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Liv Ullmann: Die große norwegische Schauspielerin

Kategorie: Kultur
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


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Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Norwegens bedeutendste Filmschauspielerin ist die Künstlerin Liv Ullmann. Ihre größten Erfolge auf der Leinwand feierte sie in Filmen des schwedischen Regisseurs Ingmar Bergman. Ab Beginn der 1980-er Jahre engagierte sie sich immer mehr für den Frieden und für die Not leidenden Kinder in aller Welt.

Liv Johanne Ullmann wurde am 16. Dezember 1939 als Tochter eines norwegischen Luftfahrt-Ingenieurs in Tokio geboren, als ihr Vater in Japan arbeitete. Bald danach zog sie mit ihren Eltern in die Gegend von Toronto in Kanada. Als ihr Vater einen folgenschweren Berufsunfall erlitt, musste er sich in New York behandeln lassen, wo er kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges starb.

Daraufhin kehrte Livs Mutter mit ihren zwei Töchtern nach Norwegen zurück. Liv besuchte in der Nähe von Trondheim die Schule, bewarb sich 1956 um einen Ausbildungsplatz an der „Nationalen Theaterschule" in Oslo, wurde aber nicht angenommen. 1957 nahm sie acht Monate lang Unterricht in einer Londoner Schauspielschule.

Ebenfalls 1957 feierte Liv Ullmann am Theater in Stavanger mit der Titelrolle des Stücks „Das Tagebuch der Anne Frank" ihr Debüt auf der Bühne. Sie arbeitete bis 1959 am Theater in Stavanger, danach am Nationaltheater und am „Norwegischen Staatstheater" in Oslo.

Ab 1959 wirkte Liv Ullmann in norwegischen Filmen mit. Zu ihren ersten Streifen gehörten „Frühehe" (1959), „Nachtbrot" (1960), „Aller Nächte Sehnsucht" (1962) und „Pan" (1965). 1960 heiratete die blonde Aktrice den norwegischen Arzt Dr. Jappe Stang, von dem sie 1966 geschieden wurde.

Den Durchbruch als Filmschauspielerin brachte die Hauptrolle in dem Streifen „Persona" (1966) des schwedischen Regisseurs Ingmar Bergman. Liv wurde ein Zeitlang Bergmans Lieblingsstar und Lebensgefährtin. Aus dieser Verbindung ging 1967 die Tochter Linn hervor. Zusammen mit Bergman drehte sie die Filme „Die Stunde des Wolfs" (1967), „Schande" (1968) und „Eine Passion" (1969).

„Er war für mich Gott. Ich bewunderte ihn und ängstigte mich zugleich zu Tode vor ihm", sagte Liv Ullmann über Ingmar Bergman. Von ihm lernte sie, mit wenigen Worten und Gesten, dafür aber mit ihrem Gesicht alles auszudrücken – Trauer, Verzweiflung, Glück und Einsamkeit.

Zu Beginn der 1970-er Jahre wirkte Liv Ullmann in amerikanischen Filmen mit, so in „The Night Visitor" („Der unheimliche Besucher", 1970) und „Lost Horizont" („Der verlorene Horizont", 1971). Außerdem sah man sie in dem TV-Zweiteiler „Die Auswanderer"/„Das neue Land" (1970) und in dem britischen Streifen „Pope Joan" („Papst Johanna", 1971).

Weitere internationale Erfolge feierte Liv Ullmann mit den Bergman-Filmen „Schreie und Flüstern" (1972), „Szenen einer Ehe" (1974), „Von Angesicht zu Angesicht" (1975), „Das Schlangenei" (1977) und „Herbstsonate" (1978). Weniger erfolgreich waren ihre Hollywood-Filme „Der verlorene Horizont" (1971), „40 Carats" (1972) und „Die Brücke von Arnheim" (1976).

Das US-Nachrichtenmagazin „Time" schwärmte einst über Liv Ullmann: „Liv, das heißt norwegisch Leben. Und dieses Wort passt zu dem Gesicht. In den Augen die Tiefe der kristallklaren Fjorde und die unendliche Weite der Wälder. Unschuld und Sex in einem." Filmproduzent Mike Frankowvich bescheinigte ihr die gleiche Verletzlichkeit im Ausdruck wie Ingrid Bergman. Manche Kritiker verglichen sie mit der Garbo, obwohl diese stets nur Selbstdarstellerin war, während die Ullmann wie ein Chamäleon in ihre Rollen schlüpfte.

Liv Ullmann selbst gestand einmal, sie genieße es, ein Star zu sein, im Mittelpunkt zu stehen, in feudalen Hotels zu wohnen und im Luxus zu schwimmen. Doch nach solch einem Tag schließe sie die Tür ab, schaue in den Spiegel und sage sich: „Denk’ dran, Liv, du bist nichts anderes als Liv Ullmann, eine gewöhnliche Schauspielerin, einfach nur eine Frau, die ein wenig mehr Glück gehabt hat als andere."

Im Februar 1980 beteiligte sich die norwegische Schauspielerin zusammen mit der amerikanischen Sängerin Joan Baez an einem Friedensmarsch an die thailändisch-kambodschanische Grenze. Ab August 1980 wurde sie als Nachfolgerin von Danny Kaye und Peter Ustinov Sonderbotschafterin des „Weltkinderhilfswerkes der Vereinten Nationen" („United Nations Children’s Emergency Fund", UNICEF).

Auch danach trat Liv immer wieder auf der Bühne, auf der Leinwand oder im Fernsehen auf. Man sah sie unter anderem in den Filmen „Gaby a true story", 1986), „Goodbye Moskau" (1986), „La Amiga" (1987, deutsch: „Die Freundin") und in dem Fernsehfilm „Der Rosengarten" (1989). Als Regisseurin arbeitete sie erstmals in dem Film „Love" (1981), in dem sieben von Frauen geschriebene Liebesgeschichten geschildert wurden. Weitere Regiearbeiten folgten mit „Look at Liv" (1982 und „Sofie" (1992).

Liv Ullmann erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Die „Amerikanische Kritiker-Gesellschaft" wählte sie 1969, 1970 und 1974 zur „besten Schauspielerin des Jahres". 1973, 1974 und 1977 verlieh man ihr den „New York Film Critics Award". 1979 bekam sie den „David-de-Donatello-Preis". 1987 wurde ihr die Ehrendoktorwürde der Universität Haifa (Israel) zugesprochen.

Auch als Schriftstellerin hatte Liv Ullmann großen Erfolg: 1976 erschienen ihre Memoiren unter dem Titel „Wandlungen". Seit 1985 ist sie mit dem amerikanischen Immobilienhändler Donald Sanders verheiratet. Über ihn sagte sie, er sei ein Mann, der zuhören könne.

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
Web: http://buecher-von-ernst-probst.blogspot.com
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
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