1743), „Die Hausfranzösin oder die Mammsell" (1744), „Herrn Alexander Popens Lockenraub" (1744), eine Übersetzung aus dem Englischen, „Das Testament" (1745), „Der Witzling" (1745) und „Der Aufseher oder Vormund" (1745), eine Übersetzung aus dem Englischen.

Positiv auf die Entwicklung moralischer Wochenschriften wirkte sich die Beteiligung der „Gottschedin" an der Übersetzung zweier britischer Zeitschriften ins Deutsche aus. Bei diesen Gazetten handelte es sich um die von den Schriftstellern Joseph Addison 1672–1719) und Richard Steele (1672–1729) herausgegebenen Zeitschriften „The Spectator" und „Guardian", die 1739 bis 1743 als „Der Zuschauer" und „Der Aufseher oder Vormund" erschienen.

Zu den umfangreichsten literarischen Projekten des Ehepaares Gottsched gehörte die Übertragung von „Bayles Dictionnaire historique et critique" (1695–1697). Dieses vierteilige Werk erschien unter dem Titel „Herrn Peter Baylens ... Historisches und Critisches Wörterbuch, nach der neuesten Auflage von 1740 ins Deutsche übersetzt" von 1741 bis 1744. Von den insgesamt 635 Artikeln stammten 330 aus der Feder der „Gottschedin".

Maßgeblichen Anteil hatte Luise Gottsched am Zusammenkommen des sechsbändigen Werkes „Die Deutsche Schaubühne nach den Regeln und Exempeln der Alten" (1741–1745) ihres Mannes. In dieser Mustersammlung von Theaterstücken wurden auch die Stücke „Das Testament" und „Der Witzling" der „Gottschedin" veröffentlicht.

In den 1740-er Jahren schrieb Luise Gottsched eine Geschichte der Lyrik, für die sich jedoch kein Verleger interessierte. Dieses Werk verbrannte sie kurz vor ihrem Tod. 1747 hatte das Ehepaar Gottsched eine Audienz bei der österreichischen Kaiserin Maria Theresia (1717–1780), die die „Gottschedin" als „die gebildetste Frau Deutschlands" bezeichnete.

1752 litt Luise Gottsched an Tertianfieber, einer Form der Malaria. Erst jetzt gönnte ihr Mann der überarbeiteten Frau eine Pause in Form von Erholungsreisen, auf denen sie allerlei Ehrungen erfuhr. 1754 erfuhr sie von der Untreue ihres Gatten. Ab 1760 war die „Gottschedin" so krank, dass sie nicht mehr schreiben konnte, kaum noch etwas aß, oft in Ohnmacht fiel und sich häufig Aderlässen unterzog.

Als Ursache ihrer Krankheit betrachtete die „Gottschedin" ihre 28 Jahre lange ununterbrochene Arbeit für ihren Mann, Gram im Verborgenen und über sechs Jahre hinweg unzählige Tränen. Dies teilte sie ihrer Freundin Dorothea Henriette von Runckel mit.

Am 26. Juni 1762 starb Luise Gottsched nach mehreren Schlaganfällen und teilweiser Lähmung im Alter von nur 49 Jahren in Leipzig. Ihr Gatte heiratete kurz nach ihrem Tod zum dritten Mal. Dorothea Henriette von Runckel veröffentlichte von 1771 bis 1773 postum die Briefe der „Gottschedin".

*

Bestellungen von "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" bei:
www.buch-shiop-mainz.de


Veröffentlicht von: Ernst Probst
Web: http://www.antiquitaeten-shop.net
Kontakt: e-mail


Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
Dieser Artikel darf von Dritten für die Inhalte von Newslettern oder Websitecontent verwendet werden. Voraussetzung für eine Veröffentlichung durch Dritte ist, die jeweilige Autoreninfo aus 'Über den Autor', unter jedem Artikel vorhanden, unverändert mit zu veröffentlichen. Ein Verstoß gegen diese Regel, verstößt gegen die Copyright-Bestimmung. Es wäre ebenfalls von Vorteil den Verfasser des Artikels per e-Mail zu informieren, wo sein Artikel veröffentlicht wurde.


Weitere Artikel von Ernst Probst: